20.07.2010

Vor kurzem durfte ich wieder mal an einer Testleserrunde bei lovelybooks teilnehmen. Gelesen und diskutiert wurde diesmal das Erstlingswerk von Johanna Alba und Jan Chorin, die sich rege an der Leserunde beteiligt haben. Wer gerne mehr über den Roman erfahren möchte, den verweise ich auf die Internetseite http://www.papstkrimi.de/   

Alt, faltig, verkniffen, humorlos, stockkatholisch. So stellt man sich den Papst meist vor. Doch nicht so Petrus II., Papst im humorvollen Krimi "Halleluja" von Johanna Alba und Jan Chorin. Er ist so ganz anders als seine Vorgänger. Kugelrund von zu viel Vino, Caffè, Cornetto, Spaghetti und was die italienische Küche sonst noch so hergibt. Großer Fan des italienischen Fußball, sehr zum Leidwesen seiner strenggläubigen Haushälterin. Und mit einer Spürnase, wie man sie sonst nur bei Columbo oder Miss Marple findet.
Gerade sein Riecher fürs Verbrechen hilft ihm weiter, als ein heimtückischer Anschlag auf einen befreundeten Kardinal verübt wird. Eine Engelsstatue begräbt den Mann unter sich, doch wer steckt dahinter? Etwa Gott selbst, der zornig über das lästerliche Leben des Kardinals ist? Oder doch eher eine irdische Macht? Papst Petrus II. macht sich auf die Suche nach dem wahren Täter und gerät dabei selbst in die Schussbahn...  


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Päpste kommen in vielen Büchern ja meist schlecht weg, werden als intrigant und auf die Vergrößerung ihrer eigenen Macht bedacht dargestellt. Da stellt Petrus II. eine herrlich amüsante Abwechslung dar. Ein moderner Papst, der an das Gute im Menschen glaubt, den weltlichen Genüssen nicht abgeneigt ist, sich gerne mal in eine Kneipe zum Fußball-gucken zurückzieht und trotzdem Gottes Botschaft vermitteln kann. Dabei wird die Kirche als Institution auch durchaus mal kritisch beäugt, ohne dabei jedoch christliche Leser vor den Kopf zu stoßen. 

So spannend wie ein normaler Thriller ist der Papst-Krimi "Halleluja" zwar nicht, aber ich würde das Buch auch gar nicht in die klassische Krimi-Sparte stecken, trotz des Namens. Dennoch ist der Plot gut durchdacht und bietet genug Hinweise, um selbst rätseln zu können, wer wohl der Täter ist. Aber auch der Humor und die italienische Lebensart kommen nicht zu kurz. Ein gelungener Mix mit sympathischen Charakteren, der Lust auf einen Nachfolgeband macht!

Halleluja - Ein Papst-Krimi - Jan Chorin / Johanna Alba
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: rororo; Auflage: 3 (1. Juli 2010)
ISBN-10: 3499253828
Preis: 8,95 Euro

Willis Fazit:



10.07.2010


Als Jonathan bei einem Autounfall seine geliebte Tochter verliert, bricht für ihn seine Welt zusammen. Der ehemals erfolgreiche Fotograf und Eventmanager sieht keinen Sinn mehr in seinem Leben, er betrinkt sich und hängt mit Pennern im Park rum, nur um nicht nach Hause zu müssen, wo ihn alles an seine Tochter erinnert. Als dann auch noch der schuldige Autofahrer, der zum Unfallzeitpunkt sturzbetrunken war, dank des mit der Familie befreundeten Richters freigesprochen wird und nicht einmal eine Bewährungsstrafe erhält, verfällt er vollständig der Wut. Wie kann es nur so ungerecht zugehen im Leben?

