30.04.2011

Ihr denkt, es ist peinlich, wenn ihr in Gegenwart eures Schwarms kein Wort herausbringt oder rot werdet? Dann fragt mal Helen, die kann euch verraten, was wirklich peinlich ist: nämlich auf den umwerfenden Typ wie eine Furie loszugehen und zu versuchen, ihn zu erwürgen. Und das ohne zu wissen, warum...

Helen war schon immer etwas anders als ihre Mitschüler. Bildschön, unglaublich stark und schnell, hält sie sich selbst für einen seltsamen Freak und versucht, möglichst keine Aufmerksamkeit zu erregen, so gut es eben geht. Doch seit die Familie Delos hergezogen ist, von der plötzlich alle in der Stadt schwärmen, scheint es mit der Unsichtbarkeit vorbei zu sein. Denn als Helen Lucas Delos, dem umwerfendsten Jungen, den sie je gesehen hat, zum ersten Mal im Schulflur begegnet, überfällt sie ein unerklärlicher brennender Hass und mehrere Leute sind nötig, um sie von dem verblüfften Jungen wegzuziehen, den sie zu erwürgen versucht. Als wäre das nicht schon Grund genug, sich über ihren Geisteszustand Sorgen zu machen, hat sie seit Kurzem auch noch Halluzinationen und sieht drei blutüberströmte, dreckige Frauen, die heulend und klagend auf Lucas deuten und immer dort auftauchen, wo auch er gerade ist. Was ist nur los mit ihr?

Die Erklärung liefert ihr ausgerechnet Lucas und klingt so fantastisch wie unglaublich: Helen, sowie auch Lucas gesamte Familie sind Scions, Nachfahren der griechischen Götter und dazu verdammt, sich bis zum Tod zu bekämpfen. Doch Helen und Lucas verbindet bald schon eine viel größere Leidenschaft als der Durst nach Rache... 



Es passiert mir eher selten, dass ich mit einem Buch beginne und schon nach den ersten Seiten den Wunsch verspüre, das Buch möge nie enden. "Göttlich verdammt" ist eines davon. Von Beginn an war mir Helen so sympathisch und ihre Geschichte hat mich so mitgerissen, dass ich eigentlich gar nicht so schnell weiterlesen wollte, aus Angst, dann ewig auf den Nachfolger warten zu müssen. Aber das Buch hat mir keine andere Wahl gelassen, ich musste es einfach innerhalb kürzester Zeit beenden.

25.04.2011

"Ich dachte daran, was Leo beim letzten Mal in der Grotte über die Sommerstürme auf Selkie gesagt hatte. Vielleicht waren er und ich dazu bestimmt, nicht mehr als ein Sturm zu sein - schnell und intensiv, und dann vorbei."

"Seeleute, hütet euch vor Selkie Island! Hier gibt es Ungeheuer!" So heißt es auf dem nicht allzu ermutigendem Schild, welches über dem Bootssteg von Selkie Island hängt, einer Insel vor der Küste Georgias. Der Tod ihrer Großmutter und ein damit verbundenes geerbtes Haus führen die sechzehnjährige Miranda auf die mysteriöse Fischerinsel und bereits auf der Fähre wird sie von einem Matrosen vor Kraken, Seeschlangen und Meerjungfrauen und -männern gewarnt. Miranda, die sich seit ihrer Kindheit mehr für Wissenschaft als für Klamotten und Jungs interessiert, hält diese Warnung für abergläubisches Geschwätz, welches die Touristen anlocken soll. Doch in dem altehrwürdigen Anwesen, welches sie von ihrer Großmutter geerbt hat, findet sie ein altes Buch über die Legenden um Selkie Island, welches ihr doch zu denken gibt. Kann es tatsächlich Meermenschen auf der Insel geben?

Als Miranda am Strand dem Fischerjungen Leo begegnet, scheint sie den Beweis gefunden zu haben. Leo ist ein Mysterium, taucht unvermittelt am Strand auf und verschwindet genauso schnell wieder im Nebel. Er zeigt ihr das wahre Leben auf der Insel, fernab vom Touristenzentrum und dem Luxus, der die reichen Sommergäste anlockt. Nach und nach muss Miranda erkennen, dass sie viel mehr für Leo empfindet als nur Faszination; sie beginnt sich zu verlieben. Doch der Sommer neigt sich dem Ende zu und damit auch Mirandas Aufenthalt auf Selkie Island...




Was ist wahr, was ist nur Legende? Die sonst so rational denkende Miranda kommt ganz schön ins Zweifeln, als sie von der Geschichte der Meermenschen erfährt. Laut der Legende wurde einst ein Seemann von einer Meerjungfrau gerettet und verliebte sich in sie. Ihre Nachfahren, Menschen an Land und Fischwesen unter Wasser, bevölkern heute noch Selkie Island, so heißt es, und haben sich perfekt an die Menschen angepasst. Ist Leo vielleicht einer dieser Nachfahren?

23.04.2011

Hallo meine Lieben, heute ist Welttag des Buches und viele von euch machen beim Lesemarathon von lovelybooks mit. Sehr bewundernswert, aber dafür finde ich leider nicht die Zeit, ich.. ähh, ich meine natürlich der Osterhase, muss noch ein paar letzte Geschenke auftreiben. Anschließend setze ich mich aber mit dem verträumten "Jungen aus dem Meer" in meinen sonnigen Garten. An dieser Stelle möchte ich euch ein schönes Osterfest wünschen!


Ansonsten noch ein Hinweis in eigener Sache:
ich habe meine Tauschliste aktualisiert und zur besseren Übersichtlichkeit in Kategorien unterteilt. Vielleicht ist ja für den einen oder anderen von euch etwas dabei. U.a. habe ich einige Vampirbücher der Liste hinzugefügt.


 



FROHE OSTERN!

21.04.2011

"Weißt du noch, als ich dir mal gesagt habe, dass deine Intelligenz dich attraktiv macht?"
"Ich hab's auf ein Blatt Papier geschrieben und es von dir unterschreiben lassen."
"Dann kannst du jetzt das hier aufschreiben", knurrte Juliet. "Ich habe meine Meinung geändert. Sie ist zum Kotzen."

