Zieht euch warm an, die Winterspiele kommen

11:30

Ein Junge, der als Gladiator um sein Leben kämpfen muss. Ein Mädchen, dessen Stimme das Feuer der Revolution entzünden kann. Und die verzweifelte Hoffnung, das Regime zu stürzen, bevor es zu spät ist...

Helen und Milena leben in einem strengen Mädcheninternat, welches sie nur alle paar Monate verlassen dürfen, um ihre Trösterinnen, Frauen aus dem umliegenden Dorf, zu besuchen. Um die Mädchen an einer Flucht aus dem unliebsamen Internat zu hindern, wird immer ein Mädchen bestimmt, welches in den Kerker gesperrt wird, falls jemand nicht wiederkommt. 
Umso schockierter ist Helen, als Milena nach einem Ausflug zu ihrer Trösterin nicht zurückkehrt. Schon bald erfährt sie von dem Jungen Milos, der wie sie im Internat gefangengehalten wird, die grausame Wahrheit: 

Sie werden absichtlich von der Phalanx in den Internaten festgehalten, weil ihre Eltern Aufständische gegen das Regime waren; und besonders Milenas Mutter und ihre verzaubernde Singstimme spielte dabei eine wichtige Rolle. Helen und Milos beschließen, gemeinsam zu fliehen und Milena zu finden. Doch mit ihrer Flucht beginnt eine blutige Jagd, bei der Milos gefangengenommen wird und von der Phalanx gezwungen wird, an den grausamen Winterspielen teilzunehmen. Um dort zu überleben bleibt Milos nur eine Wahl: selbst zu töten...

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Meine Meinung


Ein brutales Regime, welches zum Vergnügen Gladiatorenkämpfe abhält, und mutige Jugendliche, die den Kampf gegen sie aufnehmen. Was will mein jugenddystopieverliebtes Herz mehr :-)
Eigentlich liefert das Buch alles, was man sich nur wünschen kann: eine sehr mitreißende Handlung, eine spannendes Universum, in der die Bürger unterdrückt werden, eine kleine zarte Liebesgeschichte und viele tolle Charaktere, die einem ans Herz wachsen.

Das enorme Potential der Geschichte hat der Autor meiner Meinung nach aber leider nicht völlig ausgereizt. Was mich beispielsweise gewurmt hat, war, dass man über die Motivation der Phalanx kaum etwas erfährt; dass es einen gewaltsamen Putsch gab, ist klar, aber weshalb die Phalanx überhaupt die Herrschaft an sich reißen konnten und was sie den Bürgern nun genau antun, bleibt unklar. Diese Idee schien mir ein wenig halbherzig ausgearbeitet.

Trotzdem ist die Handlung sehr spannend geschrieben und zu keiner Zeit langweilig. Mourlevat entwirft viele interessante Charaktere, mit denen man sich identifizieren kann, lässt sich allerdings nicht viel Zeit für deren Entwicklung. So richtig übel nehme ich ihm das aber nicht, da so viel in dem Buch passiert, dass man quasi gar nicht dazu kommt, innezuhalten. Allerdings hätte ich mir ab und zu schon etwas mehr Tiefgang gewünscht, was bei dem rasanten Tempo der Erzählung und vielleicht auch, weil es ein Jugendbuch ist, manchmal auf der Strecke blieb.

Loben muss ich aber Mourlevats Schreibstil bzw. die gelungene Übersetzung aus dem Französischen. Durch den kapitelweisen Perspektivenwechsel zwischen Helen, Milos und den anderen Charakteren und die einfache Sprache liest sich das Buch so locker weg, dass ich mich zeitweise erschrocken habe, dass schon wieder 50 Seiten an mir vorbeigeflogen sind :-) Und auch die nicht zu vermeidenden brutalen Szenen sind doch irgendwie so geschrieben, dass man zwar mitleidet, sich aber nicht fürchterlich ekelt. 

Mein Fazit: Wer ein mitreißendes Jugendbuch über den Kampf gegen die Unterdrückung durch ein brutales Regime sucht und über kleine Schwächen hinwegsehen kann, wird mit diesem Buch bestens unterhalten. 


Winterspiele - Jean-Claude Mourlevat 
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: cbt (9. November 2010)
ISBN-10: 3570304558

Preis: 12,99 Euro

Vielen Dank an Frau Göring und den cbt-Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares!

Willis Fazit:





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5 Kommentare

  1. Von dem Buch hab ich noch nie was gehört, aber es klingt irgendwie ziemlich gut. Danke für den Tipp!
    Obwohl es mich mit dem Titel und einem "Mädchen, dessen Stimme das Feuer der Revolution entzünden" doch schwer an die Hunger Games erinnert ;)

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  2. Hallo Friedelchen,

    ich danke dir für die Rezension, da sie mein Interesse an diesem Buch wieder neu enfacht hat, das mich doch schon vor Wochen zu interessieren schien. Schön, es wieder vor Augen zu haben und so gut bewertet zu sehen. :o)

    Liebe Grüße,
    - Marie

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  3. Von der Beschreibung her mag es tatsächlich Ähnlichkeiten mit den Hunger Games haben, aber es ist wirklich ganz anders! Die Winterspiele spielen keine allzu große Rolle, auch wenn der Titel es andeutet; und mit der Stimme, die die Revolution entfachen kann, ist tatsächlich Milenas Singstimme gemeint, die genauso klingt wie die ihrer Mutter :-)

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  4. Ich weiß es passt nicht wirklich hier hin, aber schau doch mal bei mir vorbei ;-) Da wartet was auf dich!
    glg Sabrina

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  5. Hallo! Ich habe dir einen Award verliehen. Den Link findest du hier: http://tinyurl.com/4l9hhdn
    Liebe Grüße Hannah

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