So fährt er schließlich einfach los nach Italien, um sich von seinem alten Leben zu lösen. In einem kleinen Dorf findet er eine Bleibe und traut seinen Augen kaum, als er dort die Gutstochter kennenlernt. Sie sieht seiner toten Tochter zum Verwechseln ähnlich. Wenn er schon seine eigene Tochter nicht beschützen konnte, denkt sich Jonathan, so will er wenigstens dafür sorgen, dass dieser jungen Frau nichts passieren kann und heiratet sie nach ein paar Wochen, um mit ihr gemeinsam das verfallene Gut zu einem schönen Feriendomizil umzugestalten. So gehen sechs Jahre ins Land und Jonathan führt ein glückliches, unkompliziertes Leben. Bis ausgerechnet der Richter, der den jungen Fahrer damals freigesprochen hat, bei ihnen Ferien macht. Der alte Hass kocht wieder in ihm hoch und Jonathan beschließt, sich an allen Beteiligten zu rächen. Doch ihr Tod allein reicht ihm nicht aus…

09.07.2010

Puuh, bei 30°C im Schatten schmilzt man regelrecht dahin. Da ist Sommerlektüre angebracht, sollte man meinen. Aber in letzter Zeit lese ich eher Bücher mit ernstem Thema und so kann man auch das Buch, das ich euch heute vorstellen will, nicht gerade der leichten Unterhaltung zuordnen:

"Rost" von Philipp Meyer.

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Worum geht es?
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Buell, Pennsylvania. Eine ehemalige Hochburg der Stahlindustrie, die den Menschen seit ihrem Untergang nichts mehr zu bieten hat als Massenarbeitslosigkeit, umherfliegenden Rost, der die Wäsche verfärbt und verbitterte Menschen, die sich selbst aufgegeben haben. In dieser Stadt wachsen der junge Isaac und Billy Poe auf, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Isaac, ein hochintelligenter, doch schmächtiger Zwanzigjähriger, entschließt sich, endlich seinem Zuhause in dem Provinzkaff zu entfliehen. Seit seine Mutter vor fünf Jahren Selbstmord beging und seine ältere Schwester kurz darauf zum Studieren nach Yale ging, war Isaac allein mit seinem mürrischen, an den Rollstuhl gefesselten Vater. Nun will er abhauen, nach Kalifornien, um dort Astrophysik zu studieren und dem verhassten Zuhause zu entfliehen, in dem sein Vater eh nie ein gutes Wort für ihn übrig hat.
Billy, ehemaliger Footballstar an der Schule, hat es versäumt, sich für die Unis zu bewerben, die ihn als begabten Sportler mit Kusshand genommen hätten. So lässt er sich einfach treiben, trinkt Alkohol, haust im Trailer seiner Mutter und seine Arbeit im Eisenwarenladen hat er auch gerade verloren. Als ihn sein Freund da bittet, ihn nach Kalifornien zu begleiten, willigt er ein.

Doch gleich zu Beginn ihrer Reise spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu: bei einem Streit mit Obdachlosen um eine trockene Unterkunft für die Nacht wirft Isaac mit einer schweren Kugel nach einem der Männer und tötet ihn. Bevor sie richtig begreifen, was passiert ist, wird Billy, bereits vorbestraft und für sein gewalttätiges Wesen bekannt, unschuldig verhaftet und kommt ins Gefängnis, wo er auf seinen Prozess warten muss. Isaac dagegen flieht Richtung Süden…


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Meine Meinung
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„Rost“ ist die Schilderung vieler Einzelschicksale, die zusammen das Bild einer verfallenen amerikanischen Kleinstadt zeichnen. Isaacs Schwester Lee beispielsweise hat es zwar geschafft, dem tristen Leben in Buell zu entkommen, quält sich jedoch mit Schuldgefühlen, den kleinen Bruder allein mit dem pflegebedürftigen Vater zurückgelassen zu haben. Billys Mutter Grace hadert mit ihrem Leben im Wohntrailer, wollte sie doch schon vor Jahren dieses Nest von einem Ort verlassen. Als unterbezahlte Näherin und vom Exmann ständig ausgenutzt, verliert sie schließlich fast ihren Lebenswillen, als ihr Sohn ins Gefängnis kommt. Kann ihre immer mal wieder aufflackernde intime Beziehung zum Sheriff Billy vielleicht weiterhelfen?

