Samstag, 30. Oktober 2010

 Monstrumologie, die: 

1. Das Studium von Menschen generell übelwollenden Lebensformen, die von der Wissenschaft nicht als tatsächliche Organismen anerkannt werden, insbesondere solcher, die als Produkte von Mythen und Sagen betrachtet werden

2. Die Beschäftigung mit der Jagd auf solche Wesen

New Jerusalem, 1888: Der Waisenjunge Will Henry arbeitet seit dem Tod seiner Eltern bei dem seltsamen Doktor Warthrop als sein Assistent. Offiziell ist er ein Philosoph, doch statt mit Theorien über Gott und die Menschheit beschäftigt sich Warthrop mit ausgewachsenen Monstern. Eines Nachts liefert ein Grabräuber seinen grausigen Fund beim Doktor ab: ein mannsgroßes Monster ohne Kopf hat sich in die Leiche einer jungen Frau verbissen. Warthrop ahnt gleich, dass dieses Exemplar der hochgefährlichen Rasse der Anthropophagen nicht das Einzige sein wird, und so beginnt für Will und seinen Meister eine blutige Jagd... 




Ich hoffe stark, dass sich dieses Buch aufgrund der scheinbar niedlichen Gestaltung niemals in die Kinderbuch-Ecke verirrt, denn glaubt mir, die armen Kinder werden Alpträume bekommen! Stephen King gehört zu meinen Lieblingsautoren, daher bin ich Horror und Brutalität in Büchern gewohnt. Und trotzdem habe ich mich bei "Der Monstrumologe" mehr als einmal geekelt und über die Grausamkeiten gestaunt, wenn Würmer aus eiternden Wunden ausbrechen, Menschen bei lebendigem Leib gefressen werden oder Hirn und Blut über sämtliche Wände verteilt ist.

Anfangs tat ich mich etwas schwer mit dem Buch, da die Sätze zeitweise sehr lang und verschachtelt sind und man schon aufmerksam lesen muss, wenn man nichts verpassen will. Ein Beispielsatz:  
"In einem wirren Knäuel aus wild prügelnden Armen und um sich tretenden Beinen purzelten wir über den Boden, sein schnappendes Maul verfing sich im hinteren Teil meiner Jacke und zerschredderte es, seine linke Pranke schlug nach meinem Gesicht, während ich sein Handgelenk festhielt, mit aller Kraft dagegendrückte und mit meiner freien Hand nach seinen Augen schlug, die jetzt fieberhell brannten, und im Schein des Feuers konnte ich mein eigenes Gesicht darin gespiegelt sehen, das vor Angst verzerrt war." 

Zu Beginn der Geschichte ist dies sehr mühsam zu lesen, doch man gewöhnt sich an den Stil. Auch bin ich anfangs mit etwas falschen Erwartungen an das Buch herangegangen. Ich hatte mit dem Auftauchen einer Vielzahl von unterschiedlichen Monstern gerechnet, letztlich geht es in dem Buch aber um die Jagd nach nur einem Monster: den Anthropophagen, kopflosen Monstern, die sich ausschließlich von Menschenfleisch ernähren. Vielleicht las es sich deshalb zu Beginn etwas schleppend, doch sobald die Jagd richtig losgeht, wird es spannend und man klebt an den Seiten.

Trotz der erwähnten Schwächen gebe ich dem Buch gerne die volle Punktzahl, denn es ist einfach etwas ganz Besonderes. Die Geschichte und der Schreibstil sind einzigartig, und die Gestaltung des Buches ist einfach toll, angefangen beim Cover, sowie den kleinen Verzierungen am Seitenrand in Form diverser Messer, Schürhaken und was man sonst noch für die Sezierung eines Monsters benötigt. Außerdem sind immer mal wieder ganzseitige Bilder abgedruckt, und hinten im Buch kann man sogar ein passendes Lesezeichen raustrennen (siehe Bild).