Malcolm ist ein Nerd, wie er im Buche steht. In der Schule ein Außenseiter, ist seine größte Leidenschaft die Wissenschaft. Und was gäbe es für ihn da Erstrebenswerteres, als beim Wissenschaftswettbewerb den ersten Platz zu gewinnen? Doch dazu bedarf es eines guten Themas, das interessant und einzigartig sein muss. Ein zufälliger, unbeabsichtigter Blick auf einen Porno gibt den Ausschlag: Malcolm beschließt, dieses Jahr einen Dokumentarfilm über Sex zu drehen. Und zu einem seriösen Wissenschaftler gehört natürlich auch der Selbstversuch, also muss er selbst auf dem Gebiet seine Erfahrung sammeln und seine Jungfräulichkeit loswerden. Doch mit wem? Seine einzige und beste Freundin Juliet sagt ja, und tritt damit eine Lawine ungeahnten Ausmaßes los...


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Woher nimmt Bernard Beckett nur seine Ideen? Bisher sind drei Bücher von ihm erschienen, und alle drei behandeln völlig unterschiedliche Themen. Thriller, Roboter-Dystopie und jetzt eine pubertäre Komödie über Liebesverwirrungen und das erste Mal.

19.04.2011


"Die Frau braucht einen Mann und es geht uns gut. Er wird auf der Leiter immer höher und höher steigen, ich werde die Leiter festhalten, damit sie nicht umkippt. Wir werden Kinder haben, aber nur eigene, denn bei Adoption, sagt er, weiß man nicht, was für Erbmaterial da ins Haus kommt. Eine Frau ohne Mann, was ist das schon? Er ist stärker.

Von ihren Eltern gedrängt, stimmt die namenlose Erzählerin der Ehe mit dem Diplomingenieur Rolf zu. Denn Rolf ist ein anständiger Mann, mit soliden Werten und einer glänzenden Berufsaussicht. Gutbürgerlich ist er, und das ist für ihre Familie das Wichtigste. Doch die junge Frau, die die Ehe als Fluchtmöglichkeit vor dem spießigen Elternhaus gesehen hat, muss bald erkennen, dass sie mit Rolf nicht glücklich werden kann, denn er ist genau wie ihre Eltern. Mehr und mehr fühlt sie sich eingeengt durch die strengen Regeln des biederen Bürgertums, bis sie fast in ihrer Verzweiflung versinkt...


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"Wie kommt das Salz ins Meer" ist der erste Roman der im Juli 2010 verstorbenen Autorin Brigitte Schwaiger. 1977 erschienen, erzielte das Buch damals großen Erfolg bei Lesern und Kritikern und zählt heute zu den meistverkauften deutschsprachigen Büchern.

18.04.2011

Puh, war das ein anstrengendes Wochenende! Kennt ihr auch solche Tage, an denen man quasi Urlaub vom Wochenende braucht? So geht es mir gerade. Mit Freunden ging es für einen Kurztripp nach Rostock zur Ostsee, und als Berliner muss man natürlich das Kneipenviertel erkunden. Allerdings sind wir da wohl etwas verwöhnt, wir haben nur 3 Bars gefunden, und zwei davon waren Schwulenkneipen :-) Aber wenigstens konnte ich meine Zehen in den schönen Ostseesand stecken.

Egal, bald ist Ostern und ich habe mir vorgenommen, mich auf meine neuen Buchschätze zu stürzen. Es kamen nämlich auch diese Woche wieder einige wundervolle Bücher an:


 

Totenmädchen - Mary Hooper

Oxford, im Jahre 1650: Namhafte Mediziner und junge Studenten versammeln sich im Haus des Apothekers Clarke, um der Sezierung einer Leiche beizuwohnen. Die Tote ist die sechzehnjährige Anne Green, die wegen Kindstötung zum Tod am Strang verurteilt und gehängt worden ist. In Wahrheit wurde Anne Green vom Neffen ihres Dienstherren verführt und dann sitzengelassen – doch die Wahrheit hatte vor Gericht niemand hören wollen. Stunden nach Annes Tod ist der junge Student Robert der erste, der es wahrnimmt: Anne Greens Augenlider flattern. Sollte das Mädchen, das noch auf dem Schafott seine Unschuld beteuert hatte, den Strang überlebt haben?

Das Wörterbuch des Viktor Vau - Gerd Ruebenstrunk (was für ein herrlicher Nachname :-))

Seit Jahrzehnten arbeitet Viktor Vau an seinem Wörterbuch – einer einzigartigen Sammlung von Begriffen, die die Welt so exakt beschreiben wie nie zuvor. Doch Viktor Vau ahnt nicht, dass sein Werk auch ein furchterregendes Geheimnis birgt. Als im Meer eine Raumkapsel unbekannter Herkunft entdeckt wird, stößt man darin auf eine Botschaft, die nur Viktor Vau entschlüsseln kann. Die Botschaft erschüttert die Welt – und ausgerechnet Viktor Vau steht im Mittelpunkt einer drohenden Katastrophe …  

Göttlich verdammt - Josephine Angelini

Die 16-jährige Helen lebt bei ihrem Vater auf Nantucket und langweilt sich. Ihre beste Freundin Claire hofft, dass nach den Ferien endlich etwas Aufregendes passiert. Der Wunsch geht in Erfüllung, als die Familie Delos auf die Insel zieht. Alle sind hin und weg von den äußerst attraktiven Neuankömmlingen. Nur Helen spürt von Anfang an großes Misstrauen. Gleichzeitig plagen sie plötzlich düstere Albträume, in denen drei unheimliche Frauen Rache nehmen wollen. Es scheint eine Verbindung zwischen ihnen und Lucas Delos zu geben. Was dahintersteckt, erfährt Helen erst nach und nach: Lucas und sie stammen von Halbgöttern ab und sind dazu verdammt, einen erbitterten Kampf auszulösen indem sie sich ineinander verlieben.


Welches interessiert euch am meisten? Dann erhält das nämlich Priorität und wird zuerst gelesen.  

