Dienstag, 2. November 2010

Die hässlichste Frau der Welt

So, da ich für meine neuen Bücher noch ein wenig brauche, habe ich wieder eine alte Rezi für euch aus meinem Archiv gekramt und so möchte ich euch heute ein Buch vorstellen, welches ich vor fast genau einem Jahr bei lovelybooks gewonnen hatte:
"Die hässlichste Frau der Welt". Diese Lektüre hat mich sehr mitgenommen, geht es doch um das traurige Schicksal einer Frau, die im 19. Jahrhundert tatsächlich gelebt hat und als "Affenfrau" berühmt wurde.

Das Buch beschreibt das Leben der Julia Pastrana, auch als Affenfrau bekannt, die im 19. Jh. mit ihrem Impresario Theodor Lent quer durch Europa reist und als abnorme Kuriosität ausgestellt wird. Die Kritiker sehen Julia als Beweis der Herrschaft des Menschen über die Natur. Auf Kommando ihres Impresarios führt dieses Wesen beliebte Tänze auf und singt. Dass Julia, wenigstens innerlich gesehen, ein ganz normaler Mensch ist, entgeht den meisten. Sie ist eine mitfühlende, zarte Frau, die gerne näht, Tee trinkt und nur auf der Bühne das Tier spielt.

Nur die junge Rosie, die, eigentlich auf dem Weg nach Amerika, in England gestrandet ist und als Dienerin für Julia eingestellt wird, erkennt den Menschen hinter der hässlichen Fassade. Aus der anfänglichen Furcht vor Julia entwickelt sich bald eine tiefe Freundschaft, die auch mit dem Tod nicht endet. Doch verbindet die beiden noch mehr, nämlich ihre Liebe zu Theodor Lent, für den beide fast alles über sich ergehen lassen. Um noch mehr Geld aus Julias Person zu machen, heiratet und schwängert Theodor sie und sorgt so für einen riesigen Skandal... und klingelnde Eintrittskassen. Abends jedoch holt er sich die schöne Rosie in sein Bett, die nicht weiß, wie sie das ihrer Freundin gestehen soll...

Erst im hohen Alter, nachdem Julia bereits tot ist, kehrt Rosie in ihre alte Heimat in der Schweiz zurück, um dort über Julias tragisches Leben zu reden und ihr so ein Denkmal zu setzen. Und um ihr durch eine feierliche Bestattung endlich die Würde als Mensch wiederzugeben...

Mit "Die hässlichste Frau der Welt" hat Margrit Schriber ein sehr gefühlvolles Buch geschaffen, ohne gefühlsduselig zu werden. Keine übermäßige Darstellung von Details, keine endlos langen Gefühlsbeschreibungen. Nur mit einfachen Sätzen gelingt es Frau Schriber, ein berührendes, nachdenklich stimmendes Buch zu schreiben, und so Julia Pastrana ein Denkmal zu setzen, deren Leiche bis heute nicht beerdigt wurde. Zugegeben, die ersten Seiten lesen sich etwas schwierig, da für den deutschen Leser einige unbekannte Worte vorkommen und die Erzählperspektive nicht sofort klar wird. Man sollte sich davon jedoch keinesfalls vom Lesen abschrecken lassen, denn sonst würde einem eine Perle von einem Buch entgehen.

Dies war mein erstes Buch von Margrit Schriber, und sicherlich nicht mein Letztes!

---Über Julia--- 

Die Geschichte von Julia ließ mich auch nach Beenden des Buches nicht los. Nach ihrem Tod hat Theodor Lent sie und ihr kurz nach der Geburt gestorbenes Kind präparieren lassen, damit er sie weiter ausstellen konnte. Erst 1970 (!) verbot die norwegische Regierung die Ausstellung und konfiszierte die präparierten Leichen, die bis heute für Forschungszwecke benutzt werden. Zusammen mit der Autorin haben ein paar engagierte Leser eine Initiative ins Leben gerufen, die sich dafür einsetzt, dass Julia und ihr Kind endlich beerdigt werden. Wer mehr darüber wissen möchte, sei auf die entsprechende Gruppe bei der Internetplattform lovelybooks.de verwiesen. 

Die hässlichste Frau der Welt - Margrit Schriber
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
190 Seiten
Verlag: Nagel & Kimche AG, Verlag, Zrich/Frauenfeld (17. August 2009)
ISBN-10: 3312004462
Preis: 19,90 Euro

Willis Fazit:

1 Kommentar:

  1. Ich liebe solche Bücher, leider findet man sie viel zu selten. Das muss ich unbedingt lesen!

    Die Story erinnert mich irgendwie an "Der Pygmäe im Zoo" über Ota Benga, der u.a. auf einer Weltaustellung Ende des 19. Jhdt. und in mehreren Zoos ausgestellt wurde, bis er schließlich Selbstmord beging. Leider bekommt man das fast gar nicht mehr, antiquar teilweise auf ZVAB (zentrales Verzeichnis antiquarer Bücher).

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