Dark Palace: Zehn Jahre musst du opfern - Fesselnder Auftakt rund um Sklaven und Herrscher

Findet ihr Dystopien und alternative Zukunftswelten auch so spannend wie ich? Dann habe ich mal wieder eine Buchempfehlung für euch: "Dark Palace: Zehn Jahre musst du opfern" von Vic James. Erfahrt in meiner Rezension, ob es sich hier um eine "typische" Jugenddystopie handelt oder das Buch doch mehr bietet:


Also das verstand man unter ›Geschick‹, dachte Luke, als er wieder einen klaren Gedanken fassen konnte. Ein so unerträglicher Schmerz, dass man sich wünschte, man wäre tot.
Wie sollte man dagegen ankämpfen? Wie konnte man Menschen besiegen, die dazu fähig waren? Nicht Menschen – Monster. Es spielte keine Rolle, dass es nur wenige von ihnen gab: Diese Wenigen genügten völlig.

Seit vor Jahrhunderten der erste Adelige mit magischen Fähigkeiten die Regierung an sich gerissen hat, müssen alle, die nicht dem magischen Adel angehören, zehn Jahre ihres Lebens als Sklaven arbeiten. Für den sechzehnjährigen Luke bricht eine Welt zusammen, als er erfährt, dass er nach Ende der Sommerferien seine Sklavenzeit antreten muss. Doch wenigstens wird er sie zusammen mit seiner Familie durchstehen können, denn sie sind gemeinsam zum Dienst im Adelshaus Jardine eingeteilt worden. Doch dann kommt alles anders: Luke wird von seiner Familie getrennt und kommt in die Sklavenstadt Millmoor, in der die schwerste körperliche Arbeit auf ihn wartet und die nur die wenigsten unversehrt überstehen... 

Ich muss gestehen, manchmal lasse ich mich vom Cover schon täuschen. Obwohl mich die Inhaltsbeschreibung hier gleich angesprochen hat, habe ich doch eher eine durchschnittliche Jugendgeschichte erwartet - und wurde unglaublich positiv überrascht! Denn was nach typischer Jugenddystopie klingt, war doch weitaus vielschichtiger, ausgereifter und auch brutaler als gedacht und lässt nicht erahnen, dass es sich hier um ein Debüt handelt, welches die Autorin ursprünglich im Alleingang bei Wattpad veröffentlicht hat.

Es beginnt sofort spannend, denn wir werden in eine Welt hineingeworfen, in der sogenannte Ebenbürtige über "Geschick" verfügen - magische Kräfte, die es ihnen ermöglichen, ihre Umwelt zu manipulieren, den Geist anderer Menschen zu kontrollieren oder Gebäude aus dem Nichts entstehen zu lassen. Sie bilden die Adelsklasse Englands, die über die Bevölkerung herrscht und sind als einzige von der Pflicht der Sklavenzeit ausgenommen, die jeder Bürger Englands in seinem Leben ableisten muss. Die meisten Bürger haben sich damit abgefunden, dass die 10 Jahre Sklavenzeit, in denen sie de facto entrechtet sind, eben zum Leben dazugehören, doch einige wenige wehren sich dagegen. So kommt Luke in Millmoor ziemlich schnell in Kontakt mit einer Widerstandsbewegung, die für ein besseres Leben innerhalb der Sklavenstadt kämpft und schleichend das Feuer der Rebellion schürt.

Seine Schwester Abi lebt währenddessen mit dem Rest ihrer Familie auf Kynestone, wo sie der adeligen Familie Jardine dienen muss. Zwar herrscht dort Luxus, doch den können die dort arbeitenden Sklaven nicht genießen, denn sie sind der Willkür und den Wutanfällen der Adeligen ausgesetzt. Trost und Verständnis findet Abi ausgerechnet bei einem der drei Jardine-Söhne, in den sie sich nach und nach verliebt... Durch die ständigen Perspektivwechsel zwischen Abi und Luke erleben wir, was parallel auf Kynestone als auch in der Sklavenarbeiterstadt Millmoor passiert und lernen so einerseits die Sichtweise und Lebensumstände des Adels kennen, sehen aber auch, wie es dem Volk in dieser Realität ergeht. In beiden begegnet uns beim Lesen viel Brutalität und Machtausübung, sowohl im Arbeitslager als auch in den Adelshäusern, in denen die Unterdrückung zwar mit weniger roher Gewalt, aber nicht minder perfide und zerstörerisch stattfindet.    

Das Buch hat mich emotional sehr mitreißen können. Nicht nur diese Selbstverständlichkeit der Herrschenden, dass die Sklavenzeit doch gut und richtig ist und man mit diesen Menschen ja machen kann, was man will, hat mich enorm wütend gemacht. Auch der leise Widerstand, der sich langsam gegen das System regt, hat mich mitfiebern lassen und an die Seiten gefesselt.

Quasi jeder hier hat eigene verdeckte Pläne und Motive und so hatte das Buch etwas von einem fesselnden Schachspiel, bei dem die einzelnen Figuren ihre Züge machen, ohne dass man das große Ganze und den dahinterliegenden Plan erahnen kann. So verschwimmt auch die zu Beginn so klar scheinende Rolleneinteilung in Schwarz und Weiß im Laufe der Geschichte immer mehr. Die Vielschichtigkeit der Charaktere hat mir gefallen, auch wenn einige davon natürlich klischeehafte Züge aufweisen. Aber das hat mich überhaupt nicht gestört, denn die spannende Handlung, die Intrigen und Wendungen konnten mich sehr an die Seite fesseln. Besonders die Entwicklungen zum Ende hin haben das Suchtpotenzial echt noch gesteigert und lassen mich nun sehnsüchtig auf Band 2 warten, der glücklicherweise im April erscheint.


Kommentare:

  1. Hey du,
    ich fand den Auftakt auch toll und freue mich schon sehr auf die Fortsetzung:-)
    Liebe Grüße, Petra

    AntwortenLöschen
  2. Guten Morgen,
    bei Dark Palace schwanke ich schon länger, ob ich es lesen will oder nicht. Die Meinungen gehen zu dem Buch ja doch sehr auseinander. Bei dir weiß ich aber, dass du einen ähnlichen Geschmack hast, wie ich, von daher macht mir deine Rezension wieder richtig Lust, mir ds Buch doch kurzfristig zu kaufen.
    Danke dafür!
    LG
    Yvonne
    #itnetzwerk

    AntwortenLöschen
  3. Guten Morgen,
    das Buch klingt echt gut. Ich werde mir das auf jeden Fall mal genauer anschauen. :) Danke schön fürs Zeigen!

    Hab einen tollen Tag.

    Ganz lieben Gruß
    Steffi

    #itnetzwerk

    AntwortenLöschen
  4. Hallöchen,
    irgendwie hast du mich ja echt neugierig gemacht! Momentan ist mir nicht so nach Jugendbuch, aber ich setze es auf jeden Fall auf meine Wunschliste, falls sich das demnächst ändert.
    Danke für den Buchtipp!
    Liebste Grüße, Kate

    AntwortenLöschen

Für die erforderliche Zuordnung des Kommentars werden personenbezogene Daten von dir gespeichert, nämlich Name, E-Mail und IP-Adresse. Durch das Absenden des Kommentars erklärst du dich hiermit einverstanden.

Instagram