Man kann es schon erahnen, es dominiert der trübsinnige Grundton der Erzählung. Armut, sozialer Abstieg, Kriminalität, Schuld und verpasste Chancen bilden die Themen des Buches.
Die Geschichte verläuft dabei eher langsam und schleppend, gleich dem Leben der Protagonisten. Und doch kann man sich dem Buch nicht entziehen. Der Fokus des Autors liegt hierbei nicht auf einer komplexen Handlung und rasanten Geschehnissen, sondern auf den unterschiedlichen Charakteren. Die sind einzigartig, sehr ehrlich und glaubwürdig geschildert. Sie werden nicht idealisiert, sondern mit all ihren Fehlern dargestellt, ihre Handlungen sind jederzeit nachvollziehbar.


Jedes Kapitel wird von einer unterschiedlichen Person geschildert, die alle ihre eigene Erzählweise haben. Daher mag die Schreibweise für manche anfangs gewöhnungsbedürftig sein, da gerade das erste Kapitel aus Isaacs Sicht geschildert wird, der sich durch sprunghafte, beinahe wirr anmutende Gedanken auszeichnet. Hat man das erste Kapitel allerdings hinter sich gebracht, wird man das Buch nicht mehr weglegen wollen.

Der Autor beschreibt kritisch und desillusionierend das Schicksal vieler amerikanischer Städte und der darin lebenden Menschen. Ein sozialkritischer Roman über die andere, dunkle Seite von Amerika, jenseits des American Dream.

Fazit: Wer nach lockerer Unterhaltungsliteratur sucht, ist hier garantiert falsch. Das Buch gleicht eher einer Tragödie und verbreitet nicht grad eine positive Stimmung. Trotzdem ist das Buch absolut lesenswert und vermittelt ein realistisches Bild des heutigen Amerika. Wer eine gut geschriebene Geschichte mit komplexen Charakteren sucht, ist hier demnach genau richtig. Kaufen und Lesen!


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Über den Autor
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"John Steinbeck is alive and well today . . . and his name is Philipp Meyer"
—Geordie Williamson, chief literary critic, The Australian

“everything about this story seems essentially American…in the tradition that stretches from Ernest Hemingway to Cormac McCarthy. Meyer knows how to create heartbreakingly real female characters, too. [His] tone is less polemic than John Steinbeck's, but he's working on the same broad scale."
—The Washington Post, Ron Charles

»Gibt es den großen amerikanischen Roman noch, der den Zeitgeist einfängt? Ja, es ist Philipp Meyers ›Rost‹, an der Seite von Cormac McCarthy, Salinger und Kerouac.«

— Daily Telegraph

Ich könnte jetzt an dieser Stelle auch noch viele weitere Zitate bringen, aber wie man sieht, überschlägt sich die Presse quasi mit positiver Kritik. Philipp Meyer wird mit so bekannten Autoren wie Hemingway, Steinbeck und Salinger in einer Reihe genannt und kann diesem Vergleich meiner Meinung nach durchaus standhalten.

Geboren 1974, wuchs er in Baltimore auf und arbeitete mehrere Jahre als Rettungssanitäter, bevor er begann, Englisch zu studieren. Heute lebt er in Texas und New York.


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Angaben zum Buch
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Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag

Preis: 22,95 Euro

460 Seiten

ISBN-10: 3608938931
Leseprobe gefällig?

http://www.vorablesen.de/files/Leseprobe_Meyer_Rost.pdf


Danke an vorablesen für das Rezensionsexemplar!


08.07.2010

Libby Day war erst sieben, als ihre Mutter und ihre zwei Schwestern brutal ermordet wurden. Sie selbst konnte entkommen und brachte mit ihrer Aussage ihren fünfzehnjährigen Bruder Ben lebenslänglich ins Gefängnis. Jetzt, 25 Jahre später, lebt sie ohne Ziel in den Tag hinein und denkt immer öfter über Selbstmord nach. Als ihr das Geld auszugehen droht, von dem sie bisher dank großzügiger Spenden von mitfühlenden Menschen gelebt hat, muss sie sich eine neue Einkommensquelle suchen. Wie wunderbar passt ihr da das Angebot des sogenannten „Kill Club“, dessen Mitglieder mysteriöse oder unaufgeklärte Mordfälle untersuchen, quasi als Hobby. Für ein paar Gespräche und Souvenirs aus der Familie soll sie eine ordentliche Stange Geld bekommen. 

