08.03.2011

Zu hause ist man dort, wo das Herz ist. Doch was ist, wenn die Liebe schwindet? Wenn man plötzlich allein ist, in einer Stadt, die nie so recht zur Heimat geworden ist? Dann wird man zum Aushäusigen, Heimatlosen... 


"Sie habe sich nicht gewöhnen können. Weil das Ungewöhnliche, nämlich sie selbst, die Fremde auf dem Wasser, immer eine Ungewöhnliche geblieben sei, eine Auswärtige, eine Dazugekommene. Sie will sich nicht gewöhnen. Nicht einmal an Wien."

 Rita ist eine "Aushäusige", eine heimatslose Frau, die der Liebe wegen aus dem Heimatort in den österreichischen Bergen nach Venedig gezogen ist. Doch die Liebe zu Ennio, dem Fischverkäufer, zerbricht an dem unerfüllten Kinderwunsch. Ennio flüchtet sich in seine Arbeit und den Alkohol, Rita in die Arme eines anderen. Als er davon erfährt, schmeißt Ennio sie aus der gemeinsamen Wohnung und Rita muss Unterschlupf bei ihrem Bruder Anton in Wien suchen. Doch die Gedanken an ihre zerbrochene Liebe lassen sie auch dort nicht los...

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Meine Meinung

Bereits zu Beginn des Buches ist Ritas Beziehung zu Ennio am Ende. In Rückblicken, die lückenlos mit der gegenwärtigen Handlung vermischt werden, offenbart sich langsam, wie es mit Ennio begann, aber auch, warum Rita damals aus ihrem Heimatdorf geflohen ist. Es war der Versuch, dem übermächtigen Vater zu entkommen, dem Rita nie etwas recht machen konnte; nicht mit ihrer Berufswahl und nicht mit ihrer Entscheidung für Ennio.
In Venedig wollte sie sich ein neues Leben an Ennios Seite aufbauen und versuchte, sich an die fremde Stadt anzupassen, zu der Insulanerin werden, die sich Ennio gewünscht hat. Doch heimisch fühlte sie sich dort nie. Zu fremd ist ihr der Fischgeruch, der vom Meer durch die Straßen zieht und der mangelnde Abstand der Leute zueinander; sie bleibt eine Ausländerin.
Als Ennios zunehmend dem Alkohol verfällt, fällt es ihr immer schwerer, seine Eskapaden zu ignorieren. Sie träumt sogar davon, ihn umzubringen, bis sie es schließlich nicht mehr aushält, hastig ihre Sachen packt und zu ihrem Bruder Anton nach Wien flieht. Doch mit der Flucht verschwindet Ennio natürlich nicht einfach, er beherrscht weiterhin ihre Gedanken, egal wohin sie geht; selbst in Wien verfolgt sie der Fischgeruch.

Mehr als um das vordergründige Thema der Heimatlosigkeit und der Suche nach sich selbst scheint es in diesem Buch um die Liebe zu gehen. Gruber wirft einen Blick auf diverse Beziehungen, wobei keine in diesem Buch tatsächlich glücklich zu sein scheint, und zeigt so, dass man sich selbst in einer festen Beziehung verloren fühlen kann. Antons neue Feundin überfällt ihn gleich zu Beginn mit ihrem Kinderwunsch, sein Freund hat nicht zum ersten Mal eine Affäre und Rita tröstet sich über Ennio mit einer flüchtigen Barbekanntschaft hinweg.

Grubers Ausdrucksweise hat mir gut gefallen, es wird nichts direkt ausgesprochen, sondern man muss zwischen den Zeilen lesen, sich seinen Teil denken. Völlig übergangslos springt die Erzählung zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her, zwischen Ritas und Antons Erzählung, was jedoch weniger verwirrend ist, als man denken könnte. Die Handlung entfaltet sich still und unspektakulär, aber dadurch nicht uninteressant, und hinterlässt so ein melancholisches Gefühl, als wäre man selbst heimatlos, verloren.


Aushäusige - Sabine Gruber
Broschiert: 126 Seiten
Verlag: Haymon Verlag; Auflage: 1 (22. Februar 2011)
ISBN-10: 3852188695

Preis: 9,95 Euro

Willis Fazit:





Mein herzlicher Dank für das Rezensionsexemplar geht an Nicole Oberdanner und den Haymon Verlag!


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