Mein bester letzter Sommer - So schön und doch so traurig

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Gebundene Ausgabe | 368 Seiten | Heyne Verlag | Hier kaufen

"Er wird noch viele Mädchen genau so anlächeln. Wir haben keine Zukunft, ganz einfach, weil ich keine habe. Aber Oskar hat eine, und die wird er mit einer anderen verbringen. Die Realität ist zurück, und sie ist gewohnt hart. Das Märchen ist vorbei." (S. 78)

Tessa ist sterbenskrank. Ihr bleiben nicht einmal mehr Monate, sondern nur noch wenige Wochen. Eigentlich hat sie sich damit abgefunden, dass sie nie ihren Führerschein machen wird, nie die Schule beenden und als Jungfrau sterben wird. Doch dann begegnet ihr Oskar. Und plötzlich reicht es ihr nicht mehr, in ihrem Zimmer auf den Tod zu warten. Plötzlich will sie alles: Oskar küssen, ein Abenteuer erleben, nach Italien fahren. Und so nimmt sie all ihren Mut zusammen und erlebt gemeinsam mit Oskar den besten letzten Sommer ihres Lebens...

Bücher über todkranke Kinder und Jugendliche sind nie leicht und können schnell ins Schwermütige und Bedrückende abdriften. So hatte ich auch hier etwas Bammel, ob mir das Buch nicht zu deprimierend werden könnte. Glücklicherweise waren meine Bedenken unbegründet, auch wenn meine Augen beim Lesen nicht trockengeblieben sind. So hat mich dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite total mitgerissen.

Tessa ist schon seit ihrer Kindheit schwer krank und musste sich diverser Operationen unterziehen. Doch nun hat sie erfahren, dass es keinerlei Hoffnung mehr für sie gibt und sie bald sterben muss. Anfangs versinkt sie vollständig in ihrer Trauer, verschanzt sich in ihrem Zimmer und lässt niemanden mehr an sich heran. Bis ihr Oskar begegnet. Beide sind sofort voneinander fasziniert. Aber kann Tessa ihn wirklich in die Katastrophe mit hineinziehen, die ihr Leben ist? In Oskar hätte ich mich fast selbst verliebt. Er lässt sich von Tessas Krankheit nicht verscheuchen und versucht, ihr so viele schöne Erlebnisse und Erinnerungen zu verschaffen wie möglich. Und damit hat er sich nicht nur in ihr, sondern auch in mein Herz gespielt.

Bereits nach der Hälfte des Buches war ich mehrmals kurz vorm Heulen gewesen. Besonders zu sehen, wie Tessas Mutter unter der Situation leidet, hat mich sehr mitgenommen. Denn Tessas unabwendbares Schicksal beeinflusst natürlich nicht nur ihr Leben und die Vorstellung, dem eigenen Kind beim Sterben zusehen zu müssen hat mich jetzt, wo ich selbst Mutter bin, noch viel mehr getroffen und mir immer wieder die Tränen in die Augen getrieben.

Macht euch keine Illusionen: Tessa ist sterbenskrank und es kommt keine gute Fee vorbei, die auf magische Weise alles gut werden lässt, obwohl auch Oskar zunächst nach solch einer Fee sucht. Auf eine traurige Handlung muss man sich also einstellen. Warum sollte man das Buch dann also lesen, könntet ihr jetzt fragen? Ich sage es euch: weil das Buch neben den traurigen Momenten auch eine wundervolle zarte Liebesgeschichte erzählt und darüber, sein Leben trotzdem zu leben, egal wie viel Zeit einem dafür bleibt. Gemeinsam mit Tessa und Oskar erleben wir ein paar wunderbare Momente und sehen dabei zu, wie sie sich immer mehr ineinander verlieben. Und das war wirklich zuckersüß und hat mir immer wieder ein Lächeln entlockt.

Mit Mein bester letzter Sommer ist Anne Freytag ein wunderschön berührendes und sensibel erzähltes Buch gelungen, das oft traurig, aber genau so oft auch glücklich macht beim Lesen. Habt keine Angst, dass es zu deprimierend werden könnte, denn dann würdet ihr euch ein wirklich schönes Jugendbuch über die erste große Liebe vorenthalten.



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5 Kommentare

  1. Hey!
    Danke für deine schon sehr berührende Rezension zu einem Buch mit einem wirklich nicht leichten Thema. Deine Rezi macht aber wirklich Lust auf das Buch. Ich fürchte, dass meine Wunschliste jetzt wieder wächst.
    LG
    Yvonne

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  2. Ich fand es auch richtig schön <3 Obwohl es so dramatisch war, war es irgendwie auch so leicht.. Einfach wundervoll <3

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  3. Mein liebstes Friedelchen

    Vielen Dank für deine tolle Rezi und Buchempfehlung. Leider gibt es in diesem Genre meiner Meinung nach zu viele Bücher, die oberflächlich bleiben oder irgendwie realitätsfremd sind. Deshalb bin ich froh, durch dich einem Buch zu begegnen, das echt scheint, tragisch und traurig und trotzdem fröhlich ist.

    Ganz liebe Grüsse
    Livia

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  4. Hallo Friedelchen

    Ich bin noch nicht ganz durch mit dem Buch, mir fehlen aber nur noch ein paar Seiten, die heb ich mir für heute Abend auf, vorm schlafengehen. Mir geht es wie dir, die Geschichte ist wirklich sehr berührend und nicht nur einmal sind bei mir die Tränen geflossen. Auch wenn es sicherlich schon etliche Geschichten gibt, die eine ähnliche Richtung einschlagen, mag ich die Story sehr und bin schon richtig gespannt auf das Ende.

    ich lass dir liebe Ostergrüße hier

    Sandra

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  5. Huhu Friedelchen,
    schöne Rezension!
    Ich empfand die Geschichte jetzt eigentlich auch überhaupt nicht bedrückend. Anne Freytag hat es meiner Meinung nach geschafft mit einer zum Tode verurteilten Protagonistin trotzdem eine lebens-bejahende Geschichte zu schreiben. Mir hat es auch echt gut gefallen

    Ich hoffe, du hast schöne Ostern
    Alles Liebe, Nelly

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