16.04.2011

Heute möchte ich euch mal wieder einen Manga vorstellen. Den habe ich mir im Jahr 2002 gekauft, war damals aber nicht sonderlich begeistert. Nach all den Jahren wollte ich ihm aber nochmal eine Chance geben. Hier meine Meinung:

Yuina lebt seit dem Tod ihrer Mutter bei ihrer Tante. Das junge Mädchen, an sich schon schüchtern, hat sich nach diesem Vorfall fast vollkommen zurückgezogen. Doch eines Tages fällt sprichwörtlich ein engelhaftes Wesen vom Himmel. Seraph, eine androgyne Schönheit, entpuppt sich als Emulator, eine Kampfmaschine in menschlicher Form, die aus einer anderen Welt stammt und per Zufall auf der Erde gelandet ist. Seraph bietet Yuina eine Verschmelzung an, bei der sie ihre Gedanken und einen Körper teilen. Zögernd stimmt das Mädchen zu, nicht ahnend, dass sie dadurch in den Kampf dieser engelhaften Maschinen verwickelt wird. Denn noch ein anderer Emulator ist auf der Erde gelandet und hat noch eine Rechnung mit Seraph offen...


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Meine Meinung

Angel Dust ist der erste eigene Manga der Zeichnerin Aoi Nanase. Usprünglich erschien die Geschichte in mehreren einzelnen Episoden in einem Magazin. Die Hauptrolle spielt die junge Yuina, der es an Selbstbewusstsein mangelt, welches sie erst durch die Freundschaft zu der starken Seraphim gewinnt. Wie es typisch für Shojo-Mangas (dt.: Mädchencomics) ist, sind die Zeichnungen zeitweise süß, oftmals feingliedrig und verträumt. 99% der Zeichnungen wurden am PC erstellt, was man besonders an den Hintergrundgestaltungen erkennen kann, diese sehen nämlich oftmals aus wie Fotografien.

Was mich damals gewurmt und auch beim zweiten Lesen gestört hat, ist dass der Manga sehr handlungs- und detailarm ist. Man erfährt nur ansatzweise, was es mit den Emulatoren auf sich hat. Sie wurden in einer anderen Zeit dazu geschaffen, den Menschen bei Kampfspielen übermenschliche Kräfte zu verleihen, indem sie mit ihnen verschmelzen.Warum nun gleich zwei solcher Emulatoren auf der Erde gelandet sind, bleibt offen. 
Zeitweise spielt die Handlung auch in einer anderen Zeit (Vergangenheit oder Zukunft, wird nicht ganz klar), und die Personen scheinen mit Yuinas Gegenwart verbunden zu sein. Allerdings muss man sich vieles selbst denken, Erklärungen sind eher spärlich gesät und bei der an sich interessanten Thematik hätte ich mir mehr Details zur Hintergrundgeschichte gewünscht.

©Aoi Nanase
Es gibt einen zweiten Band mit Namen "Angel Dust Neo", was man dem Manga selbst leider nicht entnehmen kann. Wer hier jedoch mit einer Fortsetzung rechnet, der wird enttäuscht. Yuinas Geschichte wird nicht wieder aufgenommen, stattdessen handelt es sich um eine neue eigenständige Geschichte, bei der lediglich das Prinzip der Emulatoren noch einmal auftaucht. Demnach bleibt man als Leser ziemlich in der Luft hängen. 

Mein Fazit: "Angel Dust" ist schön anzusehen und wer mehr Wert auf hübsche Zeichnungen als auf Handlung legt, ist damit gut bedient. Allerdings sollte man sich darauf einstellen, dass man sich vieles selbst denken muss und interessante Aspekte leider nur angerissen werden.


Angel Dust - Aoi Nanase
Taschenbuch: 148 Seiten
Verlag: Panini Manga und Comic; Auflage: 1., Aufl. (Juni 2002)
ISBN-10: 9783899212105

Preis: Leider vergriffen, bei Amazon-Drittanbietern erhältlich

Willis Fazit:





Wer Interesse an diesem Manga bekommen hat, er steht auf meiner Tauschliste, macht mir einfach ein Angebot :-)

14.04.2011

"Es war naiv von uns zu glauben, dass wir überhaupt eine Chance hatten. Dass eine Horde halbwüchsiger Intelligenzbestien in der Lage sein könnte, einem Mörder das Handwerk zu legen. Wahrscheinlich kriegte der sich gar nicht wieder ein vor Lachen."

Tory Brennan, die vierzehnjährige Großnichte der berühmten Wissenschaftlerin Temperance, lebt seit dem Tod ihrer Mutter vor ein paar Monaten bei ihrem Vater Kit in Charleston. Kit arbeitet dort als Wissenschaftler auf einer Forschungsinsel vor der Küste und gerade diese Insel mit dem dichten Wald, den Laboren und angesiedelten Affen ist der ideale Ausflugsort für Tory und ihre neu gefundenen Freunde. 
Doch bei einem ihrer Streifzüge über die Insel machen sie eine schockierende Entdeckung: nicht nur werden in den Laboren verbotene Tierexperimente an einem kleinen Welpen durchgeführt, sie finden auch noch die Knochen einer menschlichen Leiche mitten im Wald vergraben. Tory und die anderen stürzen sich in die Ermittlungen, um den vierzig Jahre zurückliegenden Mord zu klären, nicht ahnend, dass sie das in große Gefahr bringt, denn der Mörder setzt alles daran, das Geheimnis um die Leiche zu bewahren.
Doch das ist nicht ihr einziges Problem. Was die Freunde nämlich nicht ahnen: der Hund, den sie heimlich aus dem Tierlabor befreit haben, trägt einen ansteckenden Virus in sich. Und der hat die Vier bereits befallen...

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Meine Meinung

"Virals" ist der erste Ausflug von Kathy Reichs in das Jugendbuchgenre. Was war wohl ihre Motivation zu diesem Buch? Wollte sie sich eine neue Zielgruppe erschließen? Oder hatte sie nach dem eher mauen Urteil zum letzten Tempe Brennan-Roman das Gefühl, es wäre Zeit für einen Neuanfang? Wenn, dann ist er ihr nur in gewissen Maßen gelungen.

