Taras Augen - Außergewöhnliche Jugendbuch-Dystopie mit Tiefgang

Heute möchte ich euch ein sehr eindrückliches und außergewöhnliches Jugendbuch empfehlen: Taras Augen von Katharina Bendixen. Erfahrt hier, worum es geht:

Broschierte Ausgabe | 384 Seiten | Mixtvision Verlag | Altersempfehlung: ab 14 Jahre

"Was denken Sie, warum wir unsere Gärten selbst dekontaminieren mussten? Für die Gelbe Zone interessiert sich niemand und durch diese Krankheit wird das noch schlimmer. Vermutlich werden unsere SigPhones demnächst ausgerankt und damit existieren wir nicht mehr. Wir können von Glück reden, wenn um die Gelbe Zone keine Mauer gezogen wird." (S. 140)

Früher waren sie unzertrennlich, bis ein Streit Tara und Alún auseinandergebracht hat. Doch dann stellt ein Chemieunfall in der Factory 11 ihr Leben komplett auf den Kopf und reißt sie noch weiter auseinander. Während Alún und seine Familie sich in die sichere Großstadt flüchten, muss Tara mit ihrer Familie wenige Monate später in das verseuchte Gebiet zurückkehren, weil sie die Notunterkunft nicht weiter bezahlen können. Während Alún seine Sehnsucht nach Tara mit seiner Graffiti-Kunst über die ganze Stadt verteilt, bietet das menschenleere Gebiet Tara und den anderen Rückkehrern ungeahnte Freiheiten fernab der staatlichen Überwachung. Bis die ersten Leute krank werden...

Ich suche ja immer nach kleinen Perlen unter den Jugendbüchern, jenseits der groß gehypten Bücher. Und "Taras Augen" ist so eine Buchperle. Das erste Jugendbuch von Autorin Katharina Bendixen erzählt nämlich nicht nur eine spannende Geschichte vor dem Hintergrund einer Umweltkatastrophe, sondern greift auch hochaktuelle Themen auf, wie Umweltverschmutzung, staatliche Überwachung und Machtmissbrauch. Verpackt hat sie das Ganze zu einer dystopischen Geschichte, die mich von Anfang an gepackt und nicht mehr losgelassen hat.

Tara und Alún leben in einer Welt, in der permanente Überwachung zum Alltag gehört. So werden ihre SigPhones jederzeit getrackt und Watcher-Drohnen sorgen für Ordnung auf den Straßen und melden Regelverstöße sofort. Tara ist das herzlich egal, ihr einziges Interesse gilt dem Schwimmen und der nächsten Medaille. Früher war auch Alún Teil ihres Lebens, bis er mit einer einzigen Aktion alles zerstört und das Zeitalter des Schweigens eingeläutet hat. Und so erfahren auch beide voneinander nicht, wo es sie nach dem Chemieunfall in der Factory 11 hinverschlagen hat...

Katharina Bendixen verknüpft das Schicksal der beiden Teenager auch über die räumliche Distanz hinweg und gibt der Handlung rund um Flucht und Neubeginn so einen Rahmen. Während wir erleben, wie sich Tara und Alún mit ihrer neuen Lebensrealität arrangieren müssen - Alún inmitten des Trubels der hochmodernen, stets lauten Großstadt, Tara in der verlassenen Idylle des Risikogebiets - erfahren wir nach und nach, welche gemeinsame Geschichte sie verbindet und wie es zu ihrer Trennung kam. Aber obwohl Taras und Alúns Liebesgeschichte immer wieder aufgegriffen wird, bietet das Buch doch so viel mehr als eine Liebesgeschichte!  

Es steckt nämlich voller authentischer, spannender Charaktere und Sozialkritik, es geht um die Ausgrenzung von Teilen der Bevölkerung, die als weniger wert empfunden werden, den wuchernden Einfluss von digitalen Errungenschaften und wie diese zur Machtausübung durch den Staat missbraucht werden können. Vieles davon erinnerte mich beim Lesen an ganz aktuelle Entwicklungen und gerade der Umstand, dass einige Elemente der Geschichte tatsächlich auf realen Geschehnissen basieren, hat sie für mich umso eindrücklicher gemacht. So wurden nach dem Atomunfall in Fukushima die verträglichen Grenzwerte in einigen kontaminierten Gebieten verändert, und Geflüchtete mussten in ihre ehemaligen Wohngebiete zurückkehren oder plötzlich Miete für die Notunterkünfte zahlen - genau, wie es auch bei Tara der Fall ist. 

Die Mischung hat "Taras Augen" für mich zu einem wirklich außergewöhnlichen, eindringlichen und nachdenklich stimmenden Jugendbuch gemacht, welches ich euch unbedingt ans Herz legen will!


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