Thema Amoklauf - zu Anna Seidl´s "Es wird keine Helden geben" - Wie kann man School Shootings verhindern?

08:00


Mein Lesejahr hat mit einem Buch begonnen, welches mich aufgrund seiner Thematik sehr zum Nachdenken gebracht hat und welches uns in den nächsten Tagen in der Bloggerwelt beschäftigen soll: "Es wird keine Helden geben" von Anna Seidl. Zusammen mit anderen Bloggern möchte ich euch nicht nur das Buch vorstellen, sondern euch auch die darin enthaltenen Themen Mobbing, Amoklauf, Trauer, Freundschaft und Liebe näherbringen. Meine Rezension zum Buch findet ihr HIER.


School Shootings werden Amokläufe in der Literatur genannt und während meine Mitstreiter euch in ihren Beiträgen u.a. zeigen, was man darunter eigentlich versteht und welche Fälle es bisher gab, möchte ich euch an dieser Stelle mögliche und bereits umgesetzte Mittel und Wege aufzeigen, mit denen Amokläufe an Schulen verhindert werden sollen. 

Meine erste Erkenntnis, die ich bei meiner Recherche für dieses Thema gemacht habe: es gibt momentan keinen Standardweg, mit dem Amokläufe an Schulen verhindert werden sollen! Aber es gibt mehrere Punkte, an denen man intervenieren kann, denn ein Amoklauf ist "nur" das fürchterliche Ende einer lang andauernden Entwicklung.

Mobbing verhindern

Kaum etwas ist schmerzhafter für einen Menschen als Ausgrenzung. Als soziales Wesen können Beleidigungen, ständige Kränkungen und Ausgestoßensein uns schlimmer fertigmachen als alles andere. Wer jahrelang gemobbt wurde und immer wieder Demütigungen erfährt, entwickelt ein lähmendes Ohnmachtsgefühl. Rachegedanken und Hass sind dann nicht mehr weit entfernt. Der deshalb wohl wichtigste Ansatz ist es, Mobbing und Ausgrenzung zu verhindern, damit es gar nicht erst soweit kommt, dass jemand nur noch Mord als Ausweg sieht.

http://www.fairplayer-fortbildung.de/fairplayerstartseite/Mittlerweile gibt es einige Programme, die darauf abzielen, soziale Kompetenz, moralisches Verständnis und Zivilcourage bei den Schülern zu fördern und Lehrer für das Thema zu sensibilisieren. Dazu zählt zum Beispiel das Fairplayer-Programm. Leider wird Mobbingprävention bisher noch von vielen Schulen abgelehnt.

 

Bedrohungen erkennen

Mobbing lässt sich wohl leider nicht immer verhindern. Daher muss die Gefahr eines möglichen Amoklaufs so früh wie möglich erkannt werden. Hier setzt z. B. das Network against School Shootings an, welches einen Ansatz zur Früherkennung von schwerer zielgerichteter Gewalt an Schulen bietet. Dabei werden Risikofaktoren und Hinweise in den verschiedenen sozialen Netzwerken (Mitschüler, Lehrer, Sozialarbeiter) identifiziert und Interventionen abgeleitet. Besonders beachtet wird hier das sogenannte Leaking, bei dem mögliche Täter ihre Tatabsicht schon vorher erkennen lassen, z. B. durch das Posten von Rachefantasien im Internet etc.

Überwachung & Bewaffnung

Die wohl kontroverseste Möglichkeit, Amokläufe zu verhindern, kommt aus den USA, die schon zu häufig leidvolle Erfahrungen mit dem Thema machen mussten. Aus den Nachrichten oder aus Filmen ist bekannt, dass sich an vielen Schulen in den USA alle Schüler vor Schulbeginn auf Waffen absuchen lassen müssen. Weiterhin werden Kameras eingesetzt, die die Sicherheit im Schulgebäude erhöhen sollen.
Nun geht der Bundesstaat South Dakota noch weiter. Hier ist es den Lehrern und Schulangestellten seit Juli 2013 erlaubt, während des Unterrichts Waffen zu tragen. Auch von der Schule engagierte Sicherheitsleute oder „Freiwillige“ dürfen Waffen tragen. Bisher versuchen mindestens sechs US-Staaten, die Sicherheit an ihren Schulen durch den Einsatz von bewaffneten Wachleuten zu erhöhen (Quelle: Spiegel Online). Und die NRA (National Rifle Association) fordert sogar, bewaffnete Wächter an allen amerikanischen Schulen einzusetzen. 