Von Anfang an hatte ich nämlich das Gefühl, hier auf Tempe Brennan in Klein zu treffen. Ihre vierzehn Jahre nimmt man Tory anfangs nur schwer ab, weil sie ziemlich erwachsen daherredet, wenn sie beispielsweise meint, ohne Koffein nicht auszukommen oder mehr von wissenschaftlichen Analysen versteht als viele Erwachsene. Sie ist genauso mutig und dickköpfig wie ihre berühmte Tante und auch sie kann nicht eher ruhen, bis sie das Geheimnis um die Leiche im Wald geklärt hat. Und wie auch Tempe greift Tory immer wieder gerne zur Cola Light, eine Randinfo, die mich als langjährige Kathy Reichs-Leserin sehr schmunzeln ließ.
Im Laufe des Buches merkt man allerdings doch, dass Tory eben nur ein Teenager ist, wenn sie dem attraktiven Highschoolschwarm verfällt oder vor Horror erstarrt, als ihr Vater sie zum Debütantinnenball anmeldet. Ausgerechnet Tory, die immer in Shorts und mit ungekämmten Haaren rumrennt, soll auf einem Ball in die Gesellschaft eingeführt werden, bei dem man vornehme Kleider mit weißen Spitzenhandschuhen tragen muss?

Die Charaktere sind Reichs durchweg gut gelungen, auch wenn sie oftmals etwas klischeemäßig erscheinen. Tory und ihre drei Freunde Shelton, Ben und Hi, zum Ärger von Kits Freundin alles Jungen, sind allesamt sehr sympathisch und ich freue mich darauf, ihnen im nächsten Buch ("Seizure") wiederzubegegnen.

Kathy Reichs bleibt sich ihrem Stil treu und den erkennt man auch in diesem Buch sofort wieder. Ganz nebenbei werden nämlich historische Fakten zur lokalen Geschichte Charlestons eingestreut und natürlich fehlen auch Beschreibungen von wissenschaftlichen Analysen nicht. Einzig die oftmals etwas ausschweifenden und ermüdenden Knochenbeschreibungen aus den Tempe Brennan-Büchern fehlen; klar, denn Tory ist schließlich keine Knochenspezialistin wie ihre Tante.

Klingt alles wie gehabt, doch "Virals" bietet dem Kathy Reichs-Fan auch etwas Neues. Die Geschichte nimmt nämlich nach und nach leicht übernatürliche Züge an (unter dem Deckmäntelchen der Wissenschaft), aber wirklich nur leicht, so dass sich der Leser eigentlich nicht ins Fantasygenre versetzt fühlen sollte. Es hat mit dem Virus zu tun, den der Hund in sich trägt und jeder kann eigentlich schon erahnen, was mit den Kindern passiert. Plötzlich können sie schneller laufen, besser riechen und sehen und verfügen über unglaubliche Körperkräfte. Anfangs fand ich diese Entwicklung etwas, naja... ich hatte befürchtet, dass Kathy Reichs auf den Werwolf-Trip aufspringen will, aber diese Sorge war eigentlich unbegründet, denn schließlich ist das überhaupt nicht ihr Stil. Ich bin gespannt, welche Rolle ihre Kräfte im nächsten Buch spielen werden. Eine Supernase eignet sich schließlich hervorragend zum Leichen-Erschnuppern :-)

Die Geschichte von "Virals" ist dabei so gestrickt, dass es stets spannend bleibt, auch wenn man als Leser durch Einblicke in die Gedanken von verdächtigen Erwachsenen oftmals schon mehr weiß als die vier Freunde. Allerdings fand ich den finalen Showdown am Ende doch etwas übertrieben und dick aufgetragen, (wer sich da plötzlich alles als verlogen und böse herausstellt, unglaublich) weshalb es von mir keine Höchstwertung gibt. Trotzdem hat mir das Buch insgesamt betrachtet echt gut gefallen.

Mein Fazit: Kathy Reichs vermixt in "Virals" altbekannte Zutaten mit einer spannenden Geschichte und einer neuen Akteurin, die frischen Wind in ihre langsam angestaubten Bücher bringt. Ich freue mich sehr auf Nachschub und "Seizure" wird jetzt vorbestellt :-)

Virals - Tote können nicht mehr reden - Kathy Reichs
Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: cbj (21. März 2011)
ISBN-10: 357015288X

Preis: 18,99 Euro

Willis Fazit:






13.04.2011

Hallo meine Lieben,

ein paar Tage herrschte Funkstille, was daran liegt, dass ich noch an "Virals" dranhänge und ich meine Tests fürs Diplom auswerten muss. In der Zwischenzeit erreichte mich aber überraschend eine dickes Paket vom Aufbau Verlag. Hach, unerwartete Buchgeschenke sind doch am Schönsten :-)

Folgende Bücher habe ich erhalten:


Urbat - die dunkle Gabe - Bree Despain 

Grace Divine, die Tochter des Dorfpastors, wusste schon immer, dass etwas Furchtbares passiert sein musste in jener Nacht, in der Daniel verschwunden war. Voller Schrecken erinnert sie sich daran, wie sie ihren Bruder Jude blutverschmiert auf der Veranda gefunden hat. Als Daniel nach drei Jahren wiederauftaucht, fühlt sich Grace auf unerklärliche Weise zu ihm hingezogen, obwohl sie ihrem Bruder versprechen musste, sich von Daniel fernzuhalten. Was steckt hinter dem dunklen Geheimnis der beiden Jungen? Was schützt die Menschen, die wir lieben? Muss Grace für ihren Bruder und ihren Geliebten ein Opfer bringen, das größer ist als alles, was sie bislang kannte?

Ich bin Nummer Vier - Pittacus Lore 

Wir sehen aus wie ihr. Wir reden wie ihr. Aber wir sind nicht wie ihr. Wir haben Kräfte jenseits eurer Vorstellungskraft. Wir sind stärker und schneller als alles, was ihr je gesehen habt. Wir wollten eins werden und den Feind bekämpfen. Aber sie haben uns gefunden. Nun sind wir auf der Flucht. Wir leben unter euch, ohne dass ihr es bemerkt. Aber sie wissen es. Neun außerirdische Teenager fliehen auf die Erde, nachdem ihr Heimatplanet Lorien von einem schrecklichen Feind zerstört wurde. Auf der Erde tarnen sie sich als High School-Schüler, immer auf der Flucht. John Smith ist das nächste Opfer. Und dann verliebt sich Nummer Vier ...  

