![]() |
| Gebundene Ausgabe | 656 Seiten | Kyss Verlag | Übersetzung: Anita Nirschl |
Estinya lebt in einer von Plagen gebeutelten Welt. Seit vor 30 Jahren der Erdboden aufgerissen ist und die bösartigen Bane daraus hervorgebrochen sind, werden die Städte immer wieder von Ungeziefer, Dürre und anderen Unglücken heimgesucht. Nur die mächtigen Blut-Fae konnten die Bane besiegen und die Plagen in Schach halten. Als Estis Heimatort Hamelyn von Ratten überrannt wird, ist es der mysteriöse Rattenfänger, der die Stadt vor dem Untergang rettet. Doch dafür verlangt er einen hohen Preis: 130 Einwohner sollen ihm als Bezahlung in ein ungewisses Schicksal folgen. Und Esti ist eine von ihnen...
Das Worldbuilding hat mich von Anfang an fasziniert. Wir werden in eine zerbrochene Welt geworfen, in der Monster - sogenannte Bane - die Welt verwüstet und mit Plagen überzogen haben. Zwar gelang es den Blut-Fae, sie zu besiegen, doch die Plagen überziehen die Welt ungebrochen. Als wir Esti kennenlernen, ist ihre Stadt Hamelyn bereits seit 5 Monaten von der Außenwelt abgeriegelt - Fliegen verhindern, dass man sich ungeschützt auf den Straßen bewegen kann und die Einwohner leiden unter einer Hungersnot.
Das Buch ist wahrlich nichts für schwache Nerven, denn die Beschreibungen sind sehr brutal und bildlich, man kann den Dreck auf den Straßen und die Not der Einwohner richtig spüren. Hunger und Verzweiflung lassen die Einwohner grausam agieren und besonders Esti sieht sich ständigen Anfeindungen und sogar körperlicher Gewalt ausgesetzt. Denn Esti ist eine sogenannte Fane - halb Fae, halb Bane - und wird von vielen für das Unglück verantwortlich gemacht, welches die Welt immer noch plagt, obwohl die Bane vernichtet sind.
Esti erweist sich als starke und sympathische Protagonistin, der es trotz aller Grausamkeiten und Schicksalsschläge gelingt, zu überleben und ihren Lebenswillen nicht zu verlieren. Und so lässt sie sich auch von der Entführung durch den Rattenfänger nicht unterkriegen. Der hat dafür natürlich seine Gründe, und gerade die fand ich super spannend, weshalb ich lange Zeit richtig an den Seiten geklebt habe.
Leider muss ich aber sagen, dass mich der Rattenfänger nicht vollends für sich gewinnen konnte. Er hat Esti nämlich lange Zeit so bevormundend und übergriffig behandelt, dass es schon eine seeehr überzeugende Entschuldigung gebraucht hätte, um das in meinen Augen zu rechtfertigen oder im Anschluss wiedergutzumachen. Das blieb für mich allerdings aus, weshalb ich mich im weiteren Verlauf der Handlung dann auch mit der sich entwickelnden Liebesgeschichte schwergetan habe. Die hat ab etwa der Hälfte des Buches klar die Handlung dominiert, und so musste ich augenverdrehend miterleben, wie sich Varik und Esti die ganze Zeit anhecheln und jede Situation sexuell aufgeladen war. Mein Interesse an der Geschichte ist dadurch zeitweise deutlich abgeflaut und ich musste mich richtig durch die Seiten kämpfen. Letztlich war ich aber froh, doch durchgehalten zu haben, denn das Ende konnte das Ruder noch einmal rumreißen. Hier gab es nämlich einen richtig spannenden Plottwist und ich will unbedingt erfahren, wie es damit in Teil 2 weitergeht.


















