31.08.2010

Amazon hat vor etwa 2 Monaten eine neue Aktion gestartet: fleißige Rezensenten können dem "Vine"-Programm beitreten und jeden Monat Produkte testen. Darunter auch Bücher. Da kann ein Buchsuchtie wie ich einfach nicht nein sagen :-)

Und so bin ich zu "Über mir der Himmel" gekommen, ein sehr schönes Jugendbuch, über das ich heute berichten will. Es geht um die Frage, wie man weiterleben soll, wenn der wichtigste Mensch in deinem Leben stirbt. Und um die Liebe zu gleich zwei Jungen.


Lennie ist siebzehn, als ihre ältere Schwester Bailey völlig unvorhergesehen stirbt und sie allein zurücklässt. Ihre Grandma und ihr Onkel, bei denen sie wohnt, können ihr nicht helfen. Lennie zieht sich mit ihrem Kummer immer mehr zurück und hängt in ihrem Zimmer, das sie sich bis vor ein paar Tagen noch mit ihrer Schwester geteilt hat, düsteren Gedanken nach. Wie führt man eigentlich ein eigenständiges Leben, wenn man doch immer nur im Schatten der schönen, begabten Schwester gestanden und die eigenen Träume ihr zuliebe zurückgestellt hat? Wenn man verloren auf das leere Bett auf der anderen Seite des Zimmers starrt?
Um ihren Schmerz zu verarbeiten, schreibt Lennie. Momente aus dem gemeinsamen Leben der Schwestern, Gedichte, was ihr halt gerade so durch den Kopf geht. Sie schreibt überall drauf, auf benutzte Pappbecher, Klowände, Buchseiten, Papierfetzen, die sie einfach dort liegen lässt, wo sie sich gerade befindet. So verteilt sie ihre Trauer über die ganze Stadt.

In diesem verlorenen Zustand trifft sie auf Joe, den Neuen an ihrer Schule, der wie sie im Orchester spielt. Joe sieht nicht nur super aus, sondern ist auch ein leidenschaftlicher Musiker und führt Lennie mit seiner heiteren lebensfrohen Art langsam wieder zurück ins Leben. Und bevor Lennie sich klar wird, ob man überhaupt fröhlich sein und sich sogar verlieben darf, wenn die Schwester doch tot in ihrem Grab liegt, ist es auch schon um sie geschehen. Mit Joe verbringt sie wundervolle Stunden voller magischer Küsse und bezaubernder Musik. Wäre da doch nur nicht diese seltsame Anziehungskraft zwischen ihr und Toby. Denn der war eigentlich Baileys Freund …

Die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben, heißt es. So beruht auch diese Geschichte auf einer wahren Begebenheit. Die Autorin, Jandy Nelson, erlitt selbst einen schrecklichen Verlust und verteilte ihre Gefühle auf Zettelchen über die ganze Stadt. Und über so eine lebensverändernde Erfahrung wollte sie ein Buch schreiben, aber als Romantikerin ließ sie es sich nicht nehmen, dies vor dem Hintergrund einer mitreißenden Liebesgeschichte zu tun. So entstand dieser gefühlvolle Debütroman, der durch Witz und Originalität begeistert, aber ebenso durch die liebevolle Gestaltung des Buches, in dem Lennies Notizen auf Kacheln oder zerdrückten Pappbechern gezeigt werden. So lacht und leidet, trauert und bangt man mit Lennie zusammen, erlebt ihr Gefühlschaos hautnah und begleitet sie bei ihrem langen Weg durch die Trauer. Solange, bis auch Lennie schließlich begreift, dass ein Weiterleben möglich ist.

Wer sehen möchte, wie Lennies Notizen im Buch dargestellt werden, muss einfach zum Vergrößern auf die Bilder klicken.
 
„Über mir der Himmel“ ist ein wirklich schönes Jugendbuch über einen schweren Verlust, über unsägliche Trauer, aber auch über Herzschmerz und die erste große Liebe, welches nicht nur Teenager begeistern wird. Nehmen und lesen!

Über mir der Himmel - Jandy Nelson
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: cbj (23. August 2010)
ISBN-10: 3570138771
Preis: 14,95 Euro 

Willis Fazit: 

24.08.2010

Tja, das Warten muss leider noch weitergehen. Obwohl "Mockingjay", der Abschluss der Hunger Games, offiziell heute erscheinen soll, ist Amazon da anderer Meinung und hat mein Exemplar noch nicht losgeschickt. Und die ersten Amis haben es schon durch :-(
Jetzt muss ich allen Rezensionsplattformen fernbleiben, bis ich es selbst gelesen habe. Nicht, das irgendwo zuviel verraten wird.

21.08.2010

Heute will ich euch ein Buch vorstellen, das mich ganz besonders berührt hat. An nur einem ruhigen Nachmittag auf meiner Terasse habe ich dieses Buch in einem Zug durchgelesen, weil ich es einfach nicht weglegen konnte. Doch was hat mich daran so gefesselt? Hier könnt ihr es rausfinden...

