Wörterbuch der österreichischen Alltagssprache

11:53

"Bam Oida!" Warum sollte man mit der Verwendung des Wortes "pudern" in Österreich lieber vorsichtig sein, wenn man nicht lüstern angelächelt werden will? Was bekommt man im Restaurant, wenn man einen "Bröselfetzen" bestellt? Und wie sollte man am besten reagieren, wenn man als "Alleebrunzer" bezeichnet wird?

Heute stelle ich euch mal was ganz anderes vor: ein Wörterbuch. Ich fahre nämlich in ein paar Tagen in den Urlaub, und unsere Tour führt uns über Österreich, Italien und zurück in den Schwarzwald. Passenderweise bekam ich vor einer Weile die Anfrage, ob ich das "Wörterbuch der Alltagssprache Österreichs" besprechen möchte. Na klar möchte ich, denn so kann ich mich neben italienischen Wortbrocken auch gleich noch mit der österreichische Mundart etwas vertrauter machen. Und so auch sehen, wie groß die Sprachunterschiede zwischen Deutschen und Österreichern eigentlich sind, wo wir doch prinzipiell dieselbe Sprache sprechen. Dieses Wörterbuch gibt mir einen kleinen Einblick in die Eigenheiten.

Das Buch soll Sprachinteressierte nicht nur zum Nachschlagen, sondern auch zum Schmökern einladen und liefert Begriffe aus der österreichischen Standardsprache, Umgangssprache und Mundart. Wird ein Wort dagegen gesamtdeutsch verwendet, hat es hier drin nichts zu suchen. Diese klare Trennung fällt natürlich nicht immer leicht, aber ich als Deutsche konnte nur sehr wenige Worte entdecken, die auch ich benutze. Die Wortauswahl ist dabei subjektiv vom Autorenteam gefällt worden und liefert daher keine vollständige Erfassung des österreichischen Wortschatzes. 

Auch vor der Aufnahme von anstößigen, unanständigen Wörtern wurde kein Halt gemacht, denn wie der Autor, Journalist und Publizist mit eigener Sprachkolumne, selbst begründet, waren auch diese Begriffe früher einmal ganz normale unbelastete Ausdrücke. Sedlaczek zeigt für jedes Wort die ursprüngliche Bedeutung auf und verwendet auch Zitate aus Film, Literatur und Musik, um die Wortverwendung zu verdeutlichen.  

Das Buch ist nicht wie ein normales Wörterbuch streng nach dem Anfangsbuchstaben unterteilt, sondern orientiert sich am Wortstamm. So findet man beim "Busserl" (Kuss) nicht nur die reine Worterklärung, sondern auch Begriffe wie "Eskimobusserl" oder das "Kokosbusserl" (in Häufchen gebackene Kokosflocken). Doch während der Bussibär für mich eine Zeichentrickfigur aus meiner Kindheit ist, verwendet die Österreicherin das Wort umgangssprachlich als Kosewort für ihren Mann.

Ein kleiner Negativpunkt ist mir aufgefallen. Die verwendeten Abkürzungen werden zwar hinten im Buch erläutert, aber andere Zeichenverwendungen werden dort leider nicht aufgeführt. Wird eine Silbe beispielsweise langgezogen ausgesprochen, ist sie unterstrichen, wird sie kurz ausgesprochen, ist sie mit einem Punkt unter der Silbe versehen. Eine für mich sehr nützliche Info, allerdings findet man die quasi nur beim aufmerksamen Lesen des Vorwortes, woanders ist dies nicht aufgeführt. Das Vorwort selbst liefert aber einige wirklich spannende Infos über die österreichischen Eigenheiten wie das Anhängen der Silben -li oder -erl und ist in Interviewform gehalten, so dass ich es tatsächlich interessiert gelesen habe.

Mein Fazit: Das Wörterbuch liefert einiges, was ich aus anderen so nicht kenne, wie beispielsweise die Film- und Musikzitate und hat mich mehr als einmal zum Schmunzeln gebracht. Für Sprachinteressierte ist es sicherlich ein kleines feines Fundstück, aber auch der Normalnutzer, der nur mal schnell die Schreibweise eines Wortes nachschlagen will, wird hier finden, was er sucht. 

P.S: "Bam Oida!" heißt übrigens "Hör zu / Pass auf". Und liebe österreichischen Leser, sollte ich etwas falsch dargestellt haben, bitte ich gerne um korrigierende Hinweise!


