Das Ende der Sterne, wie Big Hig sie kannte - Lesenswert

12:21

"Ich fragte ihn, ob das alles einen tieferen Sinn hätte, ob es um mehr ginge als den täglichen Überlebenskampf. Um Aufklärungsflüge, Flugzeugreparaturen, die Ernte unserer fünf Gemüsesorten, Hasen fangen. Worauf warteten wir eigentlich? (S. 28)

Vor neuen Jahren ist die Welt, wie wir sie kannten, untergegangen. Seitdem lebt Big Hig gemeinsam mit seinem Hund Jasper und dem Waffennarr Bangley auf einem ausgestorbenen Flughafen in Colorado, umringt von nichts als der Natur. Hier kümmert sich Hig um seinen kleinen Garten oder fliegt mit seiner Cessna die Gegend ab, während Bangley das Gebiet vor unbekannten Angreifern beschützt. Eigentlich ein recht ruhiges Leben, doch Hig wird langsam rastlos. Soll es das etwa schon gewesen sein? Will er wirklich den Rest seiner Tage tatenlos auf dem Flughafen verbringen? Oder gibt es da draußen vielleicht doch noch Hoffnung?




Viele postapokalyptische Geschichten kommen sehr dramatisch, laut und geprägt von Gewalt und Tod daher. Ganz anders ist da Big Hig's Geschichte. Sie ist leise und still erzählt, mit einem melancholischem Unterton; reißerisch geschriebene Szenen wird man hier, trotz der ein oder anderen dramatischen Entwicklung, vergeblich suchen. Aber gerade durch die nachdenkliche Erzählweise ist mir das Buch umso mehr im Gedächtnis geblieben.

Was genau dazu geführt hat, dass die Welt nicht mehr dieselbe ist, das erfährt man nur am Rande. Von einer Seuche, einer Blutkrankheit ist die Rede, die scheinbar den Großteil der Menschheit ausgelöscht hat. Auch Big Higs Frau ist daran gestorben. Nun lebt er ganz allein mit seinem Hund Jasper und dem Waffennarr Bangley auf einem alten Flughafengelände in Colorado, pflanzt Gemüse an, geht fischen oder fliegt mit seiner alten Cessna die Gegend ab. Bangley derweil stellt sicher, dass kein Eindringling sie überfällt oder gar tötet - und geht dabei weit skrupelloser und brutaler vor als es Hig lieb ist. 
Doch während sich Bangley mit diesem Leben abgefunden hat und sich wohl zu fühlen scheint, ist Hig rastlos. Soll es jetzt etwa immer so weiter gehen, bis beide irgendwann sterben? Oder soll er vielleicht doch das Abenteuer unternehmen und zu dem weit entfernten Flughafen fliegen, wo er vor Jahren noch Funksprüche in einer sonst vollkommen verlassenen Gegend vernommen hat?

Obwohl das Buch von der reinen Beschreibung her für manche vielleicht langweilig klingen mag, ist es das gar nicht, obwohl sich die eigentliche Dramatik der Geschichte eher in Hig selbst abspielt, in seinen Gedanken. Er hängt der Vergangenheit nach, bevor die Welt nur noch aus Leere und Tod bestand. Als sein Hund noch ein Welpe und seine Frau noch am Leben war. Ein Großteil des Buches dreht sich um Higs Leidenschafts fürs Fliegen und seine Liebe zum Angeln und zur Natur. Dadurch hat das Buch zwar seine etwas zäheren, wenig spannenden Momente, aber trotzdem ergibt sich daraus ein stimmiges Gesamtwerk, welches mir von seiner Art her einfach sehr gefallen hat. 
Durch die bedächtige Erzählweise hat man zwar einen sehr distanzierten Blick auf Hig und das Unglück der Menschen; emotional und berührend fand ich die Geschichte trotzdem.

Hig gibt seiner Sehnsucht natürlich irgendwann doch nach und fliegt los, einer ungewissen Zukunft entgegen und zeigt uns so, was den Menschen eigentlich auszeichnet: Das Bedürfnis, nicht allein zu sein, das Bedürfnis nach anderen Menschen, nach einer Zukunft statt bloßem Ausharren. Es geht um Sehnsucht, um Freundschaft und Liebe, um die Hoffnung auf eine bessere Welt. 
Und obwohl Hig auf seiner Reise natürlich auch Tod und Gewalt begegnet, ist es trotzdem keine reißerische, laute Weltuntergangsgeschichte, sondern eher eine philosophisch angehauchte und nachdenklich machende Geschichte, an deren Ende man sich wohl die gleichen Fragen wie auch Hig stellt: Was fängt man eigentlich mit seinem Leben an, wenn niemand mehr da ist, mit dem man es teilen kann? Wenn man nur noch überlebt, statt zu leben?

Dieses Buch empfehle ich gerne allen, die nichts gegen eine eher ruhige, bedächtige Erzählung haben und wissen wollen, wie die Welt einmal aussehen könnte und wie es sich anfühlt, einer der letzten Menschen zu sein. Mir jedenfalls hat diese postapokalyptische Geschichte der ganz anderen Art gut gefallen :-)

Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte - Peter Heller
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Eichborn Verlag; Auflage: Aufl. 2013 (19. April 2013)
ISBN-10: 3847905198
Preis: 19,99 Euro

Willis Fazit:




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4 Kommentare

  1. Das hört sich richtig gut an! Vielen Dank für den schönen Bericht :-)
    LG

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  2. Deine Buchbesprechung gefällt mir! Ich habe den Roman eh schon im Visier, jetzt muss nur noch zugeschlagen werden. ;O)

    Ich sende dir liebste Grüße aus Hamburg,
    Tanja

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  3. Danke ihr Zwei, schön wenn ich euch neugierig machen konnte :-)

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  4. Eine wirklich, wirklich schöne Rezension!!! Das Buch muss ich wirklich mal näher in Augenschein nehmen!!!
    Danke für die Besprechung!

    LG
    Kathi

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