Dustlands: Die Entführung - Spannendes postapokalyptisches Abenteuer

16:11


"Sie werden dich brauchen, Saba. Lugh und Emmi. Und da werden noch andere sein. Viele andere. Gib der Angst nicht nach. Sei stark, ich weiß ja, dass du stark bist. Und gib niemals auf, hörst du? Niemals. Egal was passiert."

Sabas Leben zusammen mit ihren Geschwistern und dem Vater verläuft ruhig und eintönig, irgendwo in einem wüstenartigen Landstrich. Doch eines Tages zerstören vier fremde Reiter die Stille. Sie töten ihren Vater und entführen Lugh, ihren Zwillingsbruder. Saba schwört, ihn zu finden und macht sich auf die gefährliche Reise, quer durch die Wüste und durch Städte, in denen das Chaos regiert. Dort wird sie gefangengenommen und muss als Gladiatorin in der Arena um ihr Leben kämpfen. Doch in dem mysteriösen Jack, der ihr Herz schneller klopfen lässt, scheint sie einen Verbündeten gefunden zu haben. Er will ihr bei der Suche nach Lugh helfen. Saba plant ihre Flucht...


                                                              Meine Meinung                                                             

Es ist ein postapokalyptisches, chaotisches Amerika, in dem Saba lebt. Eine Regierung scheint es nicht mehr zu geben, und technische Errungenschaften wie Autos oder Computer gibt es schon lange nicht mehr; sie gelten als „Abwrackerschrott“. In Sabas wüstenartiger Heimat leben so wenige Menschen, dass jeder Fremde für Aufregung sorgt. Die Städte, die Saba auf ihrer Suche nach Lugh durchquert, sind meist von menschlichem Abschaum bewohnt: Diebe, Sklavenhändler, Mörder. Kontrolliert werden sie von einem wahnsinnigen König, der die Menschen mit der Droge Chaal gefügig macht.
Diese Welt ist faszinierend und abschreckend zugleich. Immer wieder blitzen Erinnerungsstücke der alten Welt durch, beispielsweise wenn Saba durch eine zerstörte Stadt voller Hochhäuser läuft oder von runden Schimmerscheiben redet, die wohl CDs sein sollen.

Saba als Erzählerin macht es einem dabei zu Beginn der Geschichte nicht leicht, sie zu mögen. Wenn es nicht gerade um ihren von ihr vergötterten Lugh geht, interessiert sie sich nicht sonderlich für ihre Mitmenschen. Ihre kleine Schwester ist für sie eher ein nerviger Klotz am Bein und sie verlässt sich lieber auf sich selbst als auf andere Menschen. Natürlich wird Saba im Verlauf der Geschichte nun nicht gerade zum Gutmenschen, aber ihre Mitstreiter, allen voran Jack, können doch nach und nach ihr stures Herz erweichen. Trotz ihrer etwas unleidlichen Art gefiel mir Saba; sie ist keine dieser schönen Hauptprotagonistinnen, die sich im Verlaufe des Buches als herzensgute, heldenhafte Prinzessinnen erweisen. Sie ist stur, störrisch, und manchmal auch verletzend und man möchte sie am liebsten ohrfeigen. Und trotzdem mochte ich sie und ihr Kämpfernaturell.

Die sprachliche Umsetzung der Geschichte fand ich gut gelungen. Saba wächst irgendwo in einer kargen Wüstenlandschaft auf. Die einzigen Menschen, die sie kennt, sind ihre Familie und die zwei Nachbarn, die mehrere Tagesmärsche entfernt wohnen. Von der Welt weiß sie kaum etwas, und lesen und schreiben kann sie auch nicht. Kein Wunder, dass Sabas Sprache recht verroht und einfach ist. Sie passt ideal zu ihr und der rauen Geschichte und hat mir wirklich gut das Bild einer staubigen, chaotischen Welt vermitteln können. Wörtliche Rede wird ohne Kennzeichnung unter den Text gemischt, weshalb man schon genau lesen muss, um mizukriegen, ob gerade wirklich jemand spricht oder es nur Sabas Gedanken sind.

Kurzum, die Geschichte, das Endzeitszenario und die Charaktere haben mir wirklich gut gefallen. Das Einzige, was ich kritisieren könnte, wäre Sabas leichter Charakterwandel, als sie Jack näher kennenlernt. Was sich zu Beginn eher wie eine Survival-Geschichte in einer postapokalyptischen Welt las, drohte ab der Mitte, eher in die romantische Richtung abzudriften. Hier hat man dann doch gemerkt, dass Saba nun mal erst ein siebzehnjähriges Mädchen ist, welches nicht unempfänglich für die Reize eines gutaussehenden Jungen ist. Ihre Gedanken drehen sich öfter um Jack und haben Saba etwas jugendlicher erscheinen lassen. Trotzdem hat die Autorin noch die Kurve gekriegt, denn die Liebesgeschichte war zu keiner Zeit schmalzig oder kitschig. Und die Suche nach Lugh steht immer im Vordergrund.

