Emily the Strange - Wer will schon normal sein?

15:45


"Emily Strange, stimmt's?"
"Als ich das letzte Mal nachgesehen habe, ja. Vier Katzen, Lieblingsfarbe schwarz, mörderschlimm?"

Nachdem sie in ihrem letzten Wohnort einigen Unfug angestellt hat, zieht Emily Strange zusammen mit ihrer Mutter, den vier Katzen, ihrem selbstgebauten Golem Raven und der verstorbenen Großtante Millie in das beschauliche Örtchen Silifordville. Auch hier plant sie wieder einige Streiche, die ihre Mitbewohner in den Wahnsinn treiben sollen, doch diesmal gerät eines ihrer Experimente außer Kontrolle: plötzlich steht sie sich selbst gegenüber; ihre Duplikationsmaschine funktioniert also tatsächlich! Doppelte Emily, doppelter Spaß, denkt sie sich. Aber bald schon muss sie feststellen, dass die andere Emily sogar noch etwas böser und hinterlistiger als sie selbst ist. Das wird ja immer seltsamer...

                                                              Meine Meinung                                                             

Emily ist anders als normale dreizehnjährige Mädchen. Ihre Lieblingsfarbe ist schwarz, am liebsten hockt sie alleine in ihrem abgedunkelten schwarzen Zimmer, ihre einzigen Freunde sind vier (natürlich schwarze) Katzen und statt für Pferde und Jungs interessiert sie sich nur für ihre wahnwitzigen wissenschaftlichen Experimente (beispielsweise der Herstellung eines Golems aus Leichenteilen) und wie man den Einwohnern von Silifordville am besten Streiche spielt.
Tagsüber schläft sie (Sonnenlicht ist ja auch absolut widerlich!) oder heckt in ihrem Zimmer den ultimativen Meisterstreich aus, des Nachts macht sie mit ihren vier Katzen die Gegend unsicher, sucht nach Geheimpfaden, auf denen sie ungesehen ihre Nachbarn ausspionieren kann oder dem perfekten Skaterpark, in dem möglichst keine nervigen Teenies rumhängen.

Sie ist halt anders. Strange eben.

Dies war mein erster Kontakt mit Emily, die mich doch sehr an die blasse Wednesday von der Adams Familie erinnert, doch in gewissen Kreisen ist Emily längst berühmt. Das Buch, sowie sein Vorgänger "Emily the Strange - Die verschwundenen Tage" basieren auf den beliebten Comics von Cosmic Debris. Da ich den Vorgänger dieses Buches nicht kannte, hatte ich Bedenken, ob ich auch alles verstehen würde, aber diese Bedenken waren eigentlich unbegründet. Ein paar Anspielungen mögen an mir vorbeigegangen sein, aber ich hatte nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben oder etwas nicht zu verstehen. Auch Neulinge können dieses Buch also zum Einstieg in Emilys verdrehte Welt nehmen.

Emily war mir sofort sympathisch. Die Geschichte wird in Tagebuchform erzählt, wodurch man hautnahen Einblick in die Gedankenwelt dieses seltsamen Mädchens bekommt, die zwischen Genie und Wahnsinn schwankt und am liebsten alles Mögliche in Listen festhält. Das ganze Buch ist mit herrlichen Illustrationen geschmückt, die wohl auch die Comic-Emily-Fans für sich einnehmen dürften. Trotz der fast schon niedlichen, wenn auch etwas düsteren Aufmachung ist Emily aber sicherlich kein Kinderbuch. Dazu sind ihre Gedanken einfach zu makaber oder geistreich, um von Kindern verstanden zu werden. 

Einziges Manko des sonst so herrlich andersartigen Buches: die Handlung ist nicht sonderlich spannend, Emily klont sich aus Versehen und muss daraufhin die Probleme mit ihrer Doppelgängerin klären. Dazu kommt, dass besonders der Anfang des Buches fast nur aus Umzugsvorbereitungen und Aufzählungen in Listenform besteht, die meine Geduld ein wenig auf die Probe gestellt haben. Aber nicht eine komplexe Handlung macht den Charme dieses Buches aus, sondern das wohl ungewöhnlichste Mädchen seit Pippi Langstrumpf. Emily ist klug, sarkastisch, schnell genervt von ihren banalen angepassten Mitmenschen, denen jegliches Verständnis für Wissenschaft und die Liebe zur Dunkelheit fehlt und im Allgemeinen wesentlich reifer, als es ihre dreizehn Jahre vermuten lassen.

Mein Fazit: „Emily the Strange – Es wird immer seltsamer“ bietet einige sehr skurrile und kreative Ideen, aber an der Umsetzung hapert es ein wenig. Wer es sarkastisch, kurios, zeitweise böse und einfach anders mag, der wird in Emily aber sicherlich eine Freundin fürs Leben finden.
©R.Reger, J.Gruner

Emily the Strange - Es wird immer seltsamer - R. Reger, J. Gruner 
Broschiert: 267 Seiten
Verlag: Achterbahn; Auflage: 1., Auflage (September 2010)
ISBN-10: 3899823125
Preis: 16,95 Euro

Willis Fazit:




Ich bedanke mich bei "Blogg dein Buch" und dem Lappan Verlag für das Rezensionsexemplar!

Gefällt dir? HIER kaufen.

You Might Also Like

5 Kommentare

  1. Na, das klingt doch mal nach einem Buch für mich! Danke für diese Rezension, ist jetzt sofort auf meine Wunschliste gewandert - mal sehen, wann ich es in die Finger bekomme ;)

    AntwortenLöschen
  2. Hört sich auf jeden Fall gut an, vielleicht etwas für meine Tochter. Und mit der Optik hast du in der Tat Recht.
    LG Petra

    AntwortenLöschen
  3. Freut uns, dass es die gefällt! Im Herbst erscheint übrigens der nächste Teil, Titel ist noch geheim ;-)

    AntwortenLöschen
  4. Ich habe das Buch schon gelesen und ich muss sagen es ist ein sehr gutes Buch.

    AntwortenLöschen