24.09.2015

Ihr Lieben, es ist schon etwas länger her, dass meine kleine Schwester hier zu Wort gekommen ist, aber gerade jetzt, wo ich im Krankenhaus liege und ich ja auch nicht weiß, wie viel ich dank meiner Drillinge in den nächsten Monaten zum Bloggen komme, freue ich mich umso mehr, dass Caro hier als Gastautorin auftritt. Heute hat sie ein Buch ausgesucht, welches tatsächlich auch auf meinem Wunschzettel steht.



„Er fällt ihr ins Wort: ‚Wie können Sie von den Regeln der Höflichkeit sprechen, wenn unschuldige Tier zu Tode gefoltert werden sollten? Höflich? Ich werde erst wieder höflich sein, wenn das Schlachten vorbei ist, und keine Minute früher…‘“

An einem Märztag 1946 schippert Beverly mit Ehemann Till und dessen Bruder vorder wilden Südküste Kaliforniens. Sie wollen in der Nähe der Inseln vor dem Santa-Barbara-Kanal angeln. Doch dann bricht ein Unwetter aus, und nur Beverly kommt knapp mit dem Leben davon.
Etwa fünfzig Jahre später kämpft ihre Enkelin Alma, eine Umweltschützerin, für die Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts dieser Inseln. Sie sind von Ratten verseucht, von Wildschweinen überlaufen, von fremden Adlern heimgesucht. Im gegnerischen Lager engagiert sich Dave LaJoy, um das Leben der Tiere zu retten. Wer hat recht? Soll man die Rettung eines Ökosystems verfolgen oder Töten um jeden Preis verhindern?

 (Quelle: Amazon)

Caros Meinung

Diesmal habe ich ein Buch gewählt, das nicht nur bereits seit geraumer Zeit auf meiner Liste steht, sondern auch eines von Friedelchens Büchern, das bei der Challenge „Die Dystopischen Zwölf“ hinten runter gefallen ist. 

In diesem Buch stehen sich Tier- und Umweltschützer in einem unerbittlichen Kampf gegenüber. Auf den Santa-Barbara Inseln vor der Küste von Kalifornien werden seit Jahrzehnten durch die Einschleppung insel-fremder Arten die heimischen Tierarten ausgerottet. Unterschiedliche Gruppen sehen es nun als ihre Aufgabe, die Inseln zu schützen. Sie besitzen dabei jedoch unterschiedliche Auffassungen von dem was Schutz in diesem Falle heißen soll. Ist es die Ausrottung der Ratten (und Wildschweine, und Schlangen,…), die die einheimischen Arten schon so sehr gefährdet haben? Oder ist es der Schutz eben dieser Eindringlinge, die das alte Ökosystem der Inseln zwar auf den Kopf gestellt haben, aber eben auch eine Daseinsberechtigung besitzen? Welche Auffassung sich am Ende mit welchen Mitteln durchsetzen kann, entscheidet in diesem Fall nicht unbedingt die staatliche Autorität oder die breite Öffentlichkeit, sondern vielmehr eine schicksalhafte Verkettung der Ereignisse.

Um ehrlich zu sein, durch die ersten 150 der gut 460 Seiten musste ich mich ganz schön durchkämpfen.

Das mag einerseits an dem unglaublichen Detailreichtum Boyles liegen. Vielleicht hat mich das zu sehr an die Monologe einiger unserer Familienmitglieder erinnert, die vom Hundertsten ins Tausendste, aber einfach nicht auf den Punkt kommen. Da schaltet man unwillkürlich ab ;) Dabei ist es gerade diese Detailliertheit, die die Geschichte später so spannend macht. Und so ergeben hübsche, aber zuerst als wenig relevant empfundene Nebenstränge – beispielsweise wenn das Leben der Mutter einer der Nebenprotagonistinnen auf einer der Santa-Barbara Inseln geschildert wird – ein umfangreiches Gesamtbild, wenn sie mit der Hauptgeschichte verflochten werden.

Mein holpriger Einstieg mag andererseits an den Charakteren liegen. Bis zum Ende konnte ich nur wenig Sympathie für die Hauptcharaktere Alma Boyd Takesue und Dave LaJoy entwickeln. Die beiden stehen sich unermüdlich im Kampf für den Umweltschutz gegenüber. Wobei beide glauben auf der richtigen Seite zu stehen. Alma, die als Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit des National Park Service der nördlichen Santa Barbara Inseln die Tötung tausender Ratten zum Schutz heimischer Wildvögel-Arten erklären und verantworten muss und Dave, Vorsitzender der Tierschutzorganisation FPA For the Protection of Animals, der genau dieses Schlachten mit radikalen Mitteln verhindern will. Beide Charaktere begehen Fehler. Fehler, die so gravierend sind, dass sie am Ende nicht nur das Leben der Tiere kosten. Spannende Herzschlagmomente sind also auf jeden Fall garantiert.

T. C. Boyle widmet sich in seinen Geschichten immer wieder sozio-ökonomischen und ökologischen Problemen der heutigen Gesellschaft und entwirft dabei vielfältige Charaktere, die durch ihr - teilweise widersprüchliches - Handeln und Denken das Thema von den unterschiedlichsten Seiten beleuchten. Ein sehr spannendes Buch. Für mich wird es auf alle Fälle nicht das letzte Buch von T.C. Boyle gewesen sein.

Wenn das Schlachten vorbei ist - T.C Boyle
Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. November 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423142693

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