Die Auslese - Meckern auf hohem Niveau

13:02


"Zu meinem großen Bedauern muss ich euch mitteilen, dass eine Prüfungskandidatin gestern Abend ihrem Leben ein Ende gesetzt hat." Einige Prüflinge schnappen nach Luft oder schreien auf, aber ich sehe auch mehr als ein hämisches Grinsen, das bedeutet: eine weniger. (S. 129)

Nachdem ein verheerender Weltkrieg den ganzen Planeten an den Rand der Zerstörung gebracht hat, hat sich das Commonwealth der Aufgabe verschrieben, die ehemaligen USA wieder bewohnbar zu machen. Und dazu brauchen sie die klügsten Köpfe ihres Landes, die in der jährlichen Auslese auf ihre Qualitäten geprüft werden. Nur die Besten bekommen die Chance, an der Universität zu studieren, um die zukünftige Führungselite des Landes zu bilden. Die junge Malencia kann ihr Glück kaum fassen, als sie tatsächlich für die Auslese ausgewählt wird. Doch schon bald muss sie feststellen, dass die Tests unheimlich hart sind. Und Fehler werden nicht toleriert...



Dem Hype um die neueste Jugenddystopie "Die Auslese" konnte man sich vor ein paar Wochen kaum entziehen und als Liebhaberin des Genres konnte ich mir das Buch natürlich auch nicht entgehen lassen. Zwar würde ich das Buch nicht so in den Himmel loben wie manch anderer begeisterter Leser, aber trotzdem zählt das Buch für mich mit zur Elite der Jugenddystopien.

Cia Vale ist gerade einmal sechzehn Jahre alt und weiß doch schon genau, was sie will: zur Auslese zugelassen zu werden, um als eine von zwanzig Auserwählten die Chance zu haben, an der Universität zu studieren. Doch warum ist ihr Vater, der doch selbst einmal bei der Auslese triumphiert hat, so wenig begeistert von der Idee, seine jüngste Tochter könnte auserwählt werden? Immerhin ist es doch eine Ehre, in Betracht gezogen zu werden. Als sich jedoch Cias Hoffnungen erfüllen und sie tatsächlich zur Auslese zugelassen wird, muss sie bald schon erfahren, dass die Vorbehalte ihres Vaters nicht ganz unbegründet waren...

Der deutsche Untertitel - "Nur die Besten überleben" - verrät eigentlich schon, was Cia in der Auslese erwartet: ein harter Wettkampf, bei dem die Konkurrenz vor nichts zurückschreckt. Mal davon abgesehen, dass ich mich von Anfang an an dem Gedanken gestört habe, dass die Regierung ihre klügsten Köpfe bei der Auslese im Ernstfall einfach hops gehen lässt (denn mal ehrlich, wie weit könnte dieses Land schon wieder sein, wenn sie das nicht machen würden?), fand ich das Buch wirklich faszinierend, auch wenn es gar keine sonderlich neuen Ideen präsentiert hat. Das hat jedoch auf keinen Fall dazu geführt, dass ich mich beim Lesen gelangweilt habe. Im Gegenteil! An sich kann ich das hier eigentlich auch nur als Meckern auf hohem Niveau bezeichnen, denn das Buch ist wirklich sehr gut und unheimlich spannend geschrieben. Die Autorin geizt zwar nicht mit brutalen Szenen, beschreibt sie jedoch in einem erträglichen Maß.

Mehr Wert noch als auf einen fesselnden Plot scheint sie allerdings auf eine nachvollziehbare Charakterentwicklung gelegt zu haben. Im Kampf um die wenigen Plätze an der Universität offenbaren sich von Anfang an die menschlichen Abgründe, die auch schon in den Jugendlichen lauern. Und auch Cia hat oft mit ihrem Gewissen zu kämpfen. Wie weit ist sie bereit zu gehen? Wem will sie ihr Vertrauen schenken, und wer will sie nur hintergehen? Joelle Charbonneau spielt hier gekonnt mit den Erwartungen der Leser und konnte mich so einige Male überraschen. Denn erst ganz am Schluss offenbart sich, wer Freund und wer Feind ist. Bis dahin befindet man sich die ganze Zeit in der Schwebe und hofft und bangt an Cias Seite.

