Die Rote Königin - Interessante Ideen, aber gewöhnungsbedürftige Protagonistin

14:41


Mare lebt in einer Welt, in der die Silbernen mit ihren übermenschlichen Kräften herrschen, während die Roten unterdrückt werden und ihnen dienen, sowohl im Alltag als auch im Krieg. Auch Mares Familie gehört zu den Roten und lebt in Armut, da ihre Brüder alle im Krieg gefallen sind und nur die jüngere Schwester Arbeit hat. Und wer bis zu einem bestimmten Alter keine Anstellung hat, wird in den Krieg eingezogen. Als sich nun Mares siebzehnter Geburtstag nähert und damit auch ihre Einberufung in den Krieg, plant sie ihre Flucht. Doch kurz bevor es soweit ist, vermittelt ihr eine Zufallsbekanntschaft eine Stelle, ausgerechnet am Königshof! Endlich scheint es bergauf mit ihrem Leben zu gehen - bis sie bei einem Fest der Silbernen in einen Unfall gerät, der sie für immer verändern soll...

Meine Meinung

Um es gleich einmal vorweg zu nehmen: an Die Rote Königin gab es einiges, was mir gut gefallen hat, aber auch ein paar Punkte, die mir auf die Nerven gegangen sind. Das Buch präsentiert uns einen recht klassischen Dystopie-Entwurf: Mares Welt ist unterteilt in die reiche und privilegierte Klasse der Silbernen und in Rote, die von den Silbernen unterdrückt werden und ihnen dienen müssen. Silber und Rot bezieht sich dabei auf die Farbe ihres Blutes. Wie genau dieser Unterschied zustande gekommen ist, weiß niemand so genau. Aber seitdem werden Silberne als weiterentwickelte Rasse angesehen, denn sie verfügen über übermenschliche Fähigkeiten wie Gedankenkontrolle, enorme körperliche Stärke oder Elementemanipulation, weshalb die Roten natürlich keine wirkliche Chance haben, sich gegen sie zur Wehr zu setzen und für bessere Lebensbedingungen zu kämpfen.

In dieser Welt wächst Mare auf, mit einem verständlichen Groll gegen die Silbernen. Besonders, als sie in den Krieg eingezogen werden soll, der auch schon ihre älteren Brüder das Leben gekostet hat. Nur durch Zufall findet Mare noch rechtzeitig eine Anstellung: Ausgerechnet am Königshof soll sie den versnobten Adligen dienen. Bis sie bei einem Unfall Unglaubliches entdeckt...
Die Handlung von Die Rote Königin war wirklich spannend, mit einigen unvorhergesehenen Wendungen, die mich an die Seiten gefesselt haben und die mir sehr gefallen haben. Bei Jugenddystopien kann man das Rad ja nicht ewig neu erfinden, aber trotzem erschien mir die Geschichte als eigenständig und besonders.

Die Grundidee und die spannende Erzählung haben mir also wirklich gefallen. Aber hier kommt auch schon meine Kritik: Ich bin ausgerechnet mit Mare irgendwie nicht so richtig warm geworden; einerseits sorgte ihre Rolle als unterdrückte Rote eigentlich dafür, dass ich Mitleid mit ihr hatte und ich doch ziemlich mit ihr mitgefiebert habe. Andererseits ging sie mir doch öfter auf die Nerven mit ihrer Wankelmütigkeit und ihrer trotzigen und naiven Art. Was an sich nicht so schlimm gewesen wäre, denn auch unbequeme Charaktere können eine Geschichte oftmals gut tragen.

Was mich aber wirklich gestört hat, war die aufgezwungene Liebesgeschichte zwischen Mare und ein paar der männlichen Hauptcharaktere. Dass sich da Gefühle gebildet haben, war für mich überhaupt nicht bemerkbar und somit auch nicht nachvollziehbar. Die Liebesgeschichte entwickelte sich viel zu schnell und abrupt, denn zwischen Mare und ihrem Haupt- Love Interest gab es einfach viel zu wenig Interaktion, als dass ich die wachsende Zuneigung hätte spüren können. Schade. 

Diese Kritikpunkte wären zwar eigentlich ein Grund, den Nachfolger links liegen zu lassen, aber das Weltenkonstrukt und die Geschichte an sich hat mir doch gut genug gefallen, dass ich doch wissen will, wie es weitergeht. Am Ende überschlagen sich die Entwicklungen nämlich und lassen die Geschichte mit einem spannenden Cliffhanger enden. Ich werde also doch noch weiterverfolgen, wie es mit Mare weitergeht. 


Die Rote Königin: Die Farben des Blutes - Victoria Aveyard
Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
Verlag: Carlsen (28. Mai 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3551583269


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3 Kommentare

  1. Ich hatte es ja befürchtet, dass dieser Hype nicht ganz gerechtfertigt war. Das Buch steht schon in meinem Regal und muss jetzt nach deiner tollen Rezi etwas warten.

    Viele liebe Grüße
    Katrin

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  2. Huhu :)

    Interessant, ich empfand vieles in dem Buch ganz genauso wie du. Ich hatte ebenfalls große Probleme mit Mare, weil ich sie kurz gesagt einfach nicht leiden kann. Das ist natürlich kein Muss für ein Buch, aber in diesem Fall hat mich das doch ziemlich behindert. Ich hätte ihr gern mehr als einmal eine saftige Ohrfeige verpasst.
    Das Thema mit den Liebesbeziehungen ist mir beim Lesen selbst nicht so ins Auge gesprungen, doch jetzt wo du es sagst... du hast Recht. Das wirkte alles nicht besonders natürlich.
    Am schlimmsten fand ich aber die logischen Löcher in der Geschichte, die auf mangelndes politisches Verständnis hinweisen. Ich fand diesen ganzen Krieg dermaßen unrealistisch, dass es fast schon ins Lächerliche abdriftete.
    Trotzdem möchte ich die Fortsetzung ebenfalls lesen, weil ich sehr lange auf den ersten Band gewartet habe und jetzt auch wissen will, wie es weiter und später ausgeht.

    Danke für diese interessante Rezension! :)

    Viele liebe Grüße,
    Elli

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  3. Es ist schade, dass zu einer Dystopie für Jugendliche wohl auch immer eine Liebesgeschichte gehört - auch wenn es nicht passt. Dann passieren offenbar so Sachen, wie du jetzt beschrieben hast. Würde mir auch gehörig auf den Keks gehen :-)

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