Sechs Leben - Spaß oder Verantwortung, worum geht es im Leben

Mögt ihr Geschichten, in denen es um das Thema Unsterblichkeit geht? Dann schaut euch unbedingt einmal "Sechs Leben" von Véronique Petit an, ein Jugendbuch, in dem wenige Menschen mehr als nur ein Leben haben:

Gebundene Ausgabe | 256 Seiten | Verlag Mixtvision | Übersetzung: Anne-Kathrin Häfner | ab 12 Jahren

»Seine Bonusleben in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen, das ist aus meiner Sicht die Pflicht jedes Multis«, schließt sie. 
Heilige Honorine! Die erzeugt ja noch mehr Schuldgefühle als meine Mutter! Wenn man seine ganzen Bonusleben zur Rettung anderer Leben einsetzen soll, dann ist es ja kein Geschenk mehr, mehrere Leben zu haben. Nur eine Verantwortung. (S. 82)

 

Wie jedes Kind erfährt auch Gabriel im Alter von fünfzehn Jahren, wie viele Leben ihm zur Verfügung stehen. Und kann sein Glück kaum fassen - sechs Leben, eine absolute Seltenheit! Zunächt ist Gabriel euphorisch: Endlich ist er etwas Besonderes, nicht mehr der blasse unauffällige Gabriel, den die meisten in der Schule einfach ignorieren. Nein, als Sechser ist er quasi so etwas wie ein Superheld, nahezu unsterblich! Doch Gabriel muss bald schon die Schattenseiten seiner Bonusleben erleben. Denn seine übervorsichtige Mutter lässt ihn trotzdem weiterhin keine Risiken eingehen und verbietet ihm den langersehnten Fallschirmsprung. Und seine Mitschüler:innen scheinen es für selbstverständlich zu halten, dass Gabriel seine Extraleben für sie opfert...

Ich liebe Geschichten, in denen es um das Thema Unsterblichkeit bzw. darum geht, mehrere Leben zu haben. Besonders die daraus resultierenden Konflikte und moralischen Fragen können mich dabei immer an die Seiten fesseln. So war es auch im Fall von Sechs Leben von Véronique Petit, ein spannendes Jugendbuch, welches ich richtig verschlungen habe und mich nachdenklich zurückgelassen hat.

Sechs Leben! Gabriel kann sein Glück kaum fassen, als er erfährt, dass er zu den Multis gehört, Menschen mit mehr als nur einem Leben. Endlich kann er all die gefährlichen Dinge erleben, die er sich sonst wohl nie getraut hätte. Und so erfüllt er sich gleich als erstes seinen größten Traum: Heimlich unternimmt er einen Fallschirmsprung - und verliert sein erstes Leben. Kurz darauf ist auch das zweite Leben dahin, und das dritte...

Ausgerechnet ein Spiderman-Zitat kam mir bei Gabriels Situation in den Sinn: "Aus großer Kraft folgt große Verantwortung". Ist es Gabriels Pflicht, seine Bonusleben zum Wohle aller einzusetzen? Ist man es der Gesellschaft schuldig, sich selbst für andere zu opfern, wenn man so viele Leben hat? Davon scheinen viele von Gabriels Mitschüler:innen auszugehen, die es für gar nichts besonderes halten, als er eines seiner Leben verliert, um einen jüngeren Mitschüler vor einem tödlichen Unfall zu retten. Gerade diese Frage fand ich unheimlich interessant und auch Gabriel hat sie sehr zum Nachdenken gebracht, je öfter er mit dem Tod konfrontiert wird. Wofür sollte er seine Bonusleben einsetzen? Abenteuer erleben? Risiken eingehen? Sich für andere einsetzen? 

Gabriel fand ich sehr nahbar. Mit gerade einmal fünfzehn Jahren zu erfahren, dass man quasi unsterblich ist und einem Unfälle oder Krankheiten nichts anhaben können, und dann von ihm zu erwarten, dass er sich seine Bonusleben sorgfältig aufspart, ist einfach absurd. Denn natürlich ist er mit fünfzehn Jahren kein verantwortungsvoller Jugendlicher, der das Wohl anderer in den Vordergrund stellt. Nein, er will Spaß haben! Seine Euphorie über die vielen Leben, die ihm zur Verfügung stehen und die daraufhin folgende "Mir kann keiner was!"-Einstellung fand ich vollkommen nachvollziehbar. Und trotzdem macht Gabriel im Verlauf der Geschichte einen Wandel durch, der mich sehr mit ihm hat mitfühlen lassen.  

Spannend fand ich auch die Grundfrage, die in der ganzen Geschichte mitklingt: Braucht es wirklich mehrere Leben, um sich etwas zu trauen? Darüber herrscht auch in Gabriels Gesellschaft keine Einigkeit, denn nicht alle Multis leben risikoreich und stürzen sich in jede Gefahr, sondern horten ihre Bonusleben regelrecht, einfach für den Notfall. Wogegen es natürlich aber auch unzählige Monos, also Menschen mit nur einem Leben gibt, die trotzdem kein Risiko scheuen, sondern ihr eines Leben voll auskosten wollen.

Véronique Petit erzählt die Geschichte kurz und prägnant, die einzelnen Kapitel sind knapp gehalten und dadurch so schnell verschlungen, dass man das Buch quasi gar nicht weglegen kann. Wenn ihr also nach einem Buch mit Sogwirkung sucht, welches einen zum Nachdenken über den Sinn des Lebens anregt, dann empfehle ich euch Sechs Leben sehr gerne weiter.

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