Wörterbuch der Alltagssprache Österreichs - Robert Sedlaczek
Broschiert: 335 Seiten
Verlag: Haymon Verlag; Auflage: 1 (17. März 2011)
ISBN-10: 3852188733

Preis: 12,95 Euro


Willis Fazit:




Vielen herzlichen Dank an den Haymon Verlag für das Rezensionsexemplar!

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6 Kommentare

  1. Fehler hab ich keine festgestellt, aber ein paar Anmerkungen würd ich gern loswerden ;)

    Ich kann mir da jetzt natürlich nicht vollkommen sicher sein, weil ich das Buch nicht gelesen habe, aber rein von den Begriffen, die du als Beispiele genannt hast, kommt mir das Buch sehr wienerisch vor. Sprachlich unterscheiden sich Ost- und Westösterreich sehr stark voneinander. Deshalb die Frage: Stehen bei den einzelnen Begriffen auch örtliche Anmerkungen dabei? Also ob das Wort zB nur in Wien und Umgebung verwendet wird oder eher aus dem Westen kommt?
    "Bam Oida!" zum Beispiel verwenden Tiroler fast gar nicht (ich spreche jetzt mal nur für Tirol, weil ich da her bin), eigentlich nur wenn grade über Wiener hergezogen wird (auf nette Art und Weise ^^), also zur übertriebenen Verdeutlichung von irgendwelchen Sachverhalten ;)

    Schönen Urlaub wünsch ich dir! :)

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  2. Danke für den Hinweis. Der Autor ist in Wien geboren, das kann ihn natürlich bei der Wortauswahl beeinflusst haben. Im Buch wird unterschieden nach ost-, süd- und westösterreichisch, was auch bei manchen Worten dahinter steht, manchmal steht auch regional da.
    Bei Bam Oida steht "Szenejargon der Krocha" dahinter. Krocha musste ich auch erstmal nachschlagen :-)

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  3. Ich kann mich da nur StefanieEmmy anschließen...für mich sind das eher wienerische Wörter bzw. bei "Bam Oida" ist das auch eher die jugendliche Sprache. Außerhalb von Wien sieht das alles ganz anders aus. Da ich als Niederöstrerreicherin nicht zu weit weg wohne, aber auch hier viele dieser Begriffe nicht verwendet werden, denke ich, dass es eher mehr Wiener Mundart betrifft und Restösterreich wie des öfteren "ausgeschlossen" ist ;)
    Trotzdem ist das Buch sicher sehr lustig geschreiben und ich bin mir sicher, dass ich selber genug Wörter finden würde, die ich nicht kenne =)
    Liebe Grüße
    Martina

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  4. Das ist gut, dass das dabei steht :)
    Oh ja, Krocha, auch so ein typisch wienerisches Phänomen. Das ist wie eine eigene Subkultur, die haben sogar einen eigenen Tanzstil hab ich mal gehört xD

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  5. Gibt´s überhaupt noch Krocha? Ich glaube, das war eher so eine Modeerscheinung?

    Da ich ja in Wien arbeite und im Burgenland wohne, höre ich jeden Tag verschiedene Dialekte und stolpere immer wieder über Begriffe, die ich bis dato noch nicht kannte. *g*

    Bei uns im Burgenland ist es ja so, dass (fast) jede Ortschaft ihren eigenen Dialekt hat und man sich untereinander oft gar nicht versteht.
    Bei uns z.B. heißt die Kirche "Kira", "Brasettn" ist ein Armband oder begleiten heißt "ploatn". *lach* Nicht-Einheimische tun sich da oft schwer.

    Liebe Grüße,
    Sabine

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  6. Ich muss sagen, dass mich das beruhigt, dass ihr euch da z. T. auch nicht versteht. ;) Aber zugegeben, ich wohne bei Oldenburg, also kurz vor Ostfriesland und Plattdeutsch versteh ich zwar, aber auch da gibt es vielerorts so dermaßen andere Wörter... Hab mal mit Leuten nahe der holländischen Grenze zu tun gehabt, die hatten ein Platt drauf, das hab ich überhaupt nicht verstanden.
    Und danke für den Buchtipp. Bin ja selbst begeisterter Österreichurlauber. Das kommt mir da gerade recht. :) LG

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