Charlotte und Ben: Ein Freund kann alles verändern - Wundervolle Coming-of-Age Geschichte

In meiner heutigen Rezension möchte ich euch ein ganz wunderbares Jugendbuch ans Herz legen, "Charlotte & Ben: Ein Freund kann alles verändern" von Erin Entrada Kelly. Erfahrt hier, was mich so überzeugen konnte:


"Forscher der Ohio State University haben herausgefunden, dass oft schon ein einziger Mensch das Leben eines anderen entscheidend verändern kann, indem er ihm den Ansporn gibt, den der andere braucht." (S. 175)

Charlotte und Ben haben sich noch nie getroffen, doch trotzdem haben sie viel gemeinsam: sie beide sind hochbegabt, in der Schule nicht sonderlich beliebt und beide haben Sorgen um ihre Eltern. Und außerdem spielen beide leidenschaftlich gern Online-Scrabble, worüber sie einander als Ranglistenbeste auch kennengelernt haben. Als beider Leben aus der Bahn gerät, sind sie füreinander da und merken, dass ein Freund tatsächlich alles verändern kann...

Was für ein schönes Buch! Erin Entrada Kelly hat eine ganz wunderbare, ehrliche und herzerwärmende Coming-of-Age Geschichte geschrieben, über zwei junge Teenager, die einfach anders sind als alle anderen um sie herum. Zwar sind meine eigenen Teeniejahre schon eine ganze Weile her, aber an der Seite von Charlotte und Ben konnte ich erneut miterleben, wie turbulent und schmerzhaft das Erwachsenwerden sein kann und wie wichtig es ist, dabei zu sich selbst zu stehen.    

Charlotte und Ben wohnen in unterschiedlichen Ecken der USA, und doch verbindet sie vieles: beide sind Asse im Scrabble, beide sind um einiges klüger als ihre Mitschüler und interessieren sich für eher ungewöhnliche Dinge wie Gesteinsschichten oder amerikanische Präsidenten, und beide sind elf Jahre alt - ein Alter, in dem auf der Middle School alle möglichst so sein wollen wie alle anderen. Nur fällt gerade das den beiden schwer.

Bisher hat Charlotte das nicht groß gestört, denn ihre Freundin Bridget stand stets zu ihr. Doch nun interessiert diese sich plötzlich für Dinge, mit denen Charlotte so gar nichts anfangen kann. Und dazu kommt noch die Sorge um ihren Vater, der nach einem Herzinfarkt im Krankenhaus liegt und Charlotte weiß nicht, wie sie mit dieser Situation umgehen soll: 
"Stattdessen dachte sie an einen Besuch in ihrem Kaninchenbau, bei dem sie zu ersten Mal von "stillen Erdbeben" gehört hatte. Wissenschaftler sprechen von "slow slips" oder "episodischen Beben". Man kann sie nicht fühlen. Dabei fällt kein Geschirr zu Boden und zerbricht scheppernd. So ähnlich fühlte sie selbst sich auch gerade: so als öffnete sich lautlos die Erde unter ihr." (S. 75)
Auch Bens Leben gerät plötzlich in Schieflage. Seine Eltern wollen sich scheiden lassen, ein Entschluss, den Ben überhaupt nicht hat kommen sehen und der ihn total aus der Bahn wirft. Spontan entscheidet er sich, bei der Wahl zum Schülerparlament anzutreten, denn wenn seine Eltern schon einen Schritt in Richtung Rückentwicklung vom Paar zum Single machen, will wenigstens er sich weiterenwickeln - quasi seine persönliche Evolution. Doch dabei muss Ben schnell feststellen, dass es nicht einmal jemanden gibt, dem er von seinem Entschluss erzählen kann. Wem kann er sich überhaupt anvertrauen? Wem kann er erzählen, was ihn bewegt oder wenn ihm etwas aufregendes passiert? Oder wenn er im Lotto gewinnt? So wendet er sich spontan an seine Online-Bekanntschaft Charlotte und findet in ihr eine Gleichgesinnte.

Sowohl Ben als auch Charlotte sind beide hochbegabt und wandelnde Lexika, was aber nicht bedeutet, dass sie es dadurch leichter in der Schule haben, denn trotz aller Klugheit finden sie für ihre Probleme keine Lösungen. Im Gegenteil: für die anderen Schüler sind Ben und Charlotte irgendwie merkwürdig, und so müssen die beiden einiges an Gemeinheiten ertragen. Das stille Leiden der Beiden, welches von allen anderen unbemerkt bleibt, hat mich sehr mitgenommen und es hat mir oftmals fast das Herz gebrochen, wie gemein Kinder zueinander sein können und andere ausgrenzen, die anders sind.

Doch auch wenn gerade ziemlich viel schief läuft im Leben der beiden, ist die Geschichte trotzdem nicht bedrückend, sondern im Gegenteil mutmachend und lebensbejahend. Beide lassen sich nicht unterkriegen und stehen zu sich selbst und so habe ich das Buch mit einem positiven Gefühl beendet.

Nicht umsonst ist Erin Entrada Kelly eine preisgekrönte Kinder- und Jugendbuchautorin. In "Charlotte & Ben" beweist sie, dass sie es hervorragend versteht, eine eindringliche und authentische Geschichte über die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens zu erzählen, die zeigt, wie wichtig Freundschaft und Akzeptanz bei diesem Prozess ist. Denn eines macht das Buch ganz klar: wie der Titel es schon verspricht, kann ein Freund tatsächlich alles verändern und einem das nötige Selbstvertrauen schenken, zu sich selbst zu stehen und sich nicht anderen zuliebe zu verstellen. Von mir gibt es dafür eine uneingeschränkte Leseempfehlung!


Kommentare:

  1. Oh, das hört sich wirklich sehr, sehr schön an. Ich mag ja besondere Charaktere und Bücher, in denen es vor allem um Freundschaft (und nicht immer nur um Liebe) geht.

    Das Buch wandert gleich direkt mal auf meine Wunschliste.

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    1. Hi Tine, hier spielt die Liebe tatsächlich mal keine Rolle, die Protagonisten sind noch zu jung und haben auch so genug Probleme :-D

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  2. Hallöchen =)

    wirklich sehr gelungene Rezension! Ich lese das Buch gerade und bin gespannt wie mein Urteil am Ende ausfallen wird.
    Am Anfang ging es mir etwas zu langsam, obwohl das Buch doch nur so dünn ist. Mittlerweile gab es einige Szenen, in denen ich tief durchatmen musste. Beide sind wirklich so intelligent auf ihre Art, aber was soziale Kontakte angeht, da stellen sie sich echt ein bisschen blöd an.

    LG
    Anja

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    1. Hi Anja, na dann bin ich gespannt, ob sich dein Eindruck mit meinem deckt :-)

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  3. Liebe friederike,

    ich freu mich so auf dieses Buch. Das wird als Nächstes gelesen. Ich hoffe, mir gefällt es genauso gut wie dir.
    Danke für die rezi.

    Liebe Grüße
    Tina

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