Doch das Treffen mit den Mitgliedern läuft nicht gut für Libby. Die anderen sind von der Unschuld ihres Bruders überzeugt, man wirft ihr vor, in ihrer Aussage gelogen zu haben, in der sie ihren Bruder als Mörder identifiziert hat. Wie erklärt sie sich die Ungereimtheiten, die am Tatort aufgetaucht sind? Von wem stammt der blutige Fußabdruck, der nicht zu Ben gehört? Und welches Motiv hätte er gehabt? Könnte nicht eher ihr verschuldeter, alkoholsüchtiger Vater der Täter sein? Libby ist alles andere als begeistert, dass man sie als Lügnerin hinstellen will, doch schon bald nach dem Treffen regen sich auch bei ihr Zweifel. Und so beginnt sie, in ihrer Vergangenheit zu forschen und muss feststellen, dass ihr Bruder vielleicht tatsächlich unschuldig im Gefängnis sitzt…

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Ich bin eigentlich kein großer Thriller-Fan, aber "Finstere Orte" von Gillian Flynn konnte mich echt begeistern. Abwechselnd aus Libbys Sicht, die in der Gegenwart nach Hinweisen forscht, und aus Sicht ihrer Mutter und ihres Bruders, die den Tag vor den Morden schildern, wird die Geschichte erzählt. So ergibt sich nach und nach ein Bild der Umstände, die zu den Morden geführt haben. 

Mir persönlich machen Thriller immer dann besonders Spaß, wenn man als Leser in die Fußstapfen von Miss Marple oder Columbo treten kann. Wenn man Spekulationen über den Mörder anstellen und jeden Verdächtigen kritisch beäugen kann. So bietet auch „Finstere Orte“ genug Stoff zum Mitraten. Verdächtige werden eingeführt und entlastet, Beweise aufgedeckt und gesammelt. Das Rätsel um die Morde an Libbys Familie bleibt bis zum Ende spannend und unvorhersehbar. Der Plot ist dabei genauestens durchdacht, jedes kleinste Detail wird irgendwann aufgegriffen, so dass keine Ungereimtheiten bleiben, wie bei manch anderem Buch. Und das fand ich richtig klasse gelungen.

Mit der Protagonistin Libby als Hauptcharakter ist die Autorin dabei ein großes Risiko eingegangen, ist Libby anfangs doch alles andere als sympathisch und könnte den Leser eher abstoßen. Verlogen, gerissen, habgierig, ein Langfinger. So lernen wir die Einunddreißigjährige kennen. Kein Lebensziel vor Augen. Doch genau diese Mischung lässt sie so normal und auch realistisch erscheinen, denn ganz ehrlich, Libby hat viel Schlimmes erlebt und es wäre ein Wunder, wenn sie vollkommen normal geblieben wäre. Und trotz ihrer Charakterschwächen wächst Libby einem langsam ans Herz, wobei sie natürlich auch nach und nach eine charakterliche Veränderung durchläuft.

Mein Fazit: „Finstere Orte“ ist ein gelungener, wohldurchdachter und spannender Thriller mit glaubhaften Charakteren und logischem Ende. Klare Leseempfehlung! 

Finstere Orte - Gillian Flynn
Gebundene Ausgabe: 527 Seiten 
Verlag: Scherz; Auflage: 2 (19. Februar 2010) 
ISBN-10: 3502100950
Preis: 16,95 Euro

Willis Fazit:



07.07.2010

Tadaa, ein neuer Blog ist geboren in der mittlerweile unüberschaubar groß gewordenen Vielfalt, die man so finden kann im Netz. 
"Friedelchen's Bücherstube" ist mein erster Blog, in dem es ausschließlich um meine Obsession gehen soll: Bücher. Seit etwas mehr als einem Jahr gewinne ich regelmäßig Bücher und möchte an dieser Stelle über sie berichten. Vielleicht findet ihr ja ein interessantes Buch für euch selbst oder für eure Lieben. 
Los geht's mit "Finstere Orte" von Gillian Flynn, welches ich bei westropolis.de gewonnen habe. Nach und nach werde ich ältere Rezensionen ebenfalls hier einpflegen. Mittlerweile haben sich schon einige angesammelt.