Wie die Welt endet - Eine stille Chronik des Weltuntergangs

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"Mir war, als hätte ich mich in jedem Bereich meines Lebens schon seit hundert Jahren abgequält - um genug Geld zum Leben zu verdienen, um Liebe zu finden und um nicht eines gewaltsamen Todes zu sterben. Bei der Vorstellung, alles könnte einfach immer noch schlimmer werden, brach ich unter der Last dieser Anstrengungen schier zusammen." (S. 203)

Im Jahr 2023 sind die Energieressourcen der Erde verbraucht und die Menschheit steht vor ihrem endgültigen Untergang. Die Menschen verschanzen sich in ihren Häusern und begegnen jedem mit Misstrauen oder ziehen in größeren Sippen von Ort zu Ort auf der Suche nach Nahrung. So auch Jasper. Gemeinsam mit seinen Freunden durchstreift er eine Welt, die von Armut, Verfall und Brutalität gezeichnet ist. Jeden Tag müssen sie um ihr Überleben kämpfen und sich dabei selbst fragen, wie weit sie gehen wollen, um ihr eigenes Überleben zu sichern. Betteln, Diebstahl, Mord - ab wann verliert man seine Menschlichkeit?



Darüber, wie die Welt einmal enden wird, wird viel spekuliert. Ein dritter Weltkrieg, Alieninvasionen, Meteoriteneinschlag, Sonneneruptionen - die meisten Szenarien erscheinen mir sehr reißerisch und eher aus der Feder von Hollywood-Drehbuchschreibern. In Will McIntosh Erstlingswerk dagegen geschieht der Weltuntergang nicht mit einem großen Knall, sondern mit dem langsamen, schleichenden Verfall der Menschheit; nicht umsonst lautet der Originaltitel dieses Buches "Soft Apocalypse"

In nicht allzu ferner Zukunft ist Energie Mangelware, genau wie Nahrungsmittel und eigentlich alles, was man sonst noch so für ein bequemes Leben braucht. Während die Länder sich gegenseitig bekämpfen, um sich die letzten noch verbliebenen Ressourcen zu sichern, müssen die Menschen selbst zusehen, wo sie bleiben. So herrscht in den Städten das Recht des Stärkeren und Gewalt ist an der Tagesordnung. 

Durch Jasper, der uns im Abstand von jeweils 1-2 Jahren verschiedene Episoden aus seinem Leben erzählt, erfahren wir, wie das Leben in dieser neuen Weltordung abläuft. Er beginnt als obdachloser Landstreicher, der mit seiner Sippe von Ort zu Ort zieht und Energie gegen Lebensmittel tauscht. Beschimpfungen wie "Scheiß Zigeuner" oder Drohungen sind dabei an der Tagesordnung, dabei sind eigentlich alle gebürtige Amerikaner und viele von ihnen sogar gebildete Akademiker, so auch Jasper. Doch dem stetig wachsenden Zustrom an illegalen Einwanderern und dem steigenden Hass auf die Ausländer und Obdachlosen kann die Regierung kaum etwas entgegensetzen.

Durch die Zeitsprünge erleben wir mit, wie sich die Situation von Jahr zu Jahr verschlechtert und die Menschheit scheinbar unaufhaltsam auf den Abgrund zutaumelt. Während all der vorüberziehenden Jahre hofft Jasper immer verzweifelt auf ein besseres Leben und darauf, endlich eine Frau zu treffen, die er wahrhaft lieben kann und die seinem Leben wieder etwas Sinn verleiht. Doch ist Liebe in Zeiten wie ihren überhaupt noch möglich?

Will McIntosh konstruiert hier seine ganz eigene Version vom Weltuntergang, und die ist nichts für Zartbesaitete, denn es ist kein stilles und sauberes Sterben, das hier vonstatten geht. Menschen werden auf offener Straße ermordet im Streit um Nahrungsmittel, einen Schlafplatz oder einfach aus Wut. Seuchen, künstlich im Labor geschaffen, dezimieren die Bevölkerung. Und verschiedene Terrobewegungen, allen voran die durchgedrehten Jumpy-Jumps, ermorden willkürlich und wahllos Menschen, ohne ein bestimmtes Ziel. Oder setzen Hunden Bomben in den Bauch, um möglichst viel Chaos anzurichten. Die Superreichen verschanzen sich derweil in ihren noblen Stadtteilen und versuchen krampfhaft die Illusion aufrechtzuerhalten, dass alles in bester Ordnung ist.

Was genau alles auf der Welt passiert, erfährt man immer nur häppchenweise am Rande, so dass man kaum eine konkrete Vorstellung davon gewinnt, was genau zu den chaotischen Zuständen geführt hat. Mich hat McIntoshs Weltuntergangsszenario sehr gefesselt und nachdenklich gemacht, er erzählt konsequent und realistisch, wie die Menschen immer mehr die Zivilisiertheit hinter sich lassen. Trotz der zeitweise übertriebenen Brutalität fand ich es durchaus vorstellbar, dass die Menschen in dieser Situation genau so handeln würden.

Das Buch hat bei mir oft die Frage aufgeworfen, wie ich selbst handeln würde, wenn ich in Jaspers Situation wäre. Würde ich die Hoffnung verlieren? Oder einfach immer weitermachen in der Hoffnung auf Besserung? Diese Fragen zogen sich durch das ganze Buch und bildeten quasi den Kern des ganzen Szenarios: Wird das Leben je wieder besser werden? Gibt es Rettung? Oder ist die Menschheit tatsächlich dem Untergang geweiht? 

Wie die Welt endet - Will McIntosh
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (14. Januar 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453529243


Willis Fazit:




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1 Kommentare

  1. Das Buch klingt echt spannend und gute Rezension!

    Liebe Grüße Fabelhaftebuecherwelt
    http://fabelhaftebuecherwelt1.blogspot.de/

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