Montag, 10. Januar 2011

Ohnmachtspiele - österreichischer Krimigenuss

Gerade erholt sich Kommissar Schäfer von seinem letzten nervenaufreibenden Fall und ist eigentlich noch mehrere Wochen krankgeschrieben, da wird er auch schon zu einem neuen Todesfall hinzugerufen. Im Hafen findet man die Leiche einer jungen Frau, bei der ein Mord nicht ausgeschlossen werden kann. Kurz darauf wird eine weitere Frau tot aufgefunden, die scheinbar in ihrer eigenen Badewanne ertrunken ist.

Kommissar Schäfer ist anfangs verwirrt, findet aber bald schon eine Verbindung zwischen den beiden, die für einen Serienmörder sprechen würde - ausgerechnet im beschaulichen Österreich. Doch seine Kollegen halten seine Theorie für zu abstrus. Bis eine weitere Leiche gefunden wird, die in Schäfers Schema passt...

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Mein Meinung


Ein guter Krimi hängt auch immer stark vom Charisma seines Ermittlers ab. Und mit Johannes Schäfer hat Haderer einen sehr sympathischen Hauptcharakter geschaffen. Er ist kein hartgesottener Bulle, der schon alles gesehen hat und den nichts mehr erschrecken kann, sondern ein ganz normaler Mann mit Problemen, der von seinem letzten Fall aus der Bahn geworfen wurde und seitdem dem Alkohol zu sehr anhängt und überlegt, ob ein Jobwechsel zum Kindergärtner nicht doch das Beste wäre.

Interessant finde ich, wie Haderer in diesem Buch mehrere Schreibstile ausprobiert. Anfangs seitenlange Sätze, die kein Ende nehmen wollen und mich schon zweifeln lassen, ob ich das lange durchhalte. Dann kommt plötzlich ein Kapitel, bei dem nur die wörtliche Rede der verschiedenen Leute aneinandergereiht wird. Um mal mit den Worten der Band 2raumwohnung zu sprechen: "Ich weiß nicht was das soll, aber ich finds gut". Gerade das wörtliche Rede-Kapitel brachte mich sehr zum Schmunzeln. 

Georg Haderers zweiter Schäfer-Krimi braucht sich meiner Meinung nach nicht hinter seinen berühmten skandinavischen Kollegen zu verstecken, denn auch sein Buch hat alles, was ein guter Krimi benötigt: einen interessanten Fall vor der Kulisse Wiens und einen sympathischen, etwas deprimiert daherkommenden Ermittler. Ich war sehr froh darüber, dass man den zweiten Schäfer-Krimi auch ohne Kenntnisse des ersten Bandes lesen konnte und werde mir nun den Vorgänger auf jeden Fall auch noch zulegen.

Einzige Minuspunkte: ich rate bei Krimis gerne mit und spekuliere, wer der Täter sein könnte. Das war hier leider nicht möglich, da man viele Informationen erst ganz kurz vor dem Ende erfährt. Und der Schluss kam mir etwas abrupt und unspektakulär abgehandelt vor. Abgesehen davon ist "Ohnmachtspiele" aber ein gut durchdachter Krimi, bei dem am Ende nicht nur der Ermittler sondern auch der Leser in die Irre geführt wird.



Ohnmachtspiele - Georg Haderer
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Haymon Verlag; Auflage: 1 (16. August 2010)
ISBN-10: 3852186307
Preis: 19,90 Euro

Willis Fazit:





Vielen lieben Dank an Nicole Oberdanner und den Haymon Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!


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