Der Junge aus dem Meer - Aimee Friedman 

Miranda ist ein Genie in den Naturwissenschaften – und nicht so genial im Umgang mit Jungs. Deshalb ist sie froh, mit ihrer Mutter einen ruhigen Sommer auf Selkie Island zu verbringen. Doch die Insel mit ihrer mythischen Vergangenheit stellt Miranda vor Herausforderungen, die sie mit Logik nicht lösen kann ... Und dann trifft sie Leo, der alles auf den Kopf stellt, was Miranda über Jungs, Freundschaft und Realität zu wissen glaubte!

Was denkt ihr, welches davon sollte ich zuerst lesen?

08.04.2011

"All of the things that were shown in early studies to be good for longevity - happy marriages, healthy bodies - are ours to have. We live long, good lives. We die on our eightieth birthdays, surrounded by our families, before dementia sets in. Cancer, heart diseases, and most debilitating illnesses are almost entirely eradicated. This is as close to perfect as any society has ever managed to get."

An ihrem siebzehnten Geburtstag erfährt Cassia endlich, wen die Gesellschaft zu ihrem idealen Partner erklärt hat, den Jungen, mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen und mit dem sie eine Familie gründen darf. Als sich herausstellt, dass es ihr bester Freund Xander ist, ist sie überglücklich. Doch  als der Microchip, der detaillierte Informationen über ihren Partner enthalten soll, ihr ein anderes Gesicht zeigt, ist sie tief bestürzt, denn auch diesen Jungen hat sie schon kennengelernt. Den mysteriösen Ky, der aus den äußeren Provinzen zu ihnen gezogen ist. Wie kann das sein, wo die Gesellschaft doch keine Fehler macht? Cassia beginnt zu zweifeln, ob die Entscheidungen der Gesellschaft immer richtig sind und je mehr sie Ky kennenlernt, desto mehr quält sie die Frage: wer ist ihr wahrer Match, Xander oder Ky?


Meine Meinung

Auf den ersten Blick scheint die Welt, in der Cassia lebt, perfekt zu sein. Es gibt keine Kriminalität mehr, keine Krankheiten, kein Hunger. Jeder Einwohner hat einen perfekt organisierten Tagesablauf, der Bildung, Gesundheit und Freizeit ideal vereint und ein langes, zufriedenes Leben ermöglichen soll.  
Nach ihrem siebzehnten Geburtstag dürfen sich alle Bürger entscheiden, ob sie möchten, dass die Gesellschaft den idealen Partner für sie findet oder ob sie lieber Single bleiben möchten. Kinder sind jedoch nur den "gematchten" Paaren vorbehalten, um den Kindern das Aufwachsen in einer glücklichen Familie zu gewährleisten. Die Gesellschaft bestimmt jedoch nicht nur das zukünftige Familienleben, sondern ordnet auch jedem je nach seinen Fähigkeiten den passenden Beruf zu. Das alles wird möglich, indem sie seit frühester Kindheit Daten über jeden Einwohner erheben und so anhand von Wahrscheinlichkeiten das beste Leben für jedermann bestimmen; welche Nahrung und wieviel Sport sie für ihre Gesundheit benötigen, mit welchem Partner sie ein glückliches Leben führen können.

All das hat Cassia nie in Frage gestellt. Doch nachdem sie Ky's Bild statt Xanders auf ihrem Microchip angezeigt bekommt, beginnt sie zu zweifeln, ob der Gesellschaft nicht auch Fehler unterlaufen können. Neugierig geworden durch sein Bild, verbringt Cassia mehr und mehr Zeit mit Ky und kann nicht verhindern, dass sie mehr für ihn zu empfinden beginnt, als sie sollte. Erst das Zusammensein mit Ky öffnet ihr die Augen und zeigt ihr die Nachteile ihrer Gesellschaft:

"I've been thinking in terms of absolutes; first, I believed our Society was perfect. The night they came for our artifacts, I believed it was evil. Now I simply don't know. Ky blurs the lines for me. He helps me see clearly."

Ky, der nach dem Tod seiner Eltern aus den äußeren Provinzen zu seiner Tante gezogen ist, ist es nicht erlaubt, einen Partner zu bekommen, da sein Vater einen schlimmen Fehltritt begangen hat, der Benachteiligungen für die ganze Familie mit sich bringt. Aufgrund seines gesellschaftlichen Standes muss Ky bei der Nahrungsherstellung arbeiten, einem der unbeliebtesten Jobs in ihrer Gesellschaft. Nach und nach lässt er Cassia an seinen Erinnerungen an sein früheres Leben teilhaben und macht ihr klar, dass das Leben nicht überall so friedlich und geregelt läuft wie in ihrer Provinz. Die äußeren Provinzen sind zerrüttet und von Kämpfen gebeutelt, bei denen auch Kys Eltern ums Leben kamen. Ist ihre Gesellschaft also wirklich so perfekt, wie es den Anschein hat?

Ally Condie lässt sich sehr viel Zeit, den Leser in Cassias Welt einzuführen. So wirkt die Handlung anfangs langatmig und ich habe etwas ungeduldig darauf gewartet, wann es endlich richtig los geht. Der Großteil des Buches besteht aus Beschreibungen von Cassias Alltag, dem Matchingritual, der Arbeit und der Organisation der Freizeit. Obwohl ich mir zeitweise ein etwas höheres Tempo gewünscht hätte, fand ich dieses "sich Zeit lassen" aber auch positiv, denn gerade bei Dystopien ist es mir wichtig, so viel wie möglich über die Welt zu erfahren, in der die Geschichte spielt. Und das ist hier auf jeden Fall gegeben. Durch Cassia erhält man einen Einblick in fast alle Aspekte der Gesellschaft. Gegen Ende nimmt die Handlung aber glücklicherweise etwas mehr Fahrt auf.

