14.04.2015


"Wenn ich ihn manchmal dabei beobachtete, wie er fischte, am Haus herumwerkelte oder aus dem Wald kam, den er mittlerweile kannte wie seine Westentasche, fragte ich mich, ob er die Insel wohl als sein Eigentum betrachtete. Als Ort, wo er tun und lassen konnte, was er wollte, und wo alles erlaubt war, solange wir nur am Leben blieben." (S. 148)

Als das Flugzeug der jungen Lehrerin Anna und ihres sechzehnjährigen Schülers T.J. irgendwo über dem Ozean abstürzt, halten sie es für ihr Ende. Doch stattdessen ist es erst der Beginn ihrer gemeinsamen Geschichte. Denn Anna und T.J. können sich auf eine Insel flüchten, auf der der Kampf ums Überleben gerade erst begonnen hat. Zwischen Wassernot, ständigem Hunger und schwindender Hoffnung auf Rettung können beide nicht verhindern, dass sich langsam Gefühle zwischen ihnen entwickeln. Gefühle, die jenseits der Insel absolut unmöglich wären. Doch ist eine Liebe wirklich verboten, wenn niemand anderes da ist, um darüber zu urteilen?



                                                              Meine Meinung                                                             

Ihr seid mal wieder auf der Suche nach romantischer, leichter und doch sehr emotionaler Lektüre? Dann solltet ihr dringend einen Blick auf On the Island werfen. Ursprünglich im Selbstverlag erschienen, konnte ich nämlich schon nach wenigen Seiten nachvollziehen, warum dieses Buch bereits so viele LeserInnen begeistert hat und schließlich auch von einem Verlag entdeckt wurde. Denn auch wenn der Untertitel "Liebe, die nicht sein darf" schlimmsten Schnulz erwarten lässt, überrascht die Geschichte doch mit einer weitestgehend kitschfreien und trotzdem romantischen Liebesgeschichte, die auch mich sehr begeistert hat.

Annas und T.J.s gemeinsame Geschichte beginnt als moderne Robinson Crusoe-Variante. Nachdem sie auf einer verlassenen Insel stranden, müssen sie sich zuerst um die elementarsten Dinge des menschlichen Lebens kümmern: Wasser, Nahrung, Schutz. Und das soll nur der Anfang ihrer Probleme sein. Denn je länger sie auf der Insel sind, umso mehr fühlen sie sich zu dem anderen hingezogen...

Man könnte ja meinen, dass die Liebesgeschichte zwischen einer erwachsenen Frau und einem sechzehnjährigen Jungen nichts anderes als reißerisch sein kann und auf Skandal ausgelegt ist. Umso positiver konnte mich die Autorin hier überraschen. Die Beziehung zwischen T.J. und Anna entwickelt sich nämlich im Verlauf der Geschichte sehr realistisch und nachvollziehbar, und der Aspekt des Verbotenen wird hier nicht als skandalöses Lockmittel benutzt, auch wenn es natürlich ein wenig zum Reiz der Liebesgeschichte beiträgt.

Das Buch ist wirklich wundervoll geschrieben, fesselnd und mitreißend von Anfang an, mit ordentlich Spannung und Prickeln. Auch wenn es fast schon unglaublich ist, was Anna und T.J. alles auf der Insel erleben, sind die Geschehnisse doch sehr glaubhaft und realistisch beschrieben; der Gedanke "das ist jetzt aber schon unrealistisch" kam tatsächlich nur ein einziges Mal bei mir auf und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass der Überlebenskampf auf einer einsamen Insel tatsächlich genau so ablaufen würde.

Anna und T.J. waren mir wirklich sehr sympathisch. Ihre Angst, Verzweiflung, die schwindende Hoffnung und ihre aufkeimenden Gefühle für den anderen - all das konnte ich echt nachvollziehen und mich richtig in die beiden hineinversetzen. Umso mehr habe ich mit ihnen mitgefiebert und gehofft, dass es mit ihrer Liebe klappt und sie glücklich werden. Natürlich ist beiden die Konflikthaftigkeit ihrer sich entwickelnden Gefühle bewusst; umso glücklicher war ich, dass die Autorin hier keine rosarote Pauschallösung raushaut, bei der man von Anfang an weiß, dass es ein Happy End geben wird, sondern uns eine realistische Entstehung dieser Beziehung mit ebenso nachvollziehbarem Ende präsentiert.

Mein einziger Kritikpunkt an der ansonsten ganz wunderbar gelungenen Geschichte: die verschiedenen Ereignisse und Szenen werden meist echt nur sehr kurz angerissen und nicht allzu sehr vertieft. So passieren den beiden wirklich einige dramatische Dinge auf der Insel, aber nach 2-3 Seiten ist die Sache eigentlich schon wieder erledigt. Schade, hier hätte eine etwas detailliertere Ausarbeitung der Geschichte noch mehr Tiefe verliehen.

Aber auch so hat mir On the Island wirklich gefallen und ich empfehle es allen mit einer Schwäche für romantische und konflikthafte Liebesgeschichten, die sich realistisch entwickeln.

On the Island. Liebe, die nicht sein darf - Tracey Garvis Graves
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (16. Februar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442481759


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Kommentare:

  1. Hmm, ich war mir bisher unsicher, ob ich es lesen soll oder nicht. Aber ich glaube, ich werde es mir doch mal näher anschauen :)

    Liebe Grüße
    Kate

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  2. Schöne Rezi, genauso habe ich es auch gesehen. Gerade weil sich die Beziehung so behutsam entwickelt hat, gewinnt das Buch an Glaubwürdigkeit.

    Liebe Grüße,
    Vanessa

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  3. Weckt irgendwie Erinnerungen an "Die blaue Lagune"... :D

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  4. Die Rezension liest sich richtig gut. Ich hab lange gezweifelt, ob ich es aufgrund der Thematik wirklich auf meine WuLi setzen soll. Aber deine Rezi gibt den Ausschlag. Danke für den Tipp!!

    Liebste Grüße,
    Nazurka

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  5. . . . und diese Rezension ist Schuld daran, dass ich das Buch auch angeschafft habe! Klasse Tipp! Danke :)

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