Gerade den Punkt der Bewaffnung halte ich persönlich nicht für sinnvoll um Amokläufe zu verhindern, denn er setzt viel zu spät an. Bis ein Lehrer oder das Sicherheitspersonal den Amokläufer zur Strecke bringen kann, hat er/sie im schlimmsten Fall schon längst mehrere Mitschüler erschossen. Die Intervention bei der Tatumsetzung stellt nur die letzte Möglichkeit dar. Und das, zugegeben fiktive, Buch "Ein toter Lehrer" hat mir gezeigt, dass auch Lehrer Mobbingopfer sein können. Und denen dann auch noch eine Waffe in die Hand zu drücken...


Was nehme ich für mich daraus mit? Egal ob nun jeder Schüler vor dem Unterricht auf Waffen abgesucht wird, egal ob jeder Lehrer selbst bewaffnet ist oder auf jedem Gang Kameras hängen - so lange Schüler (und Lehrer) andere Schüler wie Dreck behandeln, werden Amokläufe nie ganz zu verhindern sein. Dass jeder seine Mitschüler anständig behandelt, scheint für mich die einzige Möglichkeit zu sein, Amokläufe schon im Keim zu ersticken. Aber sind wir mal ehrlich: diese Vorstellung ist wohl leider utopisch.

Die weiteren Beiträge zum Thema Amoklauf findet ihr hier: 

Warum wird man zum Täter? Ist der Täter auch ein Opfer? 
Umfrage zum Thema Amok bei Jugendlichen
Wie fühlt sich ein Polizist, wenn ein Notruf wegen eines Amoklaufs eingeht?
Welchen Einfluß haben die Medien / Computerspiele/ Musik?
Vergangene Amokläufe in Deutschland 
Definition und Rückblick auf vergangene Amokläufe in Deutschland und USA
Darstellung der Notfallsituation: Verhalten bei früheren Amokläufen und Notfallplan
http://buecherwurm2punkt0.blogspot.de
Risikogruppen Amoklauf - ein kurioser Überblick

http://www.freakin-minds.de 
Wie weit dürfen Journalisten gehen? 
http://jessisbuecher.blogspot.de/
Vorbeugende Maßnahmen

Morgen geht es mit dem Thema "Freundschaft" weiter, alle Links zu dem Thema findet ihr u.a. bei Lielan Reads. Und wer Interesse bekommen hat, kann sich auch der Leserunde bei lovelybooks anschließen.

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11 Kommentare

  1. Hi,

    dein Beitrag ist sehr interessant und regt zum Nachdenken an. Ein Restrisiko bleibt sicher, aber ich finde die Veränderungen, die überall stattfinden, zeigen doch, dass sich die Menschen Gedanken machen...

    Lg
    Micha

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    1. Hi Micha,
      es ist auch wirklich gut und notwendig, dass das Thema mehr Aufmerksamkeit findet. Aber ohne ein Umdenken bei den Schülern nutzen wohl auch die besten Maßnahmen nichts. Die Wertschätzung anderer muss noch viel mehr zum Thema gemacht werden in der Schule.

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  2. Leider ist die Vorstellung wirklich utopisch. Aber jeder von uns kann trotzdem etwas dazu beitragen, zum einen bzgl. seines eigenen Verhaltens und dann natürlich auch die Weitergabe an zum Beispiel seine Kinder. Ich bringe meiner Tochter bei, Mitgefühl zu entwickeln und andere zu respektieren. Eigentlich selbstverständlich und doch irgendwie nicht so einfach.