Mein Fazit: die ersten 50 Seiten sind gewöhnungsbedürftig, doch danach erwartet euch ungewöhnliche Gruselunterhaltung mit tollen Illustrationen.

P.S: Juhuu, gerade habe ich gesehen, dass dies nur der erste Teil einer Serie ist. Ich freue mich schon auf die weiteren Teile.

P.P.S: Unter http://geierheim.blogspot.com/ könnt ihr euch noch ein paar mehr Bilder aus dem Buch anschauen, hier schreibt nämlich der Illustrator selbst.


Der Monstrumologe - Rick Yancey
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Paperback); Auflage: 2 (11. Oktober 2010)
ISBN-10: 378576040X
Preis: 14,99 Euro

Willis Fazit:

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Kommentare:

  1. Diese Leseprobe hab ich natürlich auch gelesen. Weißt du, momentan weiß man überhaupt nicht mehr welches Buch man zuerst kaufen oder lesen soll.
    Der kleine Leseausflug in die monströse Welt, hat mir wirklich ziemlich gut gefallen. Und deine Rezension macht Lust auf mehr. Viele liebe Grüße

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  2. Ich bin jetzt total hin und hergerissen. Das Buch spricht mich total an. Ich mag Grusel und Monster und so, aber in den letzten Jahren bin ich bei ekligen Sachen irgendwie immer empfindlicher geworden und was du so von eiternden Wunden und Würmern schreibst, macht mir so schon ne Gänsehaut :P ... Mist.

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  3. @Miss Bookiverse:

    Naja, es sind glücklicherweise immer nur einzelne Szenen, in denen es mal eklig wird. Das mit den Würmern fand ich schon am schlimmsten.

    Also lass dich nicht verschrecken, das Buch ist davon abgesehen wirklich gut, wenn man auch erst etwas braucht, um sich reinzulesen.

    Ich werd mir auf jeden Fall den nächsten Band auch zulegen, der ist diesen Monat auf Englisch erschienen und wird hoffentlich auch auf Deutsch verlegt, denn die deutsche Ausgabe sieht viel schöner aus :-)

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  4. Dann werde ich das wohl mal riskieren und wenn ich dann blassgrün vor den Seiten setze, statte ich dir noch mal einen netten Blogbesuch ab ;))

    Mir gefällt die deutsche Ausgabe auch, v.a mit den ganzen Zeichnungen, es gibt aber auch schöne englische Ausgaben:
    http://www.goodreads.com/book/photo/7171771-the-monstrumologist
    http://www.goodreads.com/book/photo/7775755-the-curse-of-the-wendigo

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  5. Oh je, dann hoffe mal das Beste. Nicht das dir von meiner Empfehlung schlecht wird und du dich dann virtuell auf die Kommentarseite erbrichst :-)

    Ja, das mit dem schwimmenden Gewebe sieht auch ganz gut aus. Aber ich steh halt auf Einheitlichkeit im Bücherregal, also werde ich mich gedulden müssen.

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  6. Ich mag es einheitlich auch lieber, aber wenn ich einen ersten Teil auf Deutsch kaufe und lese und gaaanz toll finde, könnte ich nie im Leben auf die Übersetzung warten. Dann würde ich mir lieber den ersten Teil im Original noch mal dazu kaufen ;)

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  7. Das mit den Sätzen wäre leider nichts für mich. Ich habe dann schnell das Gefühl, dass es total langatmig wird.

    Ist das Buch eigentlich leicht fantasy angehaucht oder ist es wirklich Fantasy? Wegen diesen kopflosen Monstern?

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  8. @ ?: Es ist nur leicht fantasymäßig, die Monster sind das einzig übernatürliche. Keine Hexen, Magie, Elfen oder so etwas.

    Obwohl, genauer betrachtet sind nicht einmal die Monster "übernatürlich", der Monstrumologe schließt sich da Darwin an und führt das Dasein dieser Monster auf Selektion und Mutationen zurück. Die Monster sind also nichts anderes als unheimliche Tiere, die dummerweise Menschen als Nahrungsquelle nutzen :-)

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