Da sich in diesem ersten Band der Trilogie alles um die Auslese an sich dreht, erfährt man über die restliche Gesellschaft außerhalb des Auswahlprozesses und das vereinigte Commonwealth erstmal noch nicht so viel. Da habe ich jedoch große Hoffnungen und Erwartungen an den Nachfolgeband, denn von meinem bisherigen Eindruck her bin ich fest davon überzeugt, dass mich die Fortsetzung umhauen wird :-)

Die Auslese - Joelle Charbonneau
Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: Penhaligon Verlag (26. August 2013)
ISBN-10: 3764531177
Preis: 16,99 Euro

Willis Fazit:



 

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5 Kommentare

  1. Ich hab das Buch auch gelesen und fand es gut. Auch wenn das Rad nicht neu erfunden wurde. Die Charaktere waren toll :)

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    1. Das ist wahr, aber man muss das Rad ja auch schließlich nicht neu erfinden. Ich bin aber echt gespannt auf den nächsten Teil und was sich die Autorin da einfallen lässt.

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  2. Och Menno, jetzt ist mein Kommentar weg :/.
    Also noch mal:

    Ich kann den Hype um dieses Buch ehrlich gesagt überhaupt nicht verstehen.
    Nicht nur, dass (wie meine Vorschreiberin bemerkt hat), das Rad hier nicht gerade neu erfunden würde (was in diesem Fall viele Parallelen zu anderen Dystopien bedeutet), die Charaktere waren auch viel zu flach.

    Dass es nicht gerade sinnvoll ist, dass die Regierung während der Auslese die klügsten Jugendlichen des Landes töten, ist mir noch nicht einmal aufgefallen. Mir fehlen dafür einige Erklärungen dafür, warum zum Teufel die USA auf einmal zum Commonwealth gehören (wobei man das ja noch in den späteren Teilen klären kann).
    Außerdem haben mich diverse Parallelen, insbesondere zu Panem und "Die Bestimmung" gestört. Rebellen, die außerhalb des Systems leben, Jugendliche, die alle die besten sein wollen und dafür über Leichen gehen, ein Überlebenskampf in der Wildnis, bei dem viele versuchen, den anderen umzubringen... Das war alles nichts neues.

    Die Beschreibungen der Prüfungsaufgaben fand ich ja noch ganz gut, aber die gute Cia ist natürlich perfekt und kann aaaaalles. Gähn! Dadurch wurde es dann auch irgendwann langweilig, weil man ja wusste, dass sie das ganze überleben wird.

    Die Gewaltbeschreibungen, die du erwähnst, wirkten mir oft viel zu gezwungen. Nur weil Bücher wie Panem dadurch erfolgreich sind, dass sie schonungslos und ehrlich beschreiben, muss man ja nicht unbedingt überall Grausamkeiten einbauen.

    Findest du wirklich, dass sich am Ende offenbart, wer Freund und wer Feind ist? Das mit Will war vielleicht ein Schock, aber die Sache mit Thomas ist ja noch nicht mal ansatzweise geklärt.
    Dieser Punkt wäre der einzige Grund, waurm ich Teil zwei vielleicht doch noch lesen würde ;).

    Liebe Grüße
    Charlie

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    1. Naja, ob bestimmte Sachen so abgelaufen sind, wie Cia es vermutet, wage ich auch zu bezweifeln, trotzdem fand ich es recht eindeutig, wer Feind und wer Freund ist. Kann sich natürlich im nächsten Band aber noch alles ändern :-) Ich habe ihn mir jedenfalls schon vorbestellt.

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  3. Ich habe das Buch auch gelesen und rezensiert auf www.sarah-kreative-feder.jimdo.com
    Unsere Meinungen stimmen schon überein ;)

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