Die Stille unter dem Eis - Eine kleine atmosphärische Perle

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Gebundene Ausgabe: 288 Seiten | Pendo Verlag | Originaltitel: Point of Direction | Übersetzung: Yola Schmitz | Hier kaufen

"In meiner Vorstellung sehe ich den Leuchtturm, wie er mir am Tag unserer Ankunft erschien. Er thront über der Insel, groß und gerade vor dem Hintergrund der Berge. Ich kann genau sehen, was er bedeutet, etwas zum Anlehnen, ein Ort, um Atem zu holen." (S. 100)

Beim Trampen durch Alaska trifft die Abenteuerin Anna auf den Fischer Kyle und in kürzester Zeit werden beide ein Paar. Als sie das Angebot erhalten, über den Winter in einen einsamen Leuchtturm in der Wildnis Alaskas zu ziehen, sind beide sofort Feuer und Flamme. Doch die Abgeschiedenheit und die gefahrvollen Gewässer, die ihr neues Zuhause umgeben, machen Ihnen schon bald zu schaffen und belasten das junge Paar sehr. Und dann sind da ja auch noch die Geheimnisse, die beide mit sich herumtragen und auf der kleinen Insel immer erdrückender werden...

Die Stille unter dem Eis hat mich auf eine spannende und emotionale Reise durch Alaska mitgenommen, die mir überraschend gut gefallen hat. Hinter dem schlichten Cover verbirgt sich eine fesselnde Geschichte voller stiller Dramatik und Tiefgang. Das Buch überzeugt dabei weniger mit einer spannenden Handlung, als vielmehr mit seinen authentischen Charakteren und der dichten Atmosphäre. Die Kälte und Rauheit der Gletscher und des Meeres, das den Leuchtturm umgibt, und die Stille der Abgeschiedenheit war beim Lesen richtig spürbar. Das Buch wirkte auf mich wie eine Hommage an die Schönheit Alaskas, aber auch an seine Gefahren.

Die Geschichte wird aus Annas Perspektive erzählt. Sie ist eine mutige und unabhängige junge Frau, die es liebt, Berge und Gletscher zu besteigen, seit einiger Zeit jedoch davon abgekommen ist und nun ziellos dahintreibt. Auf ihrer Reise durch Alaska trifft sie auf Kyle, ein junger Fischer, der sie mit in den Norden nimmt. Schnell werden sie zum neuen Lebensmittelpunkt des jeweils anderen. Doch erst, als sie zusammen in den einsamen Leuchtturm ziehen, wird ihnen richtig klar, dass sie beide etwas voreinander verbergen. Diese Geheimnisse werden durch Rückblicke in die Vergangenheit langsam im Laufe der Geschichte offenbart, und auch wenn mir recht früh klar war, was Annas Geheimnis ist, fand ich es doch spannend und emotional berührend.

"Ich höre auf die leisen Geräusche im Zimmer und frage mich, was wir hier draußen eigentlich machen. Das Leben vermeiden? Es leben?" (S. 100)

Nicht nur die Geheimnisse, sondern auch die isolierten Lebensumstände, die mit Einbruch des Winters immer schwieriger werden, sorgen für Spannungen zwischen dem Paar, denn auf der winzigen Leuchtturminsel kann man sich kaum aus dem Weg gehen. Die Liebesgeschichte fand ich sehr authentisch beschrieben, genau wie die Charaktere selbst. Rachel Weaver gibt ihnen jede Menge Raum, sodass man sie immer besser kennenlernt und wirklich verstehen kann, was sie bedrückt und was sie fühlen. Da mehr das Innenleben der Protagonisten im Vordergrund steht statt einer sich überschlagenden Handlung, hat das Buch zur Mitte hin ein paar Längen, die mich allerdings nicht groß gestört haben.

Insgesamt gesehen hat mir das Buch also wirklich gut gefallen. Die Stille unter dem Eis erzählt eine schöne und berührende, wenn auch stille Geschichte über Liebe, Schuld und Vergebung und weckt ganz nebenbei auch noch die Faszination für das raue Alaska. Daumen hoch!


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2 Kommentare

  1. Super...ich habe mir das Buch gestern aus der Bücherei mitgenommen, da ich bis jetzt eigentlich nur gute Rezensionen dazu gelesen habe und nun lese ich hier wieder eine =) Sehr gut! Ich bin schon gespannt!
    Liebe Grüße
    Martina

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  2. Danke für diesen Beitrag! Mir war das Buch bis jetzt völlig unbekannt und nun hast du mich richtig neugierig gemacht. Die Geschichte klingt toll, wobei mich gerade das abgeschiedene Leben im Leuchtturm und die Charakterentwicklungen faszinieren. Kommt auf die Wunschliste :)

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