Die Spiegelreisende: Die Verlobten des Winters - Auftakt zu einer süchtigmachenden neuen Fantasywelt

In meiner heutigen Rezension möchte ich euch einen Bestseller aus Frankreich vorstellen, der diesen Status in meinen Augen auch wahrlich verdient: "Die Spiegelreisende: Die Verlobten des Winters" von Christelle Dabos, Band 1 der Spiegelreisenden-Saga. Dieses Buch dürft ihr euch nicht entgehen lassen! Warum? Das erfahrt ihr hier:

Gebundene Ausgabe | 537 Seiten | Insel Verlag | Übersetzung: Amelie Thoma
"Durch Spiegel zu gehen heißt indessen, sich selbst gegenüberzutreten. Es braucht Mumm, weißt du, dir selbst in die Äuglein zu gucken, dich so zu sehen, wie du bist, in dein eigenes Spiegelbild einzutauchen. Diejenigen, die ihr wahres Gesicht verbergen, die sich selbst belügen, sich für besser halten, als sie sind, wären dazu niemals imstande. Daher glaub mir, so was findet man nicht alle Tage!" (S. 87)

Seit die Welt zerbrochen ist, leben die Menschen auf schwebenden Archen. Auf der Arche Anima führt die junge Ophelia als Museumsleiterin und "Leserin" von Gegenständen ein ruhiges Leben, bis sie erfährt, dass sie einen Adligen der eisigen Arche Pol heiraten soll. Ophelia ist alles andere als begeistert von der Vorstellung, auf eine fremde Arche zu ziehen und einen ihr ebenso fremden Mann zu heiraten. Und sie muss schon bald feststellen, dass es nicht nur ihr so geht, denn auch ihr Verlobter Thorn scheint über die Verbindung nicht glücklich zu sein. Erst auf der Arche Pol soll Ophelia feststellen, in welche undurchsichtigen Machenschaften sie durch diese Verlobung wirklich verstrickt wurde...

Was für ein Debüt, was für ein Buchschatz, was für eine außergewöhnliche Geschichte! Christelle Dabos Erstlingswerk hat seinen Bestseller-Status in meinen Augen ganz zurecht verdient und findet hoffentlich auch in Deutschland eine glühende Anhängerschaft, denn ich habe schon lange keine so einfallsreiche und ungewöhnliche Fantasygeschichte mehr gelesen. Für alle erwachsen gewordenen Harry Potter-Fans, die nach etwas ebenso Faszinierendem suchen: hier ist eure Antwort! 

Die Welt, die Christelle Dabos hier erschaffen hat, ist wirklich einzigartig und lässt sich von der Kreativität und dem Einfallsreichtum her durchaus mit dem Harry Potter-Universum vergleichen. Allein schon der Aufbau: um einen letzten Rest Erdkern schweben die Bruchstücke der einstigen Erde frei herum. Auf den größeren Stücken, sogenannten Archen, haben sich Clans gebildet, die  von einem Familiengeist (quasi lebende Gottheiten) geleitet werden und teilweise über magische Kräfte verfügen. So können manche wie Ophelia die Geschichte von Gegenständen enthüllen, andere können mächtige Illusionen erschaffen oder mittels ihrer Gedanken körperliche Verletzungen hervorrufen, wie der Clan ihres Verlobten Thorn. Daneben gibt es noch Sanduhren als Zahlungsmittel, Brillen, deren Gläser sich je nach Stimmungslage des Trägers verfärben und und und...

Über die Handlung will ich euch gar nicht zu viel vorwegnehmen, taucht am besten einfach ganz unvoreingenommen in Ophelias faszinierende Geschichte ein. Nur so viel: unwillig, aber durch ihre Pflicht gebunden, folgt Ophelia ihrem Verlobten zur Arche Pol und wird dort verwickelt in ein Spiel aus Macht, Täuschung und Intrigen. Die Arche Pol erweist sich schnell als Haifischbecken, in dem die junge Museumsleiterin mehr als fehl am Platz wirkt.

Eine Geschichte steht und fällt mit ihren Charakteren, und hier ist Christelle Dabos ein Geniestreich gelungen, denn ich liiiiebe Ophelia! Sie ist ein wunderbarer Charakter, so anders als die üblichen Buchheldinnen. Äußerlich und auch von ihrer Persönlichkeit her wirkt sie mit ihrer geringen Größe, den zerzausten Locken und der dicken Brille eher unscheinbar und wird dank ihrer leisen Stimme und zurückhaltenden Art oft unterschätzt. Doch Ophelia hat eine innere Stärke, mit der niemand rechnet. Und dazu hat sie noch echt coole Fähigkeiten! Sie kann durch Spiegel von einem Ort zum anderen reisen (oder auch nur vorsichtig ihr Ohr zum Lauschen hindurchstecken) und mit ihren Händen in die Vergangenheit von Gegenständen eintauchen und so auch die Geschichten ihrer Besitzer erfahren.

