Fürimmerhaus - Außergewöhnliche Fantasygeschichte, der es jedoch an Tiefgang fehlt

Falls ihr Fantasygeschichten mögt, habe ich einen Buchtipp für euch: Fürimmerhaus von Kai Meyer. Erfahrt hier in meiner Rezension, worum es geht:

Gebundene Ausgabe | 384 Seiten | Fischer Sauerländer Verlag | Altersempfehlung: ab 12 Jahren

Endlose Gänge und unzählige Räume - das ist das Fürimmerhaus, ein Ort zwischen den Welten, in dem ewiges Dämmerlicht herrscht. Hier landen Heldinnen und Helden, nachdem sie ihre Welt gerettet haben und die Herrschenden sie aus dem Weg haben wollen. Genau hier erwacht eines Tages Carter, der sich an nichts als seinen Namen erinnern kann. Woher er kommt und was er getan haben soll, weiß er nicht mehr. Als die anderen Gefangenen ihre Flucht aus dem Fürimmerhaus planen, schließt er sich ihnen an, nichts ahnend, dass er damit alles verändern wird...

Wer nach einzigartiger Phantastik aus Deutschland sucht, ist bei Kai Meyer richtig. Seine Geschichten entführen uns jedes Mal in außergewöhnliche Settings, die ich so noch nie gelesen habe. Auch bei Fürimmerhaus war es genau das, was mich an der Geschichte gelockt hat. Zwar hat es mir hier diesmal insgesamt leider an Tiefgang gefehlt, aber trotzdem konnte mich Kai Meyer wieder einmal faszinieren und ein ungewöhnliches Leseerlebnis bescheren.

Es beginnt damit, dass Carter aus einem Brunnen in einen kalten, leeren Raum gespült wird. Wo er sich befindet oder wie er hier gelandet ist, weiß er nicht; genauso, wie er nichts mehr über sich selbst weiß außer seinen Namen. Doch seine Verwirrung soll noch größer werden, als ihn ein Mädchen empfängt, welches aus nichts als Licht zu bestehen scheint und ihm erklärt, dass er ein Gefangener des Fürimmerhauses ist. Alle, die sich dort befinden, haben einst ihre Welt gerettet. Doch die Helden wollen ihre Gefangenschaft nicht länger hinnehmen und planen ihre Flucht. Und nehmen Carter kurzerhand mit und verwickeln ihn so in einen uralten Kampf zwischen Gut und Böse...

Kai Meyer hat mit dem Fürimmerhaus ein faszinierendes Setting erschaffen, mit einer unendlichen Anzahl an Räumen und fantastischen Einwohnern wie den Famuli, die eine Hand statt eines Kopfes haben, oder die verhüllten Archonten, die Wächter des Fürimmerhauses. Aber auch die Gefangenen des Fürimmerhauses sind ebenso einzigartig wie das Gebäude, welches sie gefangenhält. So trifft Carter neben der leuchtenden Emmeline beispielsweise auf ein Mädchen aus Holz, oder auf Hengis, einen Kaninchenmann. Die anderen empfangen den Neuling mal mehr, mal weniger offen, denn Carters Auftauchen, gerade als sie flüchten wollen, kann einfach kein Zufall sein. Und so muss Carter sich auf ihrer gemeinsamen Reise durch das Haus erst einmal beweisen.

Die Erzählung wechselt immer wieder zwischen Carter und den anderen hin und her. Durch diesen Perspektivwechsel erfahren wir etwas mehr über das Fürimmerhaus, befinden sich die anderen doch schon seit Jahren hier. Betonung allerdings auf "etwas", denn genau hier liegt der Knackpunkt. Was mich an der Geschichte nämlich etwas enttäuscht hat, war, dass sie, was Charaktere und Worldbuilding betrifft, doch eher an der Oberfläche bleibt. Das mag daran liegen, dass die Geschichte rasant voranschreitet, bedingt dadurch, dass Carter zu einem Zeitpunkt im Fürimmerhaus auftaucht, als die anderen gerade ihre Flucht beginnen. Dadurch bleibt kaum Zeit, ihm das Wieso, Weshalb, Warum genauer zu erklären und auch, die anderen Charaktere näher kennenzulernen, die er bei ihrer Flucht begleitet. Schade, denn ich wäre gern noch viel tiefer in die Geschichte der einzelnen Charaktere eingetaucht: aus welcher Welt sie kommen, was sie bisher im Fürimmerhaus erlebt haben und wie sich der Alltag in dem endlos großen Gebäude gestaltet. All das wird nur sehr vage angedeutet. 

So bleibt Fürimmerhaus für mich vorwiegend die actionreiche, packende Geschichte einer Flucht, die zwischendurch immer mal kurz in philosophische Fragen von Gut und Böse eintaucht. Die Handlung schreitet schnell voran, denn eine Atempause können sich Carter und Co. bei ihrer Flucht zum Innersten des Fürimmerhauses kaum leisten, schließlich werden sie von allen möglichen Wesen verfolgt. Und auch ich habe atemlos an den Seiten gehangen und mich von den Wendungen der Geschichte überraschen lassen. Insgesamt also war es eine spannende Geschichte, die mich allerdings nicht so überwältigen konnte, wie ich es gehofft hatte.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Für die erforderliche Zuordnung des Kommentars werden personenbezogene Daten von dir gespeichert, nämlich Name, E-Mail und IP-Adresse. Durch das Absenden des Kommentars erklärst du dich hiermit einverstanden.