Spiel der Liebe: Die Schatten von Valoria - Happy End oder große Tragödie?

In meiner heutigen Rezension möchte ich euch einen Trilogieabschluss vorstellen, der mir alles geboten hat, was ich mir von ihm erhofft habe. Die Rede ist von "Spiel der Liebe: Die Schatten von Valoria" von Marie Rutkoski. 

Gebundene Ausgabe | 512 Seiten | Carlsen Verlag | Übersetzung: Barbara Imgrund | Hier kaufen


Achtung, enthält Spoiler für Band 1 und 2 der Schatten von Valoria-Trilogie!

"Es hieß er oder du", sagte er leise. "Du musstest deine Wahl treffen." Ihr Blick fiel auf das nasse Gras zu ihren Füßen, auf den frischen Verband. Sie dachte an ihre Vergangenheit. Ihr ganzes Leben. "Ich will eine bessere Wahl haben."
"Dann müssen wir eine Welt erschaffen, in der es sie gibt." (S. 318)

Nachdem ausgerechnet ihr Vater sie an den Imperator verraten hat, wird Kestrel als Gefangene in das weit im Norden gelegenen Arbeitslager gebracht, ohne jegliche Hoffnung, jemals wieder freizukommen - oder Arin wiederzusehen, für den sie ihr eigenes Land verraten hat. Arin dagegen mobilisiert gemeinsam mit seinen neuen Verbündeten aus dem Osten die Truppen, um den drohenden Angriff der Valorianer abzuwehren. Doch während er sich noch einzureden versucht, dass seine Gefühle für Kestrel die ganze Zeit nur eine Illusion waren, kann er sie nicht vergessen. Aber für Gefühle bleibt keine Zeit, denn der nahende Krieg droht, beider Leben für immer zu zerstören...  

Wer Teil 2 gelesen hat weiß, dass dieser unglaublich dramatisch geendet hat: Arin gesteht Kestrel seine Liebe, sie jedoch bricht ihm das Herz und wird wenig später des Verrates an ihrem Land überführt und von ihrem eigenen Vater verstoßen, während Arin tief verletzt nach Herran zurückkehrt und sich auf den drohenden Angriff Valorias vorbereitet. Boah, was hat mir Marie Rutkoski damit das Herz gebrochen!  Der Cliffhanger war kaum auszuhalten und hat mich schockiert und sehnsüchtig auf den abschließenden dritten Band warten lassen. Nun war es endlich so weit und ich habe mich voller Hoffen und Bangen auf Spiel der Liebe gestürzt. Glücklicherweise hat die Autorin meine Erwartungen voll erfüllt und der Abschluss mir alles geboten, was ich mir von ihm erhofft hatte.

Nachdem Arin dank der ihm unbekannten Spionin "Die Motte" – niemand anderes als Kestrel – erfahren hat, dass Valoria die Einwohner Herrans langsam und unmerklich vergiftet, um das Land erneut an sich reißen zu können, bereitet er sich mit seinen neuen Verbündeten auf die bevorstehende Invasion vor. Und versucht gleichzeitig, Kestrel zu vergessen und sich nicht länger von seinen Gefühlen für die Feindin ablenken zu lassen. Bis er erfährt, dass die Motte in Gefangenschaft geraten ist und in ihm der Verdacht keimt, dass doch Kestrel dahinterstecken könnte...

Keine Frage, wir nähern uns dem Showdown, dem vollen Ausbrechen des Konflikts, der sich seit dem ersten Band immer weiter gesteigert hat. So verbreitet Spiel der Liebe durchweg eine angespannte, ungewisse Stimmung, in der ich selbst auch voller Bangen vor den Seiten saß und die Entwicklungen atemlos verfolgt habe. Wird Herran seine Unabhängigkeit behalten können? Wird es gelingen, den grausamen Imperator aufzuhalten? Und fast noch wichtiger als alles andere: wird es ein Happy End für Arin und Kestrel geben, die in den beiden bisherigen Bänden so viel Herzschmerz durchleiden mussten? Keine Sorge, das verrate ich euch natürlich nicht ;-)

Beide entwickeln sich auch hier noch einmal charakterlich weiter. Arin hat seine Rolle als Günstling des Gottes des Krieges akzeptiert und wird, da er jede noch so aussichtslose Schlacht lebend übersteht, zur Legende unter seinem Volk. Kestrel dagegen gerät in eine Identitätskrise: sie hat ihr eigenes Land verraten, um Herran und vor allem Arin zu schützen und weiß nun nicht mehr, wo sie eigentlich steht und wie sie damit klarkommen soll, das Leben vieler Menschen auf  dem Gewissen zu haben. Die inneren Konflikte der beiden konnte ich wirklich nachvollziehen und war gespannt, wie die Autorin diese lösen würde. 

Neben Arin und Kestrel gibt es im dritten Band aber noch einen heimlichen Helden, der beiden fast die Show stiehlt, und das ist für mich der Ostländer-Prinz Roshar, der schon in Teil 2 zu Arins Begleiter geworden ist und sich hier als wahrer Freund erweist, der mit seiner selbstverliebten, flapsigen Art die ansonsten oftmals angespannte, dramatische Stimmung auflöst.

Auch wenn der Titel "Spiel der Liebe" kitschig klingt, war es die Handlung keineswegs, denn statt Liebeskitsch bekommen wir hier hauptsächlich Schlachten, Blut und Militärstrategie geboten. Die gesamte Trilogie bot uns Lesern ja ein Ränkespiel um Macht und Verrat, und natürlich geht es auch in Band 3 erneut politisch zu, denn die Zukunft Herrans ist ungewiss, selbst wenn Valoria besiegt wird, da Herran keinen Anführer hat. Und die Königin des östlichen Reiches, mit der sich Arin verbündet hat, unterstützt Arins Kampf natürlich auch nicht ohne gewisse Hintergedanken und Ansprüche. 

Aber doch: Trotz aller Politik und Schlachten las sich auch der dritte Teil wieder sehr romantisch und sehnsüchtig, denn auch hier setzen sich die Missverständnisse zwischen Kestrel und Arin fort, welche sie unsicher im Umgang miteinander machen und dafür sorgen, dass beide ihre Gefühle für sich behalten. Ich habe sooo mit ihnen mitgelitten und gehofft, dass sie endlich die Augen aufmachen und zulassen, was sich beide (und ich als Leserin!) doch schon seit Teil 1 wünschen. Hach!

Mein Fazit: Ingesamt ist Spiel der Liebe für mich ein rundherum gelungener Abschluss einer fesselnden Trilogie, in dem vor allem das Thema Vergebung im Vordergrund steht - Vergebung für die Sünden, die beide begangen haben und für die verpassten Gelegenheiten. Alle Fäden werden aufgenommen, alle offenen Fragen beantwortet und die Geschichte zu einem konsequenten, logischen Ende geführt. So konnte ich das Buch mit einem sehr zufriedenen Gefühl zuklappen. Trotzdem wird Kestrels und Arins Geschichte noch lange in mir nachklingen. Von mir gibt es eine begeisterte Leseempfehlung für die gesamte Trilogie!


  

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