Schwestern der Angst

13:00

"Sie würde den Schrecken überleben, den ich ihr bereitet hatte. Aber vergessen würde sie mich nie." 

Es gibt Bücher, die gehen einem an die Nieren, die beim Lesen ein mulmiges, ungutes Gefühl erzeugen. Nicht etwa, weil sie schlecht geschrieben sind, sondern aufgrund der schwierigen Thematik. Um solch ein Buch handelt es sich bei "Schwestern der Angst". Hier dreht sich alles um krankhafte Besessenheit, schmerzhafte Liebe, Missbrauch und grausame Rache.

Schon als Kind hat sich Renate nach dem Tod der Mutter aufopferungsvoll um ihre kleine Schwester Marie gekümmert und ihr eigenes Leben komplett zurückgestellt. Ihre ersten Jahre wuchs sie selbst bei ihren Großeltern auf, immer in Gefahr, dass sich der Großvater an ihr vergreifen könnte, wie er es schon bei ihrer Mutter getan hat. Nun lebt Renate jedoch beim liebevollen Stiefvater und ist für ihre kleine Schwester ganz und gar verantwortlich.

Obwohl ihre Freundschaften und ihre Schulbildung darunter leiden müssen, ist sie glücklich mit dieser Existenz, die sich nur um Marie dreht. Als diese älter wird, beginnen jedoch die Rivalitäten zwischen den beiden. Marie ist eifersüchtig und aggressiv, wenn sie nicht die nötige ungeteilte Aufmerksamkeit bekommt. Sie buhlen um die Liebe ihres Vaters und Marie schreckt auch nicht davor zurück, den Vater gegen Renate aufzuhetzen, so dass die Beziehung der beiden immer angespannter wird. Doch erst als sich die Schwestern in denselben Mann verlieben und dieser sich für Marie entscheidet, zerbricht ihr Verhältnis vollends. Renate versucht zwanghaft, die beiden ausinanderzubringen und verfolgt Marie fortan wie ein Schatten. Und sie schreckt vor keinem Mittel zurück, um wieder Kontrolle über Maries Leben zu erlangen...

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Lydia Mischkulnig schildert hier die Geschichte zweier Schwestern, deren Leben von sexuellen Übergriffen und gegenseitigen Machtansprüchen gezeichnet ist und sie zeigt, was Grausamkeit und Missbrauch, sei es körperlicher oder seelischer Art, mit einem Menschen anrichten kann. Renate und Marie führen eine ambivalente Beziehung. Eigentlich können sie in der Nähe der anderen nicht glücklich werden und wollen nichts mehr miteinander zu tun haben, aber sie kommen doch nicht voneinander los, die gemeinsam erlebten Jahre binden sie aneinander. Es hat mich traurig gemacht zu lesen, wie sich die beiden gegenseitig quälen. Wirklich warm wird man mit keiner der beiden Akteurinnen, denn dazu weisen sie einfach zu wenig sympathische Eigenschaften auf.

Die Autorin hat ihren ganz eigenen Schreibstil, der anfangs merkwürdig scheinen mag, aber gut zu Renates innerem Tumult passt. Die Erzählung springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit und gibt uns einen Einblick in Renates Kinder- und Jugendzeit, die erklärt, wie Renate zu dem geworden ist, was sie heute ist: eine besessene Stalkerin. Sie quält sich selbst mit Erinnerungen, sie ritzt sich die Haut, um das Gefühl der Anspannung loszuwerden, wird von Stimmen in ihrem Kopf geleitet. Gegen Ende des Buches wird der Erzählstil immer zerfahrener, kurze Sätze werden zusammenhangslos aneinandergereiht, als würde Renate alles aufzählen, was sie gerade sieht oder ihr in den Sinn kommt. Der erwartete Höhepunkt der Geschichte bleibt hier leider etwas aus, die Auflösung ist kurz und plätschert so dahin.

So lässt mich dieses Buch mit einem verlassenen Eindruck zurück, da auch am Ende der düstere Ton der Erzählung erhalten bleibt, der das ganze Buch durchzieht; Hoffnung auf eine Besserung der Beziehung gibt es nicht. Einen Psychothriller sollte man hier nicht erwarten, eher einen Einblick in die Psyche einer gequälten Frau.


Schwestern der Angst - Lydia Mischkulnig
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
248 Seiten
Verlag: Haymon Verlag; Auflage: 1., Aufl. (29. Juli 2010)
ISBN-10: 3852186420
Preis: 17,90 Euro

Willis Fazit:
 



Vielen Dank an Nicole Oberdanner und den Haymon Verlag für die Bereitsstellung des Rezensionsexemplares! 

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2 Kommentare

  1. Hallo Friedelchen!

    Witzig, ich hab genau dieses Buch auch heute rezensiert...

    Lg, Sabine

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  2. Ich fnnd es auch nicht so schlecht, wie einige andere... Lg

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