Vox - Ein Pflichtbuch für jede Frau (und jeden Mann)!

In meiner heutigen Rezension möchte ich euch ein Buch vorstellen, welches mich nachhaltig beeindruckt und total mitgerissen hat: "Vox" von Christina Dalcher. Darin geht es um eine erschreckende Zukunftsvision, in der Frauen nur noch 100 Wörter am Tag sprechen dürfen und welche Konsequenzen sich daraus für die Gesellschaft ergeben. Ein unheimlich krasses, spannendes Buch und zugleich eine nachdrückliche Warnung!


"All diese Häuser, überlege ich, sind kleine Gefängnisse, in denen sich Zellen in Form von Küchen, und Wäschekammern und Schlafzimmern befinden. Morgans Worte kommen mir wieder in den Sinnn, sein nüchternes Gerede darüber, dass früher alles besser war, vor langer Zeit, als Männer arbeiteten und Frauen in ihrer Privatsphäre blieben, die aus Kochen, Waschen und Kinderkriegen bestand. 
Ich hatte wohl wirklich nicht geglaubt, dass es passieren würde. Keine von uns. (S. 235)"

100 Wörter - mehr darf Jean am Tag nicht nutzen, um mit ihrer Umwelt zu kommunizieren. Seit eine neue Regierung an der Macht ist, dürfen Frauen nicht mehr arbeiten, das Land nicht verlassen und ihre Möglichkeit zu Sprechen wird auf ein Mindestmaß reduziert. Mehr als innerer Widerstand scheint Jean nicht zu bleiben, bis sie eines Tages erfährt, dass sie nicht die Einzige ist, die gegen diese neue Realität aufbegehrt...       

Dieses Buch hat mich emotional und gedanklich so sehr mitgerissen wie schon lange keines mehr! Ganz in der Tradition von Margaret Atwoods "Report der Magd" werden Frauen hier nach der Übernahme durch christliche Fundamentalisten systematisch unterdrückt und in ein rückständiges Frauenbild gezwungen. Erschreckend realistisch und mit einer enormen erzählerischen Wucht wird uns hier vermittelt, wie gefährlich es ist, wenn man der eigenen Meinung keine Stimme mehr verleihen kann. Ein Pflichtbuch für jede Frau (und jeden Mann)!

Damit ihr eine Vorstellung davon bekommt, wie viel 100 Wörter überhaupt sind: das oben aufgeführte Zitat aus dem Buch enthält 70 Wörter. Damit wäre das tägliche Wortkontingent also schon fast aufgebraucht. Gespräche mit euren Partnern, euren Kindern, Freunden, Verkäufern im Einkaufsladen - aufs Minimalste reduziert. Bücher und Zeitschriften lesen ist auch untersagt. So werden Frauen nicht nur zum Verstummen gebracht, sondern durch das Leseverbot und indoktrinierenden Unterricht an den Schulen auch noch dumm gehalten. Die Geschichte veranschaulicht auf eindrückliche Weise, wie sehr die Persönlichkeit eines Menschen, sein Charakter und das ganze Leben eigentlich von der Sprache beeinflusst werden, davon, ob man kommunizieren kann oder nicht.

Jean, ihres Zeichens Sprachforscherin, führt uns das besonders deutlich vor Augen. Als hoch gebildete, selbstständige Frau und Mutter von drei Söhnen und einer Tochter bemerken wir die Auswirkungen des Systems bei ihr besonders stark. Denn plötzlich ist ihr Lebensinhalt darauf beschränkt, devote Hausfrau und Mutter zu sein. Undd während ihr pubertierender Sohn das neue Frauenbild für richtig und erstrebenswert hält und ihr Mann nicht genug Widerspruch dagegen einbringt, muss sie sich Sorgen machen, dass ihre kleine Tochter nie richtig sprechen lernen wird, weil sie ihre Stimme kaum benutzen darf.

Dieses Buch hat mich emotional total mitgerissen, mich Ohnmacht und glühende Wut empfinden lassen. Wie oft hätte ich am liebsten losgeschrien oder den Männern in der Geschichte ins Gesicht gespuckt für ihre rückständigen, frauenfeindlichen Sprüche oder Ansichten. Ich hatte beim Lesen ganz häufig Herzrasen und bin vor Wut fast in die Luft gegangen und saß ungläubig vor den Seiten. Die schleichende Entmachtung der Frauen hat sich auch deshalb so erschreckend gelesen, weil es einerseits so einfach vonstatten ging und andererseits vieles davon gar nicht so undenkbar war. Denn immerhin, auch wenn es nur Fiktion ist, sind in vielen Teilen unserer Welt frauenfeindliche Haltungen Alltag und auch hierzulande gibt es einige Politiker, die ein rückständiges Frauenbild gutheißen. Und denkt man zurück, dann ist es noch gar nicht so lange her, dass Frauen in Deutschland das Einverständnis ihres Mannes brauchten, wenn sie arbeiten wollten - wieso sollte so ein Wandel nicht auch wieder rückgängig gemacht werden können?

Mein Fazit: Dieses Buch sollte jede Frau (und jeder Mann!) gelesen haben! Es ist ein eindringlicher Weckruf, eine Warnung davor, welche Auswirkungen Diskriminierung und Unterdrückung haben und wie gefährlich es ist, die eigene Stimme nicht gegen solche Entwicklungen zu erheben. Egal ob ihr feministisch eingestellt seid, politisch uninteressiert, oder ob ihr einfach nur gerne packende Geschichten lest - dieses Buch dürft ihr dieses Jahr nicht verpassen! Von mir gibt es eine ganz dicke Leseempfehlung.

Gebundene Ausgabe | 400 Seiten | S. Fischer Verlag | Übersetzung: M. Balkenhol/S. Aeckerle | Hier kaufen*



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Weitere Lesetipps:

Der Report der Magd - Margaret Atwood: Hier werden Frauen nach der Übernahme durch christliche Fundamentalisten in allen Lebensbereichen unterdrückt. Ein moderner Dystopie-Klassiker!

Ein kleines Wunder würde reichen - Penny Joelson: Das Buch zeigt, wie lebensverändernd es ist, ob man kommunizieren kann oder nicht - denn die Protagonistin ist Paraplegikerin und kann weder sprechen noch sich bewegen.

Kommentare:

  1. Hey!
    So, ich probiere es jetzt nochmal, schicke dann zur Sicherheit zwei Mal ab :-D
    VOX ist ja aktuell in aller Munde. Manch einer war von dem abrupten Ende enttäuscht.
    Das Thema des Buches scheint sehr wichtig und vor allem aktuell zu sein, und dein Fazit klingt echt super gut. Ich habe mir das Buch dann gestern von meinem Thalia Gutschein gekauft und bin suuuper gespannt drauf :)

    Liebe Grüße,
    Nicci

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