So sieht es also aus, wenn ein Glühwürmchen stirbt - Realistische Herzschmerz-Geschichte statt romantische Klischees

Mögt ihr Liebesgeschichten, die nicht die üblichen Klischees bedienen? Dann habe ich in meiner heutigen Rezension eine passende Buchempfehlung für euch: "So sieht es also aus wenn ein Glühwürmchen stirbt" von Maike Voß. Hier wird uns eine realistische, traurig schöne Liebesgeschichte geboten, die nicht nur mit dem poetischen Buchtitel überzeugt:



Ich fahre los, obwohl ich nicht fahren sollte, und sehe im Rückspiegel, wie Finn auf die Straße tritt und mir den Vogel zeigt. Soll er doch denke, ich hätte sie nicht mehr alle, dem ist ja auch so. Ich bin verrückt, verrückt nach ihr, und wie es bei jedem ist, der seine Droge nicht bekommt, so habe auch ich die schlimmsten Entzugserscheinungen, angefangen bei psychischen Qualen bis hin zum körperlich spürbaren Schmerz. (S. 155)


Viola und Leon - schon ewig sind die beiden befreundet, doch nach einer gemeinsamen Nacht ändert sich plötzlich alles. Denn obwohl beide scheinbar perfekt zueinander passen, geht Viola auf Abstand. Zu oft schon hat sie sich in der Vergangenheit die Finger verbrannt. Doch Leon beschließt, Viola nicht so einfach aufzugeben...

In Büchern, Filmen und Serien begegnen uns meist überlebensgroße, perfekte Liebesgeschichten, die sich in unser Gedächtnis einprägen und ja, unser Bild von der Realität der Liebe auch ein ganzes Stück weit verzerren und unrealistische Erwartungen wecken. Denn nicht immer (oder eher in den seltensten Fällen?) läuft eine Liebesgeschichte so hollywoodreif ab, wie uns die Medien vermitteln wollen. Wie erfrischend ist da die realistisch gehaltene Geschichte von Maike Voß, die mich nicht nur mit ihrem traurig schönen Titel überzeugen konnte.

Dabei klingt die Geschichte von Leon und Viola anfangs schon nach dem idealen Material für eine große, romantische Liebesgeschichte. Beide sind schon lange Freunde und bei ihm fühlt sich die schüchterne Viola so sicher und geborgen wie bei niemandem sonst. Für Leon ist es insgeheim schon lange mehr als Freundschaft und nach einem romantischen Moment auf einer Brücke traut er sich endlich, Viola seine Gefühle zu gestehen. Was nun nach einem zauberhaften Beginn klingt, ist in "So sieht es also aus wenn ein Glühwürmchen stirbt" allerdings der Auftakt zu einer turbulenten, von Missverständnissen, Herzschmerz und Sehnsucht geprägten Geschichte, die mich sehr überraschen konnte.

Viola befällt nach der gemeinsamen Nacht die Panik, dadurch ihre Beziehung zu Leon zerstört zu haben. Denn zu oft ist sie schon auf Typen hereingefallen, und Leon kann doch nicht so viel anders sein, oder? Für Leon dagegen ist es die wahre Liebe und er will Viola nicht so einfach aufgeben und herauskriegen, warum sie ihn auf Abstand hält. 

Viel mehr als als Paar lernen wir die beiden hier als einzelne Charaktere kennen und tauchen tief in ihre Vergangenheit und ihre Denkweise ein und verstehen so, warum sie so handeln, wie sie es eben tun. Beide haben ihr eigenes schweres Päckchen zu tragen, welches ihre Beziehung belastet. Das Tragische: beide könnten einander den Halt und die Liebe geben, die sie so schmerzlich vermissen, und doch finden sie nicht so wirklich zueinander und es stellen sich immer wieder neue Missverständnisse oder Ereignisse in ihren Weg. Die Unsicherheiten, die beide bewegen, konnte ich ihnen wirklich nachempfinden und habe daher sehr mit ihnen mitgelitten und ihnen so sehr ihr Happy End gewünscht. Ob sie das auch bekommen, werde ich euch natürlich nicht verraten, aber ich kann euch sagen, dass Maike Voß hier ein mutiges, passendes und ehrliches Ende geschrieben hat, welches die Geschichte lange nachklingen lässt.

So erzählt dieses Buch eine traurig schöne, aber auch sehr ehrliche und unperfekte Liebesgeschichte, die sich gerade durch dieses Unperfekte so realistisch und mitreißend angefühlt hat. Von mir gibt es eine dicke Leseempfehlung!

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