Sveta und der Junge aus dem Wald - Märchenhafte Dystopie

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Kindle-Edition | 289 Seiten | Preis: 2,99€ |  Hier kaufen

Als Svetas herrischer Vater in das winzige Örtchen Dunkeltann versetzt wird und sie und ihren Bruder mitnimmt, ist Sveta alles andere als glücklich darüber. Während ihr Vater sie wie eine Haussklavin behandelt, drangsaliert er die armen Dorfbewohner und will die Wälder rund um Dunkeltann abholzen - der sichere Untergang für den kleinen Ort, der einzig vom Verkauf des Holzes lebt. Doch das kann der mysteriöse Junge aus dem Wald nicht zulassen. Denn die Wälder hüten ein Geheimnis, welches nicht ans Licht kommen darf...

Auf dieses Werk aus der Feder gleich zweier Autoren - Ramona Mädel und Axel Saalbach - war ich sehr gespannt. Welches Geheimnis würde der Wald wohl hüten, der von einem mysteriösen Jungen beschützt wird? Und wie wird sich ein Buch lesen, welches Kapitel für Kapitel abwechselnd von zwei Autoren geschrieben wurde? Gut hat es sich gelesen, kann ich euch sagen, und spannend auch.

Sehr interessant fand ich das Setting der Geschichte. In diesem ist Deutschland nach einem Krieg nur noch ein kleiner Teil des russisch-europäischen Zarenreichs, in dem jedes Gebiet von einem bestimmten Clan regiert wird. Nachdem Svetas Vater in Ungnade gefallen ist, wird er samt seines Sohnes und seiner Tochter von Berlin in das winzige Örtchen Dunkeltann versetzt - eine eindeutige Degradierung. Fortan lässt Svetas Vater seine Wut an seiner Tochter sowie an den Einwohnern von Dunkeltann aus.

Das Buch hat sich für mich wie ein Märchen gelesen, mit seiner klassischen Charakteraufteilung in Schwarz und Weiß. Sveta verkörpert dabei mit ihrem Mut und Gerechtigkeitssinn das Gute, ihr Vater mit seinen Gewaltausbrüchen und der ungerechten Behandlung von unschuldigen Menschen das Böse. Es gibt nur wenige Charaktere, die irgendwo in der Grauzone dazwischen liegen. Schlimm fand ich das gar nicht, aber wer mit etwas komplexeren Charakteren rechnet, dürfte enttäuscht werden. Dadurch, dass moderne Technik in dieser Version von Deutschland größtenteils auch fehlt, hat sich der Märchencharakter nur noch verstärkt.

Überraschend fand ich, dass der Junge aus dem Wald weit weniger eine Rolle spielte, als ich es vom Buchtitel her erwartet hätte. Er bleibt recht blass und sein Geheimnis wird schnell gelöst. Dadurch konnten mich auch die Gefühle, die sich im Laufe der Geschichte zwischen Sveta und ihm entwickeln, leider irgendwie nicht so richtig berühren. Stattdessen hat mich dafür aber der Rest der Handlung an die Seiten gefesselt und ich habe das Buch schnell verschlungen. Dabei hat man meiner Meinung nach überhaupt nicht gemerkt, dass hier zwei Autoren am Werk waren. Die Geschichte hat sich absolut konsistent und flüssig gelesen, ein Stilbruch war nicht zu merken.

Wer also auf der Suche nach einem schön geschriebenen, spannenden und modernen Märchen ist, sollte einen Blick auf Sveta und den Jungen aus dem Wald riskieren.


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3 Kommentare

  1. Huhu,
    ich fand die Geschichte auch sehr gelungen und es war auch mal etwas anderes. Ich mochte auch den Schreibstil unglaublich gerne, zumal man auch überhaupt nicht merkt, dass da zwei Autoren am Werk waren. Würde mich ja schon über ne Fortsetzung freuen

    Alles Liebe, Nelly

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    1. Hi Nelly, ich werde wohl irgendwann in das Buch "Das Haus Komarow" reinlesen, das spielt ja in derselben Welt.

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  2. Hallo meine Liebe!
    Von diesem Buch habe ich noch nie etwas gehört. Shame on me.
    Deine Rezi klingt aber echt gut. Vielen Dank dafür!

    Liebe Grüße
    Sabrina

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