„Um Menschen zu bleiben, mussten wir essen. Ja. Ganz banal: essen. Nur eben: was? Es war ja nichts Essbares mehr da. Was wir gehabt hatten, war aufgezehrt. Wir waren am Ende. Es war nichts mehr da. Außer den Toten. Unseren Toten. Man durfte es nicht laut sagen. Nicht einmal denken. Wir dachten es trotzdem.“

Das Schicksal der Überlebenden des Fluges 571 hat viele Bücher und sogar einen Film inspiriert. Jürg Amann beschränkt sich in seiner Version der Geschichte auf das Wesentliche. Keine verschnörkelten, mitleidheischenden Beschreibungen. Stattdessen nüchterne Sätze: Wir wollen überleben. Dazu müssen wir essen. Aber es gibt nichts zu essen außer den Toten. Also essen wir eben die. Und doch haben diese knappen Sätze eine so intensive, fesselnde Wirkung, dass man das Buch nicht weglegen kann. Die Protagonisten wirken durch ihre Gedanken, in denen sie mit Gott hadern und über Recht und Unrecht verzweifeln, sehr menschlich und real.
Das Buch hat mich sehr mitgenommen. Eine Geschichte mit so wenig Seiten ist eigentlich schnell ausgelesen, und doch hab ich ziemlich lange dafür gebraucht. Das lag daran, dass ich oft während des Lesens innehalten musste, schlucken musste, mich fragte, welche Entscheidung ich treffen würde.
Amann beleuchtet Fragen der Moral, in einem Umfeld, in dem niemand da ist, um die Betroffenen zur Rechenschaft zu ziehen, in dem es keine Tabus gibt außer den selbst auferlegten. Und Moral kann letztlich ihr Sterben nicht verhindern. Wie weit darf ein Mensch also gehen, um sein eigenes Überleben zu sichern?
Die Reise zum Horizont - Jürg Amann
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
104 Seiten
Verlag: Haymon Verlag
ISBN-10: 3852186404
Preis: 16,90 Euro
Wer mehr über das Unglück wissen möchte:
Vielen Dank an den Haymon Verlag für die Zusendung des Buches!
Willis Fazit:
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Für die erforderliche Zuordnung des Kommentars werden personenbezogene Daten von dir gespeichert, nämlich Name, E-Mail und IP-Adresse. Durch das Absenden des Kommentars erklärst du dich hiermit einverstanden.