Anna und die flüsternden Stimmen - Sehr seichte Geistergeschichte

17:16

"Ich lief näher - und die Angst legte sich wie eine Klaue aus Eisen um mein Herz. Statt meiner Skizze zeigte das Bild ein zum Schrei verzerrtes Gesicht. Die schwarze Farbe war verlaufen und jemand hatte mit dickem Pinsel die Buchstaben SOS darübergeschmiert. SOS - rette unsere Seelen!"

Sommerurlaub im winzigen Ostsee-Dorf Qual, das muss doch ein Witz sein? Anna rechnet nicht damit, hier etwas Aufregendes zu erleben, doch plötzlich geschehen merkwürdige Dinge um sie herum. Abends steht ein seltsamer Mann vor ihrem Fenster und winkt sie zu sich, nur um im nächsten Moment spurlos zu verschwinden; im Haus und im Wald vernimmt sie flüsternde Stimmen und dann wird Anna auch noch fast von einem herabstürzenden Dachziegel erschlagen. Verfolgt sie etwa ein Geist? Gemeinsam mit Tjark, den sie in Qual kennengelernt hat, macht sie sich auf die Suche nach der Ursache für die seltsamen Ereignisse. Und begibt sich so in Lebensgefahr...


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Im Jahr 2011 erschien mit "Magnolia Steel - Hexendämmerung" Sabine Städings Kinderbuch-Debüt. "Anna und die flüsternden Stimmen" ist nun ihr erstes Jugendbuch. Leider muss ich sagen, dass der Sprung vom Kinder- zum Jugendbuch nicht wirklich geglückt ist. Für mich jedenfalls war das Buch einfach zu simpel und zu vorhersehbar geschrieben, um mich fesseln zu können. 

Anna ist fünfzehn und alles andere als begeistert davon, im kleinen langweiligen Ostsee-Dorf Qual Urlaub zu machen, während ihre Freundinnen sich in der Sonne von St. Tropez bräunen. Als sie den Jungen Tjark kennenlernt, bessert sich ihre Situation. Klar, denn Tjark sieht echt gut aus, ist witzig und talentiert. Doch schon in der ersten Nacht in Qual muss Anna feststellen, dass das Dörfchen alles andere als langweilig ist. Denn scheinbar spukt es hier! Nachts steht vor ihrem Fenster ein unheimlicher, wächsern blasser Mann und winkt Anna zu sich. Flüsternde Stimmen und Schatten huschen durchs Haus. Und als Anna den Mann am nächsten Tag auf der Straße wiedersieht, lockt er sie fast vor einen LKW. Ist er etwa ein rachsüchtiger Geist, der sie umbringen will?

Die Grundidee des Buches mit seiner Geistergeschichte fand ich gut und deshalb habe ich mich auch vom Klappentext zum Lesen verführen lassen. Ich entspreche zwar schon lange nicht mehr der anvisierten Zielgruppe von 12-15 Jahren, aber ich lese trotzdem sehr gerne Jugendbücher. Leider blieb dieses hier doch hinter vielen anderen zurück. Es mangelte der Geschichte an spannenden Wendungen, die Charaktere waren sehr oberflächlich und stereotyp beschrieben, so dass mir keiner von ihnen so richtig sympathisch war. Und auch die Geschichte war mir zu vorhersehbar. Ich glaube, spätestens Leser ab 14 Jahren werden sich mit der doch sehr geradlinigen erzählten Geschichte eher langweilen. Mir jedenfalls ging es leider so.

Was ich dabei eigentlich gut fand, waren die gruseligen Elemente, die die Autorin in die Geschichte eingewebt hat. Eine unheimliche Gestalt abends vor dem Fenster, die lockend den Finger krümmt, eine Leinwand, auf der plötzlich fürchterliche Szenen auftauchen. Die beschriebenen Szenen waren in meiner Vorstellung doch tatsächlich ziemlich unheimlich und lösten bei mir ein reges Kopfkino aus. Leider ließ aber auch hier die Gruselstimmung oftmals aufgrund des zu simplen Schreibstils zu wünschen übrig. Ich musste meine Fantasie schon ziemlich anstrengen, um in der Gruselstimmung zu bleiben.

Kurzum, dieses Buch war für mich von der Charaktertiefe, dem einfachen Schreibstil und der geradlinigen Handlung her eher ein Kinder- als ein Jugendbuch, bei dem alles natürlich etwas einfacher erzählt wird. Würde "Anna und die flüsternden Stimmen" als Kinderbuch beworben werden, wäre meine Bewertung sicherlich gnädiger ausgefallen. So aber ist die Geschichte leider weit hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben. Schade.

Anna und die flüsternden Stimmen - Sabine Städing
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Boje); Auflage: 1 (17. August 2012)
ISBN-10: 3414821141
Preis: 12,99 Euro

Willis Fazit:
 



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1 Kommentare

  1. Das Cover ist toll, schade das die Geschichte nicht überzeugen kann.

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