Die Keime: Old Souls #1 - Etwas zäher Einstieg in eine faszinierend dystopische Welt

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"Keime sind der Dreck, der Abschaum, wir halten das Leben auf. Keime, wie mein Partner Skar und ich, sind auf der Flucht vor anderem Leben, suchen nach der Endlichkeit unserer Phase - und der Tod klebt uns an den Fersen." (Pos. 174)

Zusammen mit ihrem Partner Skar versteckt sich Avery in der Anonymität der überfüllten Großstädte, immer auf der Flucht vor den Häschern. Denn sie sind Keime, Menschen im "unreinen" Anfangsstadium der Seele, denen die Schuld am  endgültigen Sterben der alten Seelen gegeben wird. Zusammen versuchen sie, so lange unentdeckt zu bleiben, bis sie das nächste, sichere Stadium erreicht haben. Doch wie das geschieht, kann keiner genau sagen. Als Avery jedoch eine Vision aus ihrem vergangenen Leben hat, die sie in der Bibliothek von New York zeigt, weiß sie, dass sie dort hin muss. Aber können sie eine Reise riskieren, ohne unterwegs geschnappt zu werden?



Es ist eine sehr melancholische, traurige Welt, in die uns Julia Mayer da hineinversetzt. Eine Welt, die zwar unserer entspricht, in der jedoch ein anderes Gesellschaftskonzept herrscht. Hier durchläuft die menschliche Seele vier Lebensphasen, um anschließend wiedergeboren zu werden. Doch seit einiger Zeit erwachen die Seelen nicht wieder zum Leben - sie sterben endgültig!

Die Nomaden, die ihr Wissen seit Generationen mündlich weitergeben, sehen die Ursache dafür in der Überfüllung der Welt mit zu vielen, zu kranken Seelen. Eine Entwicklung, der die Regierung entgegenzuwirken versucht, indem sie Seelen in der ersten Phase, sogenannte Keime, verfolgen und töten lässt, um die Wiederkehr für andere zu sichern.

Man erkennt sie an ihren Augen, die, je nach Phase, von einem anderen Ring um die Iris gekennzeichnet sind. So ist es kein Wunder, dass viele ihre Augen hinter farbigen Linsen verbergen, um nicht erkannt zu werden. Nicht nur gesellschaftlich, auch technisch hat sich im Jahre 2074 einiges verändert. Flugbusse und automatisch fahrende Autos gehören zum Alltag, so wie scheinbar auch die synthetischen Drogen, denen viele Menschen verfallen sind. Doch was bleibt auch anderes als die Realitätsflucht, wenn man entweder gejagt wird oder weiß, dass seine Liebsten nach ihrem Tod nie wiederkehren?

In dieser Welt sucht Avery, gemeinsam mit ihrem mürrischen Begleiter Skar, nach Schutz vor den Häschern und nach einer Möglichkeit, in die nächste Phase überzugehen. Während ihrer Reise durch ein zerrüttetes Amerika treffen sie auf die unterschiedlichsten Charaktere, die alle irgendwie versuchen, das hoffnungslose Leben ihrer Zeit zu überstehen...
  
Das Grundkonzept der Geschichte "Die Keime" fand ich wirklich faszinierend, allerdings hat die Umsetzung meine Geduld beim Lesen oft ganz schön auf die Probe gestellt. Denn die Geschichte ist geprägt von vielen philosophischen Gedankengängen und inneren Monologen, die sich zwar durch ihre feinfühligen, schönen Schilderungen auszeichnen, die ich aber leider eher ermüdend fand. Zwar werden dieses Passagen sicherlich einige Leser begeistern können, für mich ist dabei aber leider das Fortschreiten der Handlung etwas auf der Strecke geblieben. 

Dazu kommen, je weiter die Geschichte voranschreitet, immer häufigere Wechsel der Erzählperspektive, die zwar spannende neue Einblicke in Averys Welt geben, aber auch für einige Verwirrung sorgen. Nicht nur Avery, sondern auch ein junger Mann namens Cash, der gerade seine Eltern verloren hat, eine Frau von der Regierung und ein bis zum Schluss hin mysteriöser Mann namens Ruben übernehmen abwechselnd die Erzählung. Dazu träumt Avery auch immer öfter von ihren früheren Leben, wobei man als Leser jedoch keinen wirklichen Zusammenhang zwischen den einzelnen Träumen herstellen kann. 

So lässt die Geschichte mehr Fragen offen als sie beantwortet. Dies mag aber daran liegen, dass "Die Keime" nur der erste von insgesamt acht Teilen ist, weshalb ich hoffe, dass die nächsten Teile etwas mehr Klarheit bringen.

Trotz der Kritik konnte mich die Geschichte doch fesseln, denn ab einem bestimmten Punkt will man einfach wissen, wie es mit Avery weitergeht und wie sich am Ende alles zusammenfügt. Mich hat Julia Mayer jedenfalls neugierig genug gemacht, dass ich auch den nächsten Band lesen werde

Die Keime: Old Souls #1 - Julia Mayer
Format: Kindle Edition
Dateigröße: 441 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 285 Seiten
Preis: 2,99 Euro

Willis Fazit:







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