Auch die Liebesgeschichte zwischen Cassia und Ky entwickelt sich wie das Buch: langsam und ruhig, ohne große Dramatik. Cassias Verbindung zu Xander erlaubt ihnen natürlich nicht, sich in der Öffentlichkeit zu sehen, weshalb ihnen nur heimliche Treffen bleiben. Vielleicht liegt es an der ruhigen, stillen Art der Liebe zwischen ihnen, dass ich von ihren Liebesgeständnissen nicht so sehr berührt war, wie ich es erwartet hätte. Die richtigen Worte stehen zwar da, aber ihr Schicksal ist mir nicht übermäßig ans Herz gegangen. Oder sagen wir noch nicht, denn dies ist ja erst der Auftakt zur Geschichte um die beiden, und es folgt sicherlich noch mehr Dramatik im nächsten Buch. 
Am meisten hatte ich noch Mitgefühl mit Xander, der natürlich irgendwann von Cassias Zweifeln erfährt und den ich eigentlich am interessantesten von allen Charakteren fand. Schade war, dass er durch den Fokus auf Ky eher im Hintergrund blieb; obwohl er Cassias bester Freund ist, hatte ich das Gefühl, über Ky doch mehr erfahren zu haben als über ihn. Aber auch hier verspricht der nächste Teil sicherlich Besserung.

Mein Fazit: Obwohl "Matched" ein wirklich schönes Buch ist, konnte es beim Lesen nicht so intensive Gefühle bei mir hervorrufen wie beispielsweise die Hunger Games. Der Funke, der mich an das Buch gefesselt hätte, hat hier gefehlt. Trotzdem hat die Geschichte sehr viel Potential und ich fiebere dem nächsten Band entgegen, der aufgrund der Entwicklungen am Ende dieses Buches ein höheres Tempo verspricht. Der Trilogiebeginn ist Ally Condie auf jeden Fall gelungen. Im nächsten Band wünsche ich mir aber etwas mehr Dramatik.

"Crossed", der nächste Band, erscheint am 01. November 2011 im englischen Original.

Matched - Ally Condie
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: Dutton Juvenile; Auflage: Trade Paperback. (30. November 2010)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0525423648

Preis: 10,85 Euro

Willis Fazit:




Du willst wissen, wie es ausgeht? Hier wird das Ende verraten (zum Lesen markieren):
Cassia erfährt, dass sie nur Teil eines Experiments war, indem ihr Ky gezeigt wurde. Alles wurde stets von der Regierung überwacht. Ky wird abgeholt und in die äußeren Provinzen geschickt, angeblich um zu arbeiten, doch in Wirklichkeit soll er als Soldat im Krieg kämpfen. Alle Menschen aus Cassias Straße müssen daraufhin die rote Pille nehmen, die sie die letzten Stunden vergessen lässt. Doch Cassia nimmt ihre nicht. Da ihre Mutter aufgrund ihres Berichts ebenfalls in die äußeren Provinzen versetzt wird, geht Cassia mit und macht sich auf die Suche nach Ky.


06.04.2011

Hallo meine Lieben,

obwohl ich gerade meine Studie für die Diplomarbeit durchführe (Tests mit Kindern sind immer herrlich :-)), komme ich doch ab und zu auch zum Lesen und deshalb habe ich mir schon mal Nachschub bestellt. Folgende Bücher werde ich euch demnächst vorstellen:




The Goddess Test - Aimee Carter

It's always been just Kate and her mom—and her mother is dying. Her last wish? To move back to her childhood home. So Kate's going to start at a new school with no friends, no other family and the fear her mother won't live past the fall. Then she meets Henry. Dark. Tortured. And mesmerizing. He claims to be Hades, god of the Underworld—and if she accepts his bargain, he'll keep her mother alive while Kate tries to pass seven tests. Kate is sure he's crazy—until she sees him bring a girl back from the dead. Now saving her mother seems crazily possible. If she succeeds, she'll become Henry's future bride, and a goddess. 

The Adoration of Jenna Fox - Mary E. Pearson 

Seventeen-year-old Jenna Fox has just awoken from a year-long coma—so she’s been told—and she is still recovering from the terrible accident that caused it. But what happened before that? She’s been given home movies chronicling her entire life, which spark memories to surface. But are the memories really hers? And why won’t anyone in her family talk about the accident? Jenna is becoming more curious. But she is also afraid of what she might find out if she ever gets up the courage to ask her questions. What happened to Jenna Fox? And who is she really?

The City of Ember - Jeanne DuPrau 

It is always night in the city of Ember. But there is no moon, no stars. The only light during the regular twelve hours of "day" comes from floodlamps that cast a yellowish glow over the streets of the city. Beyond are the pitch-black Unknown Regions, which no one has ever explored because an understanding of fire and electricity has been lost, and with it the idea of a Moveable Light. "Besides," they tell each other, "there is nowhere but here" Among the many other things the people of Ember have forgotten is their past and a direction for their future. For 250 years they have lived pleasantly, because there has been plenty of everything in the vast storerooms. But now there are more and more empty shelves--and more and more times when the lights flicker and go out, leaving them in terrifying blackness for long minutes. What will happen when the generator finally fails?

 XVI - Julia Karr 

Nina Oberon's life is pretty normal: she hangs out with her best friend, Sandy, and their crew, goes to school, plays with her little sister, Dee. But Nina is 15. And like all girls she'll receive a Governing Council-ordered tattoo on her 16th birthday. XVI. Those three letters will be branded on her wrist, announcing to all the world-even the most predatory of men-that she is ready for sex. Considered easy prey by some, portrayed by the Media as sluts who ask for attacks, becoming a "sex-teen" is Nina's worst fear. That is, until right before her birthday, when Nina's mom is brutally attacked. With her dying breaths, she reveals to Nina a shocking truth about her past-one that destroys everything Nina thought she knew. Now, alone but for her sister, Nina must try to discover who she really is, all the while staying one step ahead of her mother's killer.

04.04.2011

"Ich heiße Kraa, und ich bin der neue Herr der Welt!" 

Irgendwo zwischen Sibirien und Alaska liegt das Verlorene Tal, ein unwirtlicher, aber beeindruckender Landstrich, in dem der junge Eingeborene Yuma mit seinem Stamm wohnt. Über das Tal herrscht Kraa, ein Riesenadler, dessen legendäre Art von Yumas Stamm seit jeher verehrt wird. Als Kraas Eltern getötet werden, ist der junge Adler auf sich allein gestellt und anfangs fast zum Sterben verurteilt. Doch Yuma, der sich dem Adler seltsam verbunden fühlt, hält ihn mit erlegter Beute bei Kräften, bis Kraa stark genug wird, selbst wilde Wölfe zu erlegen. 