Jeder, der schon mal in Berlin oder einer anderen Großstadt mit der Bahn gefahren ist, hat sie bestimmt gesehen: die Obdachlosen, die mit monotoner Stimme um ein bisschen Kleingeld oder etwas zu essen bitten. Wie reagiert ihr da? An gutgelaunten Tagen gebe ich ihnen schon mal einen Euro, doch oftmals vergrabe ich mich einfach hinter meinem Buch und beachte sie nicht weiter. Die meisten Menschen blenden sie einfach aus, sehen sie nicht. Vielleicht weil sie unangenehm riechen, selbst schuld sind an ihrer Situation oder einfach, weil wir ihr Leid nicht sehen wollen.
Eben dies thematisiert der französische Autor Harold Cobert in seinem Roman „Ein Winter mit Baudelaire“. Inspiriert durch eine Fernseh-Reportage, hat er sich genauer mit dem Leben der Obdachlosen auf der Straße auseinandergesetzt und ein wunderschön poetisches, eindringliches Buch geschrieben. Dieses möchte ich euch heute vorstellen:

Philippe verliert kurz hintereinander seine Frau, seine Wohnung und seinen Job. Anfangs lebt er noch vom Geld auf seinem Konto, doch das geht schnell zur Neige. Arbeitslosengeld steht ihm nicht zu, eine neue Wohnung bekommt er nur mit einem festen Gehalt. Immer drängender wird für ihn die Frage, wo er die nächste Nacht verbringen soll. Aus Scham gesteht er weder seinen Eltern noch seinen Freunden seine Situation, und ohne unterstützende Hilfe rutscht er immer tiefer in die Ausweglosigkeit. Mit jeder Job-Absage, jedem Misserfolg schwindet sein Elan und Tatendrang ein Stückchen mehr, bis er schließlich nicht mehr weiter weiß und erschöpft auf einer Parkbank zusammenbricht und seine erste Nacht im Freien verbringt. Er ist zum Obdachlosen geworden… 

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Dieses Buch fährt einem wirklich unter die Haut! Cobert zeigt den aussichtslosen Versuch eines Mannes, seine Würde zu bewahren und als Mensch und nicht als Schandfleck der Gesellschaft gesehen zu werden. Anfangs noch ein gebildeter Mann, versinkt Philippe nach und nach in seinem eigenen Dreck und in der Gossensprache. Dann droht ihn auch noch der Alkohol zu zerstören. In dieser Situation trifft er auf den Streuner Baudelaire, der ihm mit seiner bedingungslosen Liebe wieder etwas Hoffnung gibt.
Mit Philippes Abstieg sinkt auch das sprachliche Niveau. Anfangs dominieren wundervoll poetische Satzkonstruktionen, die jedoch immer roher werden, je mehr Philippe verkommt. Erst mit Baudelaire ändert sich seine Situation nach und nach. So hat der Autor ein berührendes mitreißendes Buch geschaffen, realistisch und unkitschig, das ich vorbehaltlos weiterempfehle. Zwar wird dieses Buch an der Situation der Obdachlosen nichts ändern können, doch mag sich durch die Lektüre wenigstens unser Blick auf sie verändern. Und genau das will Cobert wohl auch bezwecken, widmet er das Buch doch den Obdachlosen, "damit man sie nicht mehr ansieht, ohne sie zu sehen".

Nehmen und Lesen! 

Ein Winter mit Baudelaire - Harold Cobert
Gebundene Ausgabe: 285 Seiten
Verlag: Pendo (9. August 2010)
ISBN-10: 3866122586
Preis: 17,95 Euro 

Willis Fazit:

20.08.2010

Hach, frisch zurück aus dem Urlaub an der stürmischen Nordsee. Was kann es da Schöneres geben, als nicht nur ein Buch, sondern gleich ein ganzes BuchPAKET vorzufinden? Meine Leseexemplare vom Haymon-Verlag sind angekommen, juhuu. Gut, dass ich noch ein paar freie Tage übrig habe, um mich auf meine neuen Schätze zu stürzen. :-) Aber ich muss mich beeilen. In 4 Tagen kommt "Mockingjay", der Abschlussband der Hunger Games, raus. Da werd ich alles andere erstmal stehen und liegen lassen.

14.08.2010

Puuh, es ist viel passiert in der Literaturwelt in den letzten Tagen...

Cassandra Clare, die im Netz für ihre Fanfiction zu Harry Potter berühmt geworden ist und nun als richtige Autorin ihr Geld verdient, hat am 05.08. eine literarische Bombe platzen lassen :-)

Der Verlag Simon & Schuster, der ihre "Mortal Instruments"-Bücher rund um Clary und Jace verlegt, hat weitere 2 Bücher abgesegnet. Statt einer Trilogie, wie anfangs geplant, wird es nun ein Sechserpack. Im nächsten Jahr erscheint ja bereits Band 4, "City of Fallen Angels". Doch bei dem bleibt es nicht. 2012 und 2013 erscheinen Band 5 und 6 um die Shadowhunter, "City of Lost Souls" und "City of Heavenly Fire". Offenbar werden die Buchtitel immer länger :-)
Bis es soweit ist, vertreibe ich mir die Zeit mit ihrer neuen Prequel-Serie, "The Infernal Devices", deren erster Band "Clockwork Angel" in 16 Tagen auf Englisch erscheint. Sieht das Cover nicht fantastisch aus?

Und in wenigen Tagen kommt auch endlich der letzte Band der "Hunger Games" um Katniss, Peeta und Gale auf Englisch raus. Für alle Fans, die sehnsüchtig auf das Erscheinen der deutschen Ausgabe warten, gibt es bereits einen kleinen Appetithappen: das Cover sowie der Titel des dritten Bandes steht fest. "Flammender Zorn" bildet für die deutschen Fans den Abschluss der Reihe. Ich dagegen freue mich auf "Mockingjay", das schon am 24.08. erscheint.

An Lesestoff mangelt es mir bis dahin trotzdem nicht. In dieser Woche kamen gleich 3 neue Bücher an. "Apocalypsia", ein Fantasyroman um das Sterben Gottes und den daraufhin ausbrechenden Kampf der Engel, "Über mir der Himmel", ein Jugendbuch über ein Mädchen, das sich nach dem Tod ihrer Schwester immer mehr vom Leben zurückzieht, und zuguterletzt "Das Wörterbuch der Liebenden", ein Roman, der eine Liebesgeschichte in Dudenform erzählt.