05.10.2015


Für Jam ist es trotz ihrer gerade mal fünfzehn Jahre die ganz große Liebe, als sie den Austauschschüler Reeve kennenlernt. Doch dann stirbt Reeve und Jam stürzt in ein tiefes Loch, aus dem sie sich nicht mehr befreien kann. Ein Internat für traumatisierte Jugendliche soll Abhilfe verschaffen. Doch auch dort fühlt Jam sich verloren. Bis sie dem berüchtigten Literaturkurs von Mrs. Q zugeteilt wird. Gemeinsam mit 4 anderen Jugendlichen analysiert sie dort nicht nur „Die Glasglocke“ von Sylvia Plath, eine Autorin, die den Freitod gewählt hat, sondern wird auch angehalten, ein Tagebuch zu führen. Und während Jam darin ihre Erinnerungen an Reeve festhält, beginnt langsam ein schmerzhafter Heilungsprozess, bei dem sich Jam einige unbequeme Wahrheiten eingestehen muss...


Meine Meinung

Meg Wolitzer hat bisher nur mir unbekannte Bücher für eine erwachsene Leserschaft geschrieben, aber ich finde, das Jugendbuchdebüt ist ihr wirklich sehr gut gelungen. "Was uns bleibt ist jetzt" überrascht nämlich mit einer sehr ungewöhnlichen Geschichte voller Tiefgang, über die ich euch gar nichts weiter verraten will, denn die Geheimnisse der Geschichte muss man einfach selbst entdecken.

Wir begleiten darin die junge Jam, die von ihren Eltern in ein Internat für Teenager mit psychischen Problemen gesteckt wird, da sie einfach nicht über den Tod ihres Freundes Reeve hinwegkommt. Obwohl sie zunächst alles daran setzt, um sich von allen anderen abzukapseln, wird sie dem Literaturkurs von Mrs. Q zugeordnet, von dem vergangene Schüler immer wieder behaupten, er hätte ihr Leben verändert. Jam hält natürlich nichts davon, aber schon bald soll sie dort nicht nur neue Freunde finden, sondern auch eine Selbsterkenntnis, mit der nicht nur sie selbst nicht gerechnet hat, sondern auch der Leser nicht.

Dieses Buch wird eindeutig nicht von einer riesigen komplexen Handlung geprägt, sondern von den Charakteren und ihren Problemen. Alle Mitglieder des Kurses haben etwas miterlebt, was sie nicht wirklich verkraften konnten. Nach und nach erfahren wir, was genau ihnen geschehen ist, und das ist zeitweise wirklich sehr dramatisch und hat mich emotional sehr berührt.

Mit psychologischem Gespür und sensibel erzählt, schildert Wolitzer, wie sich Trauer, Wut und Enttäuschung auf die Psyche von Kindern auswirken können. Der sehr realistischen Geschichte sind dabei auch fast schon surreale Ansätze beigemischt, mit denen man am Anfang der Geschichte gar nicht rechnet, die ich aber sehr gelungen mit der Geschichte verknüpft fand. Besonders gefallen hat mir auch die überraschende Wendung zum Schluss hin, die wirklich unerwartet kam und so nicht absehbar war; ich liebe es, wenn Bücher mich überraschen können :-)

Und so kann ich wirklich nur eine dicke Leseempfehlung aussprechen für dieses ernste und doch irgendwie hoffnungsvolle Buch, das Ja zum Leben sagt. Das wird garantiert nicht mein letztes Buch von Meg Wolitzer gewesen sein.

Was uns bleibt ist jetzt - Meg Wolitzer
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: cbt (21. September 2015)
ISBN-10: 357016294X
Übersetzt von Petra Koob- Pawis


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Kommentare:

  1. Hallo,

    Oh wow, bis jetzt war jede Rezi, die ich zu diesem Buch gelesen habe, eine Hass-Rezi :D
    Jede! Und da ich die Spoiler einfach mitgelesen habe (weil ich wissen wollte, warum die Leute das Buch so hassen) kann ich sagen: Ich hätte es gegen Ende auch einfach gegen die Wand geschmissen ;)

    Aber es ist schön, dass es doch noch Leute gibt, die das Buch mögen

    lg
    Nadine

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    1. Hi Nadine, hm, so unterschiedlich können die Meinungen sein. Ich finde es immer ganz cool, wenn am Ende nicht alles so ist, wie man es angenommen hat ;-)

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  2. Das klingt wirklich sehr berührend und auch sehr emotional! So was liebe ich, also werde ich es mir direkt mal auf meine WuLi setzen. ^-^ Ich finde deine Bewertungslinie (?) mit deinem Bild drauf, sehr originell. Tolle Idee! =)

    Liebe Grüße ♫

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    1. Hi Madlen, danke für das Kompliment und ich hoffe, das Buch wird dir gefallen :-)

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