26.07.2011

"Großer", sagte sein Vater und beugte sich zu ihm vor. "Geschichten gehen nicht immer gut aus."

Seit sein Vater mit seiner neuen Frau nach Amerika gezogen ist, lebt der dreizehnjährige Conor allein mit seiner Mutter. Und die ist seit einiger Zeit krank. Sehr krank. Die Therapie, durch die sie schon ihre Haare verloren hat, macht sie müde und zehrt sie aus, so dass er sich meist allein versorgen muss. Aber Conor ist davon überzeugt, dass sie wieder gesund wird, egal wie mitleidig die Blicke seiner Lehrer sind oder wie streng ihn die Großmutter darauf hinweist, dass seine Mutter Ruhe braucht.
Da taucht eines Nachts, sieben Minuten nach Mitternacht, plötzlich ein gewaltiges Monster in seinem Garten auf. Drei Geschichten will es ihm erzählen, bevor Conor selbst mit Erzählen dran ist...

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Ich kann mich nur an wenige Bücher erinnern, die mich so zu Tränen gerührt und mich so mitbangen und hoffen haben lassen wie „Sieben Minuten nach Mitternacht“. Siobhan Dowd hatte die Idee zu diesem Buch, bevor sie im Jahr 2007 ihrem Krebsleiden erlag und es nicht mehr selbst zu Papier bringen konnte. Patrick Ness nahm sich der Idee an und schrieb dieses herzzerreißende, wirklich großartige Buch, welches perfekt durch die düster genialen Illustrationen des Künstlers Jim Kay ergänzt wird.

Conors Mutter hat Krebs, versucht aber, ihren Sohn möglichst zu schützen, indem sie ihm nur das Nötigste erzählt. Und Conor selbst will es auch gar nicht so genau wissen, sondern lieber vergessen, dass seine Mutter krank ist. Sie wird wieder gesund, daran glaubt er ganz fest. Und daher braucht er das Mitleid seiner Freunde und Lehrer auch nicht.

©Jim Kay
So schlimm die Thematik auch ist, das Buch lässt einen nicht von Trauer erfüllt zurück, sondern irgendwie… hoffnungsvoll. Getröstet. Patrick Ness erzählt die Geschichte sehr berührend und gefühlvoll, ohne dabei gekünstelt auf die Tränendrüse zu drücken oder mitleidheischend zu schreiben. Die Trauer und Verzweiflung Conors‘ schleicht sich trotzdem ein und hat mich mit ihm mitleiden lassen, so dass ich mehrmals beim Lesen einen dicken Kloß im Hals hatte.

Natürlich könnte ich noch viel über dieses Buch erzählen, allem voran über das Monster, welches Conor besucht, aber ich will es gar nicht weiter zerreden. Für mich ist es das Must-Read des Jahres über Krankheit und Hoffnung und über einen Jungen, der für sein Alter viel zu viel ertragen muss. Jeder, der schon einmal einem Menschen in schwerer Krankheit beigestanden hat, wird sich in Conor wiederfinden, wird seine quälerischen Gedanken verstehen - und vielleicht auch etwas Trost finden.


Sieben Minuten nach Mitternacht - Patrick Ness
Gebundene Ausgabe: 216 Seiten
Verlag: cbj (29. August 2011)
ISBN-10: 3570153746
Preis: 16,99 Euro

PS: Wer einen Eindruck von den Illustrationen bekommen möchte, den verweise ich weiterhin an die Seite des Künstlers Jim Kay.


Willis Fazit:



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Kommentare:

  1. Sehr schöne Rezension. Kommt sofort auf die Wunschliste. LG, Diti

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  2. Ein Muss des Jahres? Nun, Friedelchen, da ich deiner Meinung vertraue, hast du mich überzeugt. Ich bin gespannt, wie ich es finden werde!

    Liebe Grüße,
    Marie

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  3. Allein vom Inhalt her wäre ich nie darauf gekommen, dass das Buch was für mich wäre, aber du scheinst ja nicht die einzige zu sein, die so begeistert von der Geschichte ist und daher kommt es jetzt auf jeden Fall auf meine Wunschliste.
    Ich bin schon sehr gespannt, da es eigentlich gar nicht mein Thema ist. Mal schauen, ob es mich auch so begeistern kann.

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  4. Hi Jennyfer,
    ich hatte die Chance, das Buch kostenlos zu bekommen und daher dachte ich mir "ach na warum denn nicht". Von der Thematik her ist es eher auch nicht meins, aber das Buch hat mir wirklich begeistert.

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  5. Wisst ihr wie schrecklich gemein ihr seid? Meine Wunschliste füllt und füllt sich, meine SuBs stabeln sich überall. Jawohl ja! :)

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