    LG
    Anja

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    1. Richtig, eigentlich sollte es selbstverständlich sein. Leider gibt es immer Deppen, die andere klein machen, da kann man noch so viel über das Thema reden. Aber ich glaube es hilft schon, wenn das Thema Mobbing in der Schule viel mehr bewusst gemacht wird.

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  3. Hallo und guten Tag,

    klar es würde schon etwas bringen, wenn sich der Umgang sich etwas ändern könnte und würde....

    Aber auf der anderen Seite kenne viele Leute nur die Faust sich auseinander setzen mit anderen...Meinungen, die nicht gefallen werden damit gerne aus der Welt geschafft. ...

    LG..Karin..

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    1. Hi Karin,
      ja, das ist wirklich schlimm, wie verstärkt Gewalt eingesetzt wird. Die Frage ist, wo setzt man an, um das zu ändern? Im Elternhaus? In der Schule? In der Gesellschaft allgemein? Ich glaube, da muss echt ein Umdenken an ganz vielen Stellen stattfinden.

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  4. Ist schon schlimm wie weit es mittlerweile gekommen ist :(

    Wobei Mobbing auch zu meiner Schulzeit ein Thema war, ohne dass man das Wort verwendete. Da mal wurde es noch als Hänseln angetan, leider. Die Lehrer haben schon damals nix unternommen.
    Toller Beitrag, lieben Gruß Björn :)

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    1. Hi Björn, erstmal danke :-)
      Richtig, Mobbing war auch bei mir schon Thema, auch wenn ich mittlerweile fast 10 Jahre aus der Schule raus bin. Ich hoffe, dass junge Lehrer mittlerweile für das Thema sensibilisiert werden und auch vermehrt einschreiten. Nur das reicht natürlich nicht aus, Mobbing generell muss viel mehr zum Thema in der Schule gemacht werden.

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  5. Zu meiner Schulzeit war Mobbing noch garkein Thema.... man hat das vor 25 Jahren noch nicht so ernst genommen :-( Daher bin ich froh, dass es heute anders ist, und das Thema in zunehmenden Maß öffentlich diskutiert wird.
    Was die Waffengesetze (besonders in den USA) angeht, so war ich geschockt über die Aussage "Nicht die Waffen sind schlecht, die Menschen hinter den Waffen sind schlecht". Daher bestünde keine Notwendigkeit schärfere Gesetze zu erlassen.... Mein erster Gedanke dazu war: "Und woran erkenne ich gute und schlechte Menschen? Auf den ersten Blick sind doch alle gleich..."
    Natürlich hat die "Waffe zum eigenen Schutz" in den USA eine lange Tradition, daher verstehe ich, dass man sich mit Gesetzesänderungen schwer tut. Es hat aber mittlerweile schon so viele Vorfälle gegeben, und ich verstehe einfach nicht, dass die Amis weiter so stoisch zu diesen Gesetzen stehen. Was muss denn noch alles passieren?
    Viele Grüße

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    1. Hi, da gebe ich dir recht und besonders die Thematik mit den Waffen ist sehr schwierig zu lösen; es wird ja nicht umsonst seit Jahren darüber diskutiert. Ich glaube, die NRA war es, die gesagt hat "Nur ein guter Kerl mit einer Pistole kann einen bösen Kerl mit einer Waffe aufhalten". Zielt auf dieselbe Sache ab wie der Spruch bei dir. Mit schärferen Waffengesetzen würden die bösen Kerle aber vielleicht gar nicht erst an Waffen kommen. Aber da haben wir hier in Deutschland nun mal eine andere Einstellung.

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  6. Mobbing nettes Wort..für eine Sache die es immer schon geben hat, erst einmal, möchte ich sagen.

    Denn Mobbing ist keine Erfindung unserer Tage...es hat immer schon Schüler geben, die andere Schüler geärgert und mitunter auch gequält haben....

    Nur heute sind die Methoden moderner mit Handy und so. Und trotzdem wird immer noch gerne weg gesehen....

    LG..Karin..

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