Eines Tages kommen zwielichtige Geschäftsleute und Arbeiter in das abgelegene Tal und stören die friedliche Ruhe, denn das Gebiet ist reich an Bodenschätzen. In kurzer Zeit stampfen sie eine neue Stadt aus dem Boden und planen, das Tal zu fluten, um leichter an die Mineralien unter der Erde zu kommen.  Doch Yumas Stamm bedroht die Arbeiten und es kommt zu blutigen Auseinandersetzungen, bei denen nicht nur Yumas kleine Schwester stirbt. Yuma und Kraa, der in dem Jungen seinen Seelenbruder erkannt hat, schwören den Männern Rache und beginnen ihre grausame Jagd...

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Meine Meinung

Mit "Kraa - Das verlorene Tal", dem ersten von zwei Bänden habe ich mich in die Welt der Comics gewagt, fernab von japanischen Mangas. "Kraa" stammt aus der Feder von Benoit Sokal (*1954), einem belgischen Comiczeichner und Autor von Computerspielen wie Syberia oder Paradise.
Wer nun glaubt, Comics seien nur was für Kinder und dabei an seine alten "Lustiges Taschenbuch"-Ausgaben denkt, der wird mit "Kraa" eines besseren belehrt. Denn die Geschichte ist alles andere als Kinderkram. 

Die Natur ist bekanntlich grausam und so ist auch Kraa. Er tötet ohne Skrupel um zu überleben oder um seinem Freund Yuma beizustehen. Seinen Bruder hat er aus dem Nest gestoßen, einfach weil er der Stärkere war und seine scharfen Klauen reißen ohne Zögern Kaninchen, Wölfe und sogar Menschen in Stücke, wobei reichlich Blut spritzt. Doch als die Geschäftsleute zusammen mit skrupellosen Wilderern in das Tal kommen, muss Kraa erkennen, dass er nicht mehr das gefährlichste Tier der Gegend ist.

©Benoit Sokal
Sein Freund Yuma ist ein junger Eingeborener und hat dank seiner schamanischen Vorfahren eine magische Verbindung zu Kraa. Obwohl es für Yuma keinen schöneren Ort als sein Tal gibt, schickt ihn sein Onkel im Herbst regelmäßig auf ein Internat, da er weiß, dass man mit dem Verkauf von Fellen einfach kein Geld mehr verdienen kann und der Stamm sich von seinen alten Traditionen lösen muss, um zu überleben. Yumas Schicksal verdeutlicht die Probleme vieler Eingeborenenstämme, die oftmals Schwierigkeiten haben, sich in der neuen Gesellschaft einzufinden. So schleicht auch hier beispielsweise eine alte Squaw durch die neu gebaute Stadt, durchwühlt die Mülltonnen auf der Suche nach Nahrung und die Einwohner begegnen ihr feindselig.

"Kraa" vermischt Historie, Abenteuer, Mythologie und Naturschutz zu einer packenden Geschichte, bei der der Adler als Rächer der Natur die Ausbeutung des Tals nicht hinnimmt. Dabei wird die Geschichte abwechselnd aus Sicht des Adlers und des Jungen erzählt. Für Kinder ist dieser Comic wahrlich nichts, denn es werden jede Menge Menschen und Tiere getötet, es spritzt Blut und in alter Eingeborenentradition skalpiert Yuma die Mörder seiner Schwester.

©Benoit Sokal
Grausam und brutal geht es zu und die Bilder spiegeln das perfekt wieder. Grau, braun und schwarz dominieren die Farbgebung der 96 großformatigen Seiten.
Die Bilder verstrahlen trotz der düsteren Thematik eine großartige Atmosphäre, man fühlt sich tatsächlich, als stünde man gerade an Yumas Seite mitten im Tal oder fliegt mit Kraa über die beeindruckende Landschaft.
Die Ausarbeitung der menschlichen Figuren wirkt hier etwas weniger gelungen als die verblüffend echt erscheinenden Bilder des Adlers. Während Kraa so natürlich wie möglich gezeichnet erscheint, wirken die Menschen zwischendurch etwas grober skizziert und karikaturhaft. Die "Bösen" sehen auch typisch böse aus, haben pockennarbige und zerfurchte Gesichter und brutale Gesichtszüge. Doch das eher grobschlächtige Aussehen passt zu den Charakteren und verstärkt den rauen, wilden Eindruck des Comics.

"Kraa" ist für mich ein wunderbar gelungener Comic, der wie ein Abenteuerfilm wirkt. "Kraa - Das verlorene Tal" ist der erste von zwei Bänden. Eine Leseprobe könnt ihr hier finden: KLICK. Wann "Kraa - Der Schatten des Adlers" erscheint, steht bisher noch nicht fest.

Kraa - Das verlorene Tal - Benoit Sokal
Gebundene Ausgabe: 93 Seiten
Verlag: Splitter; Auflage: 1., Aufl. (21. Februar 2011)
ISBN-10: 3868692096

Preis: 19,80 Euro

Willis Fazit:





01.04.2011

"Ich werde hier unten sterben. Niemand wird je erfahren, was mit mir passiert ist, und ich werde nie herausfinden, was sich dort draußen auf der anderen Seite befindet. Das kann unmöglich das Ende sein. Ich hatte es doch beinahe geschafft."

Neva lebt in einer Welt, die sich seit der Zeit des Terrors unter die schützende Protektosphäre zurückgezogen hat, die sie von dem Draußen abschirmt. Außerhalb, so heißt es, gibt es kein Leben mehr, nichts als giftige Toxine und verseuchtes Land. Doch statt beschützt fühlt sich Neva eher eingesperrt, denn die Regierung überwacht das Leben der Gemeinschaft sehr genau. Jugendliche werden angehalten, zeitig Kinder zu bekommen um Heimatland mit neuen Bewohnern zu versorgen; nonkonformes, unpatriotisches Verhalten wird mit Umerziehungsseminaren und Arbeit auf der Gemeinschaftsfarm bestraft und mittlerweile wird selbst die Berufswahl vom Staat vorgeschrieben.
Neva und ihre Freundin Sanna wollen das nicht hinnehmen und planen ihren Protest: die Protektosphäre soll geöffnet werden. Bei einer Dunkelparty treffen sie sich mit Gleichgesinnten und beschließen, sich der Regierung zu widersetzen. 