Als ihr Gegenpart fungiert ihr Verlobter Thorn, der nicht gerade glücklich über ihre Verbindung zu sein scheint. Er hat eine abweisende, ruppige Art, ist sehr verschlossen und stets beschäftigt, scheint dazu noch keinerlei Interesse an seiner Verlobten zu haben und überlässt Ophelia lieber der Obhut seiner undurchschaubaren Tante Berenilde. Thorn ist ein mysteriöser, undurchsichtiger Charakter, den näher kennenzulernen ich schon sehr gespannt bin.

"Die Verlobten des Winters" ist der Auftakt zu einer mehrbändigen Reihe, weshalb es etwas dauert, bis die Handlung richtig Fahrt aufnimmt. Christelle Dabos lässt sich Zeit, uns in Ophelias fulminante Welt einzuführen. Und auch beim Kennenlernen der diversen Charaktere habe ich das Gefühl, dass wir gerade einmal an deren Oberfläche gekratzt haben, denn sie sind - von den kleinsten Nebencharakteren bis zum Hauptprotagonisten - unheimlich vielschichtig und interessant gestaltet. Glücklicherweise wird die Geschichte bereits im Juli fortgesetzt, denn auch wenn die Handlung anfangs etwas bedächtig abläuft, überschlagen sich am Ende die Ereignisse und ich MUSS wissen, wie es weitergeht!   

Mein Fazit: Ich bin begeistert und überwältigt von dieser faszinierenden Fantasygeschichte! Hier sprüht der Einfallsreichtum von jeder Seite und mit Ophelia hat Christelle Dabos eine einzigartige, unvergessliche Protagonistin erschaffen. Ich werde auf jeden Fall sobald wie möglich wieder in die Welt der Spiegelreisenden eintauchen, um weiter die Geheimnisse des Pols und seiner Einwohner zu ergründen. Folgt mir auf diese Reise, ich verspreche euch, es lohnt sich! 



Reihenfolgeinfo:
1. Die Verlobten des Winters - März 2019
2. Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast - Juli 2019
3. Das Gedächtnis von Babel - November 2019


© Mini Ludvin, Quelle

Kommentare:

  1. Hach, toll! Das Buch habe ich auch auf meiner Liste und freue mich nun um so mehr darauf. Da muss ich wohl bald wieder in eine Buchhandlung ... schaaaade! :D :D

    Übrigens kommt mir der Weltenaufbau ein bisschen von "Splitterwelten" von Michael Peinkofer bekannt vor. Da ist die Welt auch in mehrere Teile zersplittert. Von einem Erdensplitter zum anderen können einem nur die Levithatinnen helfen, die Schiffe zum Schweben bringen können.

    Liebe Grüße und danke für deine euphorische Rezension und das schon wieder tolle Bild!
    Tine

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    1. Hi Tine, ach spannend, das Buch von Peinkofer kenne ich nur vom Titel her. Ich glaube, hier reisen sie per Zeppelin, was ja auch Charme hat :-)
      Schön wenn ich dir einen Buchtipp mit auf den Weg geben konnte und danke für das Kompliment :-)

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  2. Liebe Friederike,

    dein Artikel kommt wie gerufen. :D Ich bin neulich auf dem Audible-Blog auf das Buch gestoßen, allerdings konnte mich die Sprecherin der Hörbuchversion nicht für sich gewinnen. Dank dir werde ich aber wohl irgendwann zum gedruckten Buch oder E-Book greifen. Die Story finde ich sehr interessant und sie klingt nach solider Fantasy. Abgesehen davon habe ich bisher kaum / keine Fantasy aus Frankreich gelesen - das sollte mal geändert werden. :)

    Was mich derzeit nur abschreckt ist die Tatsache, dass es eine Reihe werden soll. Ich bin einfach kein Fan davon, mich über so lange Zeit auf eine Geschichte zu konzentrieren bzw. das Lesen über Jahre zu strecken und dazwischen immer die Hälfte zu vergessen. XD

    Liebe Grüße
    Kathrin

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    1. Hi Kathrin, das schöne ist, dass in Frankreich demnächst der letzte Teil erscheint und dieser deshalb auch schon 2020 zu uns kommt. Also erscheinen alle vier Bände innerhalb eines Jahres, da sollte das mit dem Erinnern kein Problem werden :-D

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