Mein Fazit: „Dustlands – Die Entführung“ ist der wirklich großartig gelungene Auftakt eines Endzeit-Abenteuers, dessen Nachfolger 2013 erscheint. Ich freue mich sehr auf ein Wiedersehen mit Saba, Jack und all den anderen.

Dustlands - Die Entführung - Moira Young
Gebundene Ausgabe: 449 Seiten
Verlag: Fischer Fjb; Auflage: 2 (15. Dezember 2011)
ISBN-10: 3841421423

Preis: 16,99 Euro


Willis Fazit:



Ich bedanke mich sehr herzlich beim Fischer Verlag und Blogg dein Buch für das Rezensionsexemplar!

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6 Kommentare

  1. Wow - wir habens geschafft, Friedelchen. Endlich einmal gehen unsere Meinungen meilen-meilen-meilen weit auseinander! *lach* Ich kann dir so gar nicht zustimmen. Eine derart dumme, unleidliche Protagonistin habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Sprachlich misslungen, ist diese Geschichte für mich nett zu lesen gewesen, mit guten Ideen und einem packenden Ende. Viel mehr "dahinter" war allerdings nicht, die Charaktere - auch Jack - zu oberflächlich und die Sache mit den Kämpfen: lächerlich! Wie sollte dieser kleine Wildkatze nur so kämpfen gelernt haben. Nun ja, ich merk schon, ich rede mich warm und das sollte ich nicht. Jedem sein Geschmack. "Dustlands" hat letzendlich nicht nur die gut gefallen. Meine Meinung bleibt: kann man lesen, muss man aber nicht.

    Dir liebe Grüße! :)
    - Marie

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  2. Hehe, ich hatte schon fast mit so einem Kommentar gerechnet :-)
    Nun ja, solche Endzeit-Geschichten sind nun mal voll mein Ding und am Anfang mochte ich Saba ja auch nicht.
    Du hast recht, ihre Kampffähigkeiten sind wirklich etwas übertrieben, aber wer weiß, was sie die ersten achtzehn Jahre ihres Lebens so getrieben hat :-)
    Also, jedem das Seine :-) Muss mal stöbern, ob es ein Buch gibt, das du rezensiert hast und ich so gar nicht leiden kann...

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  3. Hi Friederike,

    ich liebäugel auch schon die ganze Zeit mit dem Buch, nach Deiner REzi jetzt umso mehr. Wenn ich dann allerdings Maries Meinung oben wieder lese ... grrr, dann eher wieder nicht. Naja, mein SuB ist eh meilenhoch, ich warte einfach mal noch ein wenig ab.Vermute aber mal, dass es doch noch auf die WL wandert ;)

    Lass Dir liebe Grüße da,
    Isabel

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  4. Hach, Deine Rezi ist auch toll - schön zu lesen! (Wie immer eigentlich :D).

    Schade, dass erst 2013 die Fortsetzung folgt... Oder halt dann im Original irgendwann in 2012 - hm mal sehen :)

    Und jaaa, ich geb Dir recht: Eine wirkliche Dystopie ist das nicht. Aber irgendwie hab ich dieses Wort doch des öfteren im Zusammenhang mit dem Buch gefunden. Deshalb hab ich es dann Dystopien-Endzeit-Mix genannt xD

    GLG
    Monika

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  5. Hallo Friedelchen,

    sogar nicht leiden trifft hier nicht ganz zu. "Dustlands" hat seine Stärken, dass diese dir gefallen, verstehe ich gut. Ich mochte manche Details auch recht leiden. Trotzdem bleiben da viele, viele Schattenseiten, wie ich finde. Aber das mit dem Kämpfen - entschuldige, aber das Mädel ist mit ihrem Bruder aufgewachsen, mit ihrer Familie - die hat nix "getrieben" in der Hinsicht. Wenn Frau Young geschrieben hätte, sie und ihr Bruder hätten sich gerne und leidenschaftlich geprügelt - aus Spaß an der Freude - hätte ich mit der Stirn gerunzelt und das für mich von der Liste der groben Stolperer gestrichen. Weißt du, ich "schnellmalaufPanem" reiten kann ich nicht austehen. Auf super jung zu tun mit diesem Stil auch nicht - man kann junge Leser auch mit ganzen Wörtern beeindrucken *lach* - und ... ach ich hier schon auf. Nimms mir nicht übel. Bin gespannt, was du findest. Sicher gibt es diese Unleidlichkeit gegenüber einem Buch auch umgekehrt. :)

    Liebe Grüße dalässt!
    - Marie

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  6. Ich mag das Buch total! Mindestens zwei Bücherwürmer mehr, und es ist mir egal, das beigentlich gar nicht so viele gibt!

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