Doch im Schutz der Dunkelheit kommt es zu einem verbotenen Kuss zwischen Neva und Braydon, Sannas Freund, zu dem sie sich fast unwiederstehlich hingezogen fühlt. Ausgerechnet er ist es, der die Freundinnen angesichts der Konsequenzen von ihrer Rebellion abzubringen versucht. Schon bald muss Neva erkennen, dass er mit seinen Einwänden Recht haben könnte, denn kurz nach ihrer ersten Protestaktion verschwinden ihre Freunde spurlos und auch Neva wird von der Regierung verhört. Der Überwachung durch Heimatland kann scheinbar niemand entkommen...

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Meine Meinung

Neva. Schneeflocke. Jede ist einzigartig, keine sieht aus wie die andere. Wie unpassend der Name erscheint in einer Gesellschaft, in der fast jeder seinem Nächsten so ähnlich sieht, als wären sie Geschwister. Durch das Eingeschlossensein unter der Protektosphäre haben sich die Gene der Bewohner im Laufe der Jahrzehnte so sehr vermischt, dass die Menschen alle gleich aussehen, ein Ziel der Regierung, um Ungerechtigkeiten aufgrund von Unterschieden zu unterbinden. Doch Neva ist anders; ein Tattoo in Form einer Schneeflocke macht sie einzigartig und steht für ihren Protest gegen die Regierung.

Neva stand auf meinem Wunschzettel, seit damals das neue PAN-Frühjahrsprogramm veröffentlicht wurde. Da Dystopien zu meinen Lieblingsbüchern zählen und der Jugendbuchmarkt in diesem Bereich gerade boomt, waren meine Erwartungen an Neva sehr hoch. 
Nachdem ich die ersten Seiten gelesen hatte, war ich jedoch noch nicht sonderlich überzeugt. Überwachung des Einzelnen, unliebsame Fakten oder Personen werden aus den Geschichtsbüchern gelöscht und Personen verschwinden spurlos. Ich habe einfach schon zu viele Dystopien gelesen, um davon schockiert oder überrascht zu sein, denn solche Elemente wie das Einsperren der Bevölkerung zum Schutz vor dem "Draußen" oder auch die Zensur der Presse sind einfach Bestandteil fast jeder Dystopie. So kam bei mir der Eindruck auf, das alles schon mal gelesen zu haben. Aber dafür kann dieses Buch letztlich nichts und man muss das Rad ja auch nicht immer wieder neu erfinden. 

Je weiter ich gelesen habe, desto mehr bekam ich den Eindruck, dass Sara Grant es aber trotzdem geschafft hat, der Geschichte einen eigenen Anstrich zu verpassen. Dabei legt sie den Fokus auf Nevas Protest und ihren Fluchtversuch aus der Protektosphäre und weniger auf die verbotene Liebe zwischen ihr und Braydon, was mir gut gefallen hat, denn das Buch ist einfach mehr als nur eine dramatische Teenie-Liebesgeschichte und hätte diesen Stempel nicht verdient. Trotzdem verleiht die heimliche Beziehung der beiden dem Buch noch zusätzliche Spannung und Würze, obwohl das Buch meiner Meinung nach sogar ganz ohne Liebesgeschichte ausgekommen wäre.

Gerade in Hinsicht auf Braydons Charakter ist mir ein kleines Manko des Buches bewusst geworden. Und zwar hätte die Geschichte ruhig noch 100-200 Seiten mehr haben können. Oftmals hatte ich nämlich das Gefühl, dass viele Aspekte nur angerissen werden und ich gerade mal einen kleinen Blick drauf werfen konnte. So ist es auch bei Braydon oder Nevas Eltern, allesamt sehr interessante Charaktere, über die ich einfach gerne noch mehr erfahren hätte, denn jeder von ihnen trägt das eine oder andere Geheimnis mit sich rum.

Wo die Geschichte eher langsam und ruhig mit der Dunkelparty beginnt, nimmt sie am Ende immer mehr Fahrt auf und rast dem Finale entgegen. Und auch wenn mir vieles aus anderen Dystopien bekannt vorkam, konnte mich Sara Grant am Schluss noch einmal überraschen und an die Seiten fesseln.  

Trotzdem muss ich gestehen, dass ich anfangs etwas verärgert war, nachdem ich das Buch beendet hatte,  weil ich gern noch so viel mehr über das Leben in der Protektosphäre und dem Außerhalb erfahren hätte. Doch leider hat Sara Grant quasi an der spannendsten Stelle Schluss gemacht und lässt auch keine Aussicht auf eine Fortsetzung. Was nun wirklich außerhalb der Protektosphäre liegt, erfährt man nicht und gerade diese Frage quält nicht nur Neva, sondern auch den Leser. Schade, dass die Autorin uns gerade hier hängen lässt. Wie schon gesagt, ein paar Seiten mehr hätten dieser Geschichte noch zusätzliche Tiefe verleihen und ein paar Mysterien mehr klären können. Aber abgesehen davon, dass mir noch einige Fragen unbeantwortet im Kopf herumschwirren, hat mir das Ende im Nachhinein doch gut gefallen.
Ich hoffe trotzdem, dass ihr nächstes Buch wenigstens im selben Universum spielen wird, denn dann erfährt man vielleicht doch noch etwas mehr über Nevas Welt und wie es mit ihr weitergeht, wenn auch nicht aus ihrer Sicht.

Im Gesamten betrachtet hat mir das Buch trotz kleiner Schwächen sehr gut gefallen. Dystopie-Neulinge werden sicherlich restlos begeistert sein.

Neva - Sara Grant
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: PAN (14. März 2011)
ISBN-10: 3426283484
Preis: 16,99 Euro

Willis Fazit:




Vielen Dank an den PAN-Verlag